Alistair Brownlee pokert sich an die Spitze

Olympiasieger Alistair Brownlee eröffnet seine Saison mit einem Sieg. Beim WM-Serienrennen in Kapstadt zeigte sich der Brite ungewöhnlich geduldig, verwies Javier Gómez kurz vor dem Ziel aber schließlich doch noch auf den Silberrang. Auch Steffen Justus feierte einen erfreulichen Wiedereinstieg.

Von > | 26. April 2015 | Aus: SZENE

Alistair Brownlee | Alistair Brownlee eröffnet seine Saison mit einem Sieg

Alistair Brownlee eröffnet seine Saison mit einem Sieg

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Man kennt ihn aggressiv, aktiv, immer auf Krawall gebürstet und sich nie für eine Attacke oder viele Führungskilometer auf dem Rad zu schade. Doch Alistair Brownlee kann offensichtlich auch anders: Beim WM-Serienrennen in Kapstadt präsentierte sich der Brite fast über die gesamte Renndauer hinweg ungewöhnlich passiv - und entschied das Rennen letztlich trotzdem zu seinen Gunsten.

Justus gelingt ein starkes Comeback

Seine Zurückhaltung auf der Strecke, erklärte Brownlee später im Ziel, sei vor allem auf seine noch verbesserungswürdige Form zurückzuführen gewesen. Doch sie ließ sich auch mit der Entwicklung des Rennens an sich erklären: Wie beim Frauenrennen tags zuvor ergaben die Temperaturmessungen auf der Schwimmstrecke Werte unter 12 Grad Celsius, weshalb die Veranstalter die Athleten nur eine statt zwei geplanten 750-Meter-Schwimmrunden absolvieren ließen. In Abwesenheit des stärksten Schwimmers Richard Varga (SVK) spannte sich dort prompt Javier Gómez vor das Feld - doch dem gelang es, anders als zumeist seinem slowakischen Kollegen, nicht, das Feld mit seinem Tempo in mehrere Gruppen zu zerreißen. So fand sich binnen weniger Radkilometer ein über 40 Mann starkes Hauptfeld zusammen, in das es mit guten Schwimmleistungen auch die drei Deutschen Justus Nieschlag, Steffen Justus und Gregor Buchholz geschafft hatten. Immer wieder versuchten sich in der Folge verschiedene Athleten - darunter auch der engagierte Lokalmatador Richard Murray (RSA) - von dieser Gruppe, die sogar noch bis auf fast 60 Mann anwuchs, zu lösen. Doch dank der Nachführ- und Tempoarbeit des Norwegers Kristian Blummenfelt und auch des von einer Schulterverletzung genesenen Steffen Justus blieb das Hauptfeld, in dem sich die starken Läufer um Brownlee meist versteckten, bis zum zweiten Wechsel zusammen.

An diesem Wechsel zeigte sich der britische Olympiasieger dann wieder an der Spitze: Dicht gefolgt Sven Riederer (SUI) und Steffen Justus rannte Brownlee als Führender zu seinem Radständer und auch als erster Athlet wieder auf die Laufstrecke heraus. Auch Javier Gómez gelang ein schneller Wechsel, wogegen Mario Mola durch einen Stolperer einige Sekunden verlor und auch der aktuell eigentlich schnellste Läufer im DTU-Team, Gregor Buchholz, bereits zum Start der zehn Laufkilometer deutlich an Boden eingebüßt hatte. Der Deutsche konnte seine Laufstärke auch in der Folge nicht unter Beweis stellen und wurde weit zurückgeworfen, sein Teamkollege Justus Nieschlag stieg sogar aus. "In dieser Hinsicht sind wir enttäuscht. Gerade bei dieser Rennkonstellation hatten wir auf ein gutes Ergebnis gehofft", sagte Elite-Bundestrainer Dan Lorang anschließend. Auf der anderen Seite konnte immerhin Steffen Justus die Erwartungen an ihn sogar deutlich übertreffen: Obwohl nach einer Schulterverletzung erst seit wenigen Wochen wieder im ernsthaften Training, verpasste er eine Top-Ten-Platzierung als Elfter nach guter Laufleistung nur denkbar knapp - und sackte im Ziel offenbar mit einem Krampf im hinteren Oberschenkel zusammen.

WTS Cape Town | Vincent Luis und Richard Murray agieren mutig

Vincent Luis und Richard Murray agieren mutig

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Steffen Justus | \"Die Schulter war es\": Steffen Justus feiert in Kapstadt ein gelungenes Comeback

"Die Schulter war es": Steffen Justus feiert in Kapstadt ein gelungenes Comeback

Foto >Jo Kleindl / DTU

"Gegen Jonathan hätte das nicht gereicht"

An der Spitze aber entwickelte sich ein Schlagabtausch zwischen fünf Athleten: Richard Murray übernahm bereits nach wenigen Metern die Tempoarbeit, nur Javier Gómez, Vincent Luis (FRA), Fernando Alarza (ESP) und der weiterhin zurückhaltend agierende Alistair Brownlee konnten folgen. Und nach rund drei Kilometern schien Brownlee gar in ernsthafte Probleme zu geraten: Bei einer Attacke des Franzosen Luis kreuzte der Brite den Weg mit Javier Gómez, stolperte über die Ferse des Spaniers und verlor einige Meter auf seine Begleiter. Er brauchte rund zwei Kilometer, um die Lücke, das Gesicht zu einer schmerzverzerrten Grimasse verzogen, wieder zu schließen - und schob sich prompt wieder in den Windschatten seiner Konkurrenten, während Alarza nun als erster der Spitzenläufer tatsächlich abreißen ließ.

Wenige Meter später musste auch Luis für seinen Mut bezahlen und fiel leicht zurück, während Murray sich erneut um das Tempo bemüht machte. Der ersten Attacke des Galiziers Gómez' zwei Kilometer vor dem Ziel konnte dann allerdings auch der Südafrikaner nicht mehr folgen - Brownlee dagegen sogar noch etwas draufsetzen: Rund 1.500 Meter vor dem Ziel übernahm der Olympiasieger erstmals ernsthaft die Initiative und schüttelte Gómez mit einem harten Antritt prompt ab, um sich vor dem Spanier seinen ersten Saisonsieg zu sichern. Der wacker kämpfende Vincent Luis schob sich im Kampf um Bronze noch an Richard Murray vorbei. "Ich hatte wirklich Schmerzen auf der ersten Laufrunde, das ganze Rennen war hart", erzählte anschließend Alistair Brownlee, der sich von seinem Sieg im Ziel nach außen hin betont unbeeindruckt präsentierte. Und so auch sprach. "Meine Form ist noch nicht toll. Das soll unter anderem durch dieses Rennen besser werden", sagte er. "Wenn mein Bruder Jonathan heute hier gewesen wäre, hätte das für mich wohl kaum zum Sieg gereicht."

ITU World Triathlon Series Cape Town

  1. April 2015, Kapstadt (RSA)

Name

Nation

Gesamt

750 m Swim

40 km Bike

10 km Run

1

Alistair Brownlee

GBR

1:39:19

8:39

59:35

30:05

2

Javier Gomez

ESP

1:39:24

8:32

59:44

30:09

3

Vincent Luis

FRA

1:39:28

8:43

59:32

30:11

4

Richard Murray

RSA

1:39:39

8:47

59:26

30:24

5

Fernando Alarza

ESP

1:39:51

8:46

59:28

30:37

6

Sven Riederer

SUI

1:40:00

8:49

59:18

30:45

7

Pierre Le Corre

FRA

1:40:07

8:42

59:39

30:52

8

Mario Mola

ESP

1:40:16

8:50

59:22

30:55

9

Crisanto Grajales

MEX

1:40:30

8:47

59:31

31:08

10

Joao Pereira

POR

1:40:32

8:49

59:28

31:10

11

Steffen Justus

GER

1:40:37

8:56

59:13

31:21

36

Gregor Buchholz

GER

1:42:32

8:49

59:24

33:10

DNF

Justus Nieschlag

GER

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