Anne Haug auf dem Weg zum WM-Gipfel

In Kitzbühel könnte Anne Haug nicht nur als erste Athletin das Kitzbüheler Horn, sondern auch wieder an Gwen Jorgensen vorbei an die Spitze der WM-Wertung stürmen. Anja Knapp und "Bergfloh" Rebecca Robisch gehen in Österreich ebenfalls auf Klettertour.

Von > | 4. Juli 2013 | Aus: Szene

WTS Madrid_12

Als Jorgensen in ihre Gruppe zurückfällt, attackiert auch die Deutsche. Nur Paula Findlay kann folgen.

Foto > Janos Schmidt / triathlon.org

Aus einer ersten Streckenbesichtigung knapp zwei Wochen vor dem Bergrennen in Kitzbühel hat Anne Haug vor allem einen Schluss gezogen: "Ich muss mir nochmal das Video vom Ironman Hawaii ansehen, in dem die beiden Führenden ins Ziel krabbeln", schreibt die deutsche Vizeweltmeisterin auf ihrer Homepage. "Werde mir auch noch eine schnelle Vierfüßer-Fortbewegung aneignen. Man weiß ja nie." Denn die fünfte Station der World Triahtlon Series 2013 hat es in sich.

Vorteil Erfahrung?

Über 1.000 Höhenmeter warten auf den insgesamt nur knapp 15 Rennkilometern auf die Athleten. Die letzten sieben der 11,5 Kilometer auf dem Rad weisen eine Steigung von durchschnittlich 14 Prozent auf - mit dem steilsten Teilabschnitt von 22,3 Prozent zum Abschluss. Deshalb will sich die Süddeutsche auch gar nicht festlegen, wer in Kitzbühel ihre schärfsten Konkurrentinnen werden könnten. "Ich könnte keine Favoriten ausmachen, weil dieses Rennen so extrem ist", sagt Haug. "Das ist reine Hubarbeit - Gewicht ist Geschwindigkeit." Aus diesem Grund hat ihr ein Radpartner auch eigens für das Bergrennen eine besonders leichte Rennmaschine zusammengestellt, die Anne Haug bei ihrem Sieg beim Schliersee-Triathlon erstmals erfolgreich getestet hat: Nur 5,55 Kilogramm wiege ihr Rad für das Rennen in Kitzbühel, erzählt sie.

Doch nicht nur deshalb gehört die 1,64 Meter große und 51 Kilogramm leichte Sportlerin zu den Favoritinnen in den Alpen. Sondern auch, weil sie ohnehin die wahrscheinlich beste Radfahrerin im Feld der Kurzdistanzlerinnen ist. "Auch ich muss da erstmal hochkommen, auch ich muss einen guten Tag erwischen", wiegelt sie zwar ab. Doch die Vorteile liegen auf ihrer Seite. Gwen Jorgensen (USA) und die Britin Non Stanford sind ihre schärfsten Konkurrentinnen im Kampf um den Weltmeistertitel des Jahres 2013 - und Jorgensen bringt als Laufspezialistin zwar kein Gramm Körpergewicht zu viel mit nach Österreich, offenbarte in der zweiten Disziplin in der Vergangenheit aber häufiger noch leichte Schwächen, die sich in Kitzbühel rächen könnten. Die Britin Non Stanford dagegen, Siegerin des letzten Serienrennens in Madrid, ist wie Haug eine starke Radfahrerin und könnte nach dem Schwimmen außerdem mit einem Vorsprung vor der Deutschen auf die Radstrecke gehen. Allerdings gehört sie mit 24 Jahren zu den jüngsten und unerfahrensten Athletinnen im Feld - und Erfahrung dürfte bei diesem Alpenrennen ein wichtiger Faktor werden. "Man muss hier seinen eigenen Rhythmus finden", erklärte Anne Haug nach der Streckenbesichtigung. "Man kann nie rausnehmen. Wer hier auch nur ein bisschen überzieht, der hat verloren."

Erstmals alle Topathletinnen am Start

Rausnehmen werden wohl auch einige andere Athletinnen nicht im Kampf um den Tagessieg: Jodie Stimpson (GBR), Felicity Abram (FRA), Haugs neue Trainingskollegin Emma Moffatt, Ashleigh Gentle (beide AUS), Andrea Hewitt (NZL), Sarah Groff (USA) und Maaike Caelers (NED) sind - zumindest auf flacheren Strecken - die wohl schnellsten Läuferinnen und Radfahrerinnen im Feld. Auch Jessica Harrison (FRA) gehört zu den stärkeren Athletinnen in der zweiten Disziplin, ist aber auch etwas schwerer als die meisten Konkurrentinnen. Dafür könnte das Format der leichtgewichtigen Irin Aileen Reid in die Karten spielen, auch Melanie Hauss (SUI) könnte für eine Überraschung sorgen.

Das deutsche Team ergänzt die 25-Jährige Anja Knapp, die mit dem achten Rang beim letzten Rennen auf dem hügeligen Kurs in Madrid ihr bisher bestes Resultat in der World Triathlon Series erzielte. Als gute Schwimmerin könnte sie mit etwas Vorsprung auf viele Favoritinnen in den Berg starten, dort somit zunächst noch einige Kräfte sparen. Die ebenfalls 25-Jährige Rebecca Robisch feiert in Kitzbühel ihr Comeback in der World Triathlon Series. Im vergangenen Jahr war sie nur beim Rennen in Stockholm am Start, wurde dort gute Zehnte - in diesem Jahr ist es nach mehreren Europacups und dem Europameisterschafts-Start in Alanya ihr erstes Rennen in der World Triathlon Series. "Wir haben das Jahr ruhig aufgebaut", erklärt die Fränkin gegenüber tri-mag.de, nun will sie sich über die nächsten beiden Rennen in Österreich und Hamburg aber in der WM-Serie etablieren. Einen besseren Auftakt habe sie sich dafür kaum wünschen können: "Ich bin ein Bergfloh", meint die 47 Kilogramm leichte Athletin.