Andreas Raelert will "König von Buschhütten" werden

Ein legendäres Rennen kehrt zurück ins Blickfeld des Triathlonsports: Nach drei Jahren "Auszeit" wird am Sonntag im Siegerland wieder ein König gesucht. Bei der 30. Auflage des Buschhüttener Triathlons wird es aber auch einen emotionalen Abschied geben.

von | 4. Mai 2016 | Aus: Szene

Cannes International Triathlon 2016 - 04

Foto > José Luis Hourcade

Wenige Menschen haben für den Triathlonsport in einer Region und für Triathlonprofis weltweit so viel bewegt wie Rainer Jung. 1987 kam der mit dem Schwimm-Meister des Bades in seiner Heimat eher als Spaß auf die Idee, einen Triathlon auszurichten - und 14 Tage später schickte er 87 Teilnehmer ins Rennen, nachdem Jung zuvor mit handgeschriebenen Flyern für seine Veranstaltung geworben hatte. "Die Radstrecke führte damals noch teilweise über Bürgersteigkanten und das Laufen durch den Wald, weil wir dachten, dass man den Leuten den Asphalt nicht zumuten kann", erzählte Jung im Gespräch mit dem triathlon-Magazin (Ausgabe 137). Doch Jung und sein Team professionalisierten sich und bauten nebenbei ein Team auf, mit dem er die Triathlon-Bundesliga in den vergangenen Jahren dominierte und zahlreichen Profi-Athleten das finanzielle Auskommen erleichterte. Doch am Sonntagnachmittag, nach 30 Jahren im Dienste seines Ejot TV Buschhütten, zieht Rainer Jung einen Schlussstrich unter sein Engagement in einer Führungsrolle in der Triathlon-Metropole nahe Siegen.

Angert fordert Böcherer, Raelert und Reichel

Die Arbeit habe in den vergangenen Jahren Überhand genommen und sei ehrenamtlich nicht mehr zu stemmen, erklärte Jung seine Beweggründe: "Bestehende Freundschaften musste ich aufgeben, weil mich diese Aufgabe komplett gefordert hat." Die 30. Auflage des Rennens soll deshalb zwar nicht die letzte, aber doch eine besondere werden: Der Buschhüttener Triathlon kehrt zurück zu seinen Wurzeln und zu einem Format, das ihn einst so beliebt und erfolgreich gemacht hatte. Bis 2012, bevor ein dreijähriges Intermezzo als Station in der Triathlon-Bundesliga folgte, wurde in Buschhütten auf der Kurzdistanz mit Draftingverbot der "König" gesucht, stets kam es zum Kräftemessen hochkarätiger ITU-Kurzdistanz- gegen Langdistanzathleten. Dieses Format hat Jung für seine Abschiedsvorstellung wiederbelebt - auch wenn den deutschen Kurzdistanzathleten in ihrem Kampf um Olympia ein Start in Buschhütten diesmal nicht in den Terminplan passte.

T3 Düsseldorf 05

Rainer Jung tritt nach 30 Jahren zurück

Foto > Fabian Fiedler

Passend zur Rückkehr eines legendären Rennens ist Jung aber die Verpflichtung eines Hochkaräters gelungen, dem selbst gerade erst ein beeindruckendes Comeback geglückt ist: Der Hawaii-Zweite Andreas Raelert dient als prominentes Aushängeschild für die Wiederbelebung des Rennens in Buschhütten, hat den Wettkampf in seiner langen Karriere aber noch nie gewonnen. Jung hatte sogar schon frühzeitig bei Jan Frodeno angeklopft - dessen Verpflichtung ließ sich aber nicht realisieren. Stattdessen wird sich Raelert mit Andreas Böcherer messen, der in Buschhütten schon einmal Zweiter wurde und vor zwei Wochen die Challenge Fuerteventura gewann. Auch Ivan Vasiliev, Andreas Niedrig, Horst Reichel und TV-Buschhütten-Nachwuchsathlet Jonas Hoffmann haben Podestambitionen. Ganz besonders auf der Rechnung haben dürften Raelert und Böcherer außerdem Florian Angert: Der Gießener, der im vergangenen Jahr den Rhein-Neckar-Cup dominierte und in diesem Jahr auf der Mitteldistanz Fuß fassen will, ist der stärkste Schwimmer im Feld und auch in den beiden übrigen Disziplinen ein ernstzunehmender Herausforderer der Weltklasse-Langdistanzathleten. Auch sein Mannschaftskollege aus dem Erdinger-Perspektiv-Team, Julian Erhardt, könnte eine Rolle bei der Vergabe der Podestplätze spielen: Vor zwei Wochen besiegte er Angert beim City-Triathlon in Koblenz, bei dem zuvor allerdings das Schwimmen gestrichen worden war.

Brechters gegen Baumgärtel

Etwas weniger namhaft, aber ebenfalls gespickt mit ambitionierten Athletinnen präsentiert sich das Startfeld der Frauen bei der 30. Auflage des Rennens in Buschhütten: Dabei könnte mit Theresa Baumgärtel sogar eine Athletin gewinnen, die in der Triathlon-Bundesliga für das EJOT-Team aktiv ist. Ihre ärgste Konkurrentin dürfte aber Carina Brechters aus Worms werden, die eine herausragende Schwimmerin ist und seit einigen Monaten unter den Fittichen des Australiers Brett Sutton trainiert. Sarah Gebauer, Ellen Knoepke und Annette Niederau ergänzen das Startfeld der Damen.