Angriffslust und Aufbruchstimmung im DTU-Team

Die Ergebnislisten der vergangenen Jahre lasen sich oft mau, doch es bewegt sich etwas bei der Deutschen Triathlon Union. Zwei Wochen vor dem Start der World Triathlon Series 2015 in Abu Dhabi ist die Aufbruchsstimmung rund um das DTU-Team greifbar - und die zuletzt teils enteilte Weltelite scheint zumindest wieder in Sichtweite. Eine Bestandsaufnahme.

Von > | 20. Februar 2015 | Aus: Szene

Buchholz und Ebli in Saarbrücken | Buchholz und Ebli in Saarbrücken

Ralf Ebli und Gregor Buchholz

Foto > DTU/Jo Kleindl

Angriffslust und Aufbruchstimmung im DTU-Team

Das große Wort "Weltspitze" geht den Trainern aus dem Team der Deutschen Triathlon Union zu Beginn des Kalenderjahres 2015 noch etwas holprig über die Lippen. Ob es DTU-Cheftrainer Ralf Ebli ist, Elite-Bundestrainer Dan Lorang oder der neue U23-Bundestrainer Klaus-Peter Justus: Alle sprechen dieses Wort beinahe versehentlich aus, kommen dabei kurz ins Stocken, denken einen Moment nach. Und sagen: "Ja, doch. So ist es ja."

Eine große Lücke

Dabei sollte es für einen der größten nationalen Triathlonverbände der Welt nicht nur dem Selbstverständnis nach normal sein, auch sportlich zur Weltelite zu gehören, doch für die Deutsche Triathlon Union ist es das seit den Olympischen Spielen von London nicht mehr. Zu oft und zu deutlich lief sie seitdem der Weltspitze hinterher - in der Außendarstellung häufig aufpoliert durch starke Einzelleistungen von Jan Frodeno oder Anne Haug, die selbst allerdings fernab des Verbands in Australien lebte und trainierte. Die Lücke war groß zwischen den wenigen Aushängeschildern der DTU und den Anderen. Doch es hat sich viel bewegt im Verband.

Ralf Ebli ist ein Gesicht und eine treibende Kraft dieser Veränderungen. Schon bis 2006 war er DTU-Trainer, zur Saison 2013 wurde er als Cheftrainer reinstalliert. Der Trainerfuchs koordiniert und berät sich nun mit den Bundestrainern aus Elite- und Nachwuchsbereich. Seine privaten Verträge hat Ebli, um sich auf diese Aufgabe konzentrieren zu können, fast alle beendet - und mit der Übernahme des zu dieses Zeit schwächelnden Teams auch seinen Ruf als Erfolgstrainer riskiert. Das war ihm klar. Dennoch stellte er sich der Herausforderung. Und versuchte dort anzuknüpfen, wo er 2006 aufgehört hatte.

Ebli sucht die Erfolgsspur erneut in Saarbrücken

"Als wir nach den Olympischen Spielen 2012 übernommen haben, war es hier am Stützpunkt, auch durch die Abgänge von Zugpferden wie Jan Frodeno, Daniel Unger oder Maik Petzold, phasenweise beinahe tot", erklärt Ebli am Beckenrand der Schwimmhalle der Landessportschule in Saarbrücken und wirft einen Blick auf seine Eliteathleten, die zwei Wochen vor dem Start der World Triathlon Series 2015 einen Leistungstest im Schwimmen und tags darauf im Laufen absolvieren. Heute leben und trainieren wieder mehr als zehn Athleten am Stützpunkt. Sie bekommen regelmäßig Besuch von den ebenfalls in Saarbrücken ansässigen Freiwasser-Spezialisten, von Athleten aus Landeskadern oder beispielsweise der starken Schwimmerin Carina Brechters, die das Schwimmtraining der DTU-Damen beleben soll. Weitere Athleten wollen in den nächsten Monaten dem neuen, alten Glanz der perfekten Trainingsbedingungen und der wiedererstarkten Trainingsgruppe nach Saarbrücken folgen.

In der taktisch so entscheidenden Auftaktdisziplin stehen mit Schwimmtrainer Hannes Vitense bei - in normalen Belastungswochen - sechs Einheiten mit insgesamt 26 bis 30 Wochenkilometern Technikumstellungen auf dem Trainingsplan, die sich langfristig auszahlen sollen. Vor allem wurde aber ein stärkerer Schwerpunkt auf das Freiwassertraining gelegt. Die gesamte Trainingssteuerung der Athleten wurde mit Amtsübernahme des neuen Elite-Bundestrainers Dan Lorang "verwissenschaftlicht". Aufbruchsstimmung und Zuversicht, die Ebli, Lorang und die Athleten verströmen, sind in den Tagen vor dem WM-Start 2015 greifbar. Und die Weltspitze nach der Neuorientierung im Anschluss an die Olympischen Spiele 2012 erstmals wieder in Sichtweite für die deutschen Athleten - auch wenn die nackten Ergebnislisten das in der vergangenen Saison nicht immer belegen konnten. Wohl auch deswegen werden die Öffentlich-Rechtlichen TV-Sender nach aktuellem Kenntnisstand nur noch vom WM-Rennen in Hamburg berichten.

"Den Athleten helfen, sich zu entfalten"

"Die Leistungsdaten sprechen eine sehr positive Sprache", sagt Ebli. Gerade erst haben die Kader-Athleten einen Leistungstest im Schwimmen absolviert und mehrere Bestleistungen erzielt - in der taktisch so eminent wichtigen Disziplin, in der die meisten DTU-Athleten die Rennen in den vergangenen Jahren meist bereits verloren hatten. "Das Training schlägt an", ist Ebli überzeugt. Auch bei Anne Haug, die nach einem Jahr in Saarbrücken zwar im Winter wieder zurück nach Australien in eine Trainingsgruppe mit der Weltmeisterin Gwen Jorgensen (USA) zog, dort aber weiterhin nach Dan Lorangs Anweisungen trainiert. "Wir nutzen die gesamte Bandbreite der Kommunikation. Gerade erst hat sie eine lange Nachricht über WhatsApp gesendet", sagt Ebli und greift nach seinem Smartphone. In mehreren 400-Meter-Schwimmserien hatte Haug die Zielzeiten deutlich unterboten - und berichtete euphorisch, dass sie dabei subjektiv noch nicht einmal ans Limit gehen musste. Auch bei einem kleinen Sprintrennen in Australien zeigte sie sich im Wasser stark verbessert, auch wenn sie läuferisch nach einer langen Verletzungsauszeit wegen eines Radsturzes beim WM-Rennen in London 2014 noch keine Chance gegen Weltmeisterin Jorgensen hatte.

"Anne ist ein Typ, die in diesem Campleben und dem täglichen Messen mit den Weltbesten aufgeht. Dann müssen wir ihr das auch ermöglichen, statt sie in Saarbrücken festzuhalten", sagt Ebli. "Wir dürfen die Athleten nicht durch Verbandsstarrsinn einengen, sondern müssen ihnen einen Nährboden bieten, beistehen und optimale Rahmenbedingungen schaffen. Wir wollen ihnen helfen, sich so zu entfalten, wie sie es brauchen. Für viele ist Saarbrücken die optimale Lösung, für andere vielleicht nicht."