Ab in den Infight

Auch die jüngste Chance auf die Olympiaqualifikation konnte Gregor Buchholz nicht nutzen. Das hat dem Deutschen schlaflose Nächte beschert - und für eine Erkenntnis gesorgt, die ihm auf seinem Weg nach Rio helfen könnte.

Von > | 4. Mai 2016 | Aus: Szene

World Triathlon Cape Town 2016 - Männer - 05

Foto > Delly Carr / triathlon.org

Bevor ich mit dem eigentlichen Blog beginne, muss ich mich erst mal bei allen regelmäßigen Lesern für die etwas längere Schreibpause entschuldigen. Zur meiner Verteidigung muss ich jedoch sagen, dass die „Road to Rio“ eine ziemliche Nervensache wird.

Videostudium mit dem Trainer

Da es schon länger her ist, zunächst ein Blick zurück: Vor drei Wochen gab es an der australischen Gold Coast die zweite Qualifikationschance für die Olympischen Spiele. Als Norm galt immer noch eine Top-Acht-Platzierung. Ich habe wie immer viel und hart trainiert und fühlte mich vor dem Rennen fit und war ziemlich zuversichtlich, eine gute Performance hinzulegen. Das Rennen selbst ist dann aber in nur einem Wort auf den Punkt gebracht: Katastrophe! Als einer der Letzten kam ich aus dem Wasser und in einer kleinen, dreiköpfigen Radgruppe ging es auf die Radstrecke. Es war sehr schnell klar, dass das Rennen gelaufen war. Derartig abgeschlagen hat man in der World Triathlon Series keine Chance mehr. Nicht auf Punkte für das Olympiaranking, und schon gar nicht auf eine Top-Acht-Platzierung. Recht schnell fasste ich den Entschluss, auszusteigen. Der Hauptgrund dafür ist meine Achillessehne, die mir immer wieder Probleme bereitet. Zusammen mit meinem Physiotherapeuten, José Miota, und auch meiner als Osteopathin tätigen Frau habe ich das Problem recht gut im Griff und ich kann alles trainieren und bedenkenlos Wettkämpfe bestreiten, wenn auch nicht immer schmerzfrei. Im Training rausnehmen kann ich jedoch nicht, denn der Wettkampfplan und der Kampf um die Olympiaspots sind zu eng. Einen Zehn-Kilometer-Lauf für nichts, den spare ich mir dann aber lieber. Schließlich stand zwei Wochen später schon das nächste Rennen der Weltmeisterschaftsserie auf dem nächsten Kontinent an.

Dennoch: Noch nie fühlte ich mich so elend wie nach dem Rennen an der Gold Coast. Solche Niederlagen schlagen schwer aufs Gemüt. Nachts fiel es mir schwer zu schlafen - und das nicht nur wegen des Jetlags nach der Rückreise nach Europa. Es war klar, dass schnell etwas geschehen musste. Ich brauchte Fakten, die meine Ungewissheit aufbrachen und mit denen ich weiterarbeiten konnte. Zusammen mit meinem Coach analysierte ich stundenlang die Videoaufnahmen der vergangenen Rennen. Dabei stellten wir vor allem eines fest: Ich schwamm nicht wirklich clever. Zum Beispiel entschied ich mich für den falschen Wasserschatten und war bei den Richtungsänderungen an den Bojen zu weit außen und verlor so viele Positionen. Solche Fehler kann ich mir nicht leisten! Den Positionskampf im Wasser habe ich etwas aus den Augen verloren, aber gerade dieser ist meine einzige Chance. Javier Gomez zum Beispiel hat vor kurzem in einem Schwimmwettkampf auf 1.500 Meter eine Zeit von 15:56 Minuten hingelegt. Auch wenn ich viele Fortschritte gemacht habe, muss ich mir ehrlich eingestehen, dass dies ein Level ist, das ich nicht mehr erreichen werde. Letztendlich geht es für mich darum, den Rückstand so gering wie möglich zu halten. Das heißt, ich muss schnelle Füße erwischen und diese auch gegen Schwimmer neben mir zu verteidigen wissen. Besonders wichtig sind die Bojen für mich. Hier brauche ich den kürzesten Weg. Also hinein ins größte Getümmel, den "Infight".

Zick-Zack-Training in Kapstadt

Die nächste Möglichkeit, das zu trainieren, bot sich gleich beim dritten Rennen der World Triathlon Series in Kapstadt. Nach sechs Tagen Aufenthalt in Deutschland ging es also schon wieder in den Flieger und an das Kap der guten Hoffnung. Gelegenheit zum Infight sollte ich in Kapstadt genügend bekommen. Allein sechs Bojen mit einer Richtungsänderung auf 750 Metern sind bestimmt ein neuer Rekord im Triathlon. Der reinste Zick-Zack-Kurs. Dieses Mal verhielt ich mich besser, auch wenn es auf jeden Fall noch Steigerungspotential gibt. Nach einigen sauber eingesteckten Kopftreffern schaffte ich aber den Sprung in das Hauptfeld. Vorne fuhr eine elfköpfige Spitzengruppe mit einem Vorsprung von rund 25 Sekunden, welchen diese auch bis zum Laufen durchbrachte.

Beim Laufen konnte ich mich bis auf den 14. Platz vorkämpfen, erwischte dann aber mit Magenproblemen ein schwaches Finish und überquerte die Linie als 20ter. Ein mäßiges Ergebnis, aber immerhin gab es dieses Mal wieder wichtige Punkte für das Olympiaranking. Nach Kapstadt ging es für mich direkt weiter nach Banyoles, nahe Girona. Hier bereite ich mich derzeit mit meiner Trainingsgruppe auf das nächste Rennen in Yokohama Mitte Mai vor, wo es die nächste Chance auf die Olympiaqualifikation gibt. Vorgabe: Erneut eine Top-Acht-Platzierung.

Bis dahin!