In einem taktischen Olympia-Rennen dürfte Anne Haug von den drei Deutschen die besten Karten haben.

Frank Wechsel / spomedis

Anne Haug in Hamburg
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Deutschlands Olympiastarter Anne Haug - furchtlos und pfeilschnell

Kurzstrecke | 2. August 2012
Neues Umfeld, neuer Trainer, neue Reize. Die freiwillige Flucht nach Australien war für Anne Haug der Schlüssel zum Olympiaticket. Nun lastet der Druck auf anderen - und genau das könnte am Samstag die Chance der spurtstarken 29-Jährigen sein. Vorausgesetzt, sie ruft beim Schwimmen im Serpentine Lake ihr volles Potenzial ab.
Manchmal muss man einen ungewöhnlichen, für Außenstehende schwer nach vollziehbaren Weg gehen, um ans Ziel zu kommen. Und genau das hat Anne Haug Ende vergangenen Jahres getan. Sie ließ alles stehen und liegen, ihre Münchner Heimat hinter sich und schloss sich der Trainingsgruppe des Australiers Darren Smith an. Wichtigster Grund: Haug wollte gezielt an ihrer Schwimmschwäche arbeiten, um eine realistische Chance zu haben, die von der DTU geforderten Kriterien für die Olympianominierung erfüllen zu können. Ein Alleingang mit vollem Risiko und ungewissem Ausgang - doch der Erfolg in Form des Tickets zu den Olympischen Spielen gibt Haug letztendlich recht.
Persönliches
 
Geburtstag: 20. Januar 1983
 
Geburtsort: Bayreuth
 
Wohnorte: München/Bayreuth
 
Größe/Gewicht: 164 cm/51 kg
 
Hobbys: Beachvolleyball, Puzzles, Gedächtnisrätsel
So außergewöhnlich wie ihr Weg zu Olympia begann auch die sportliche Karriere von Anne Haug.
Anne Haug am Schwimmausstieg
Schwimmen: Das große Manko von Anne Haug
©Frank Wechsel / spomedis
2001 wurde sie als 18-Jährige Weltmeisterin im Indiaca, einem in Deutschland eher seltenen südamerikanischen Rückschlagspiel. Danach brachte sie es noch zur Bayerischen Meisterschaft im Badminton (Team). Erst 2004 wagte sie erste Gehversuche im Ausdauersport, zunächst im Duathlon, später dann auch bei Triathlon-Wettkämpfen. Vor dem Schritt zur Berufstriathletin schloss Haug an der TU München ein Studium zur Diplom-Sportwissenschaftlerin ab.
Sportliches
 
Verein: TV 1848 Erlangen
 
Heimtrainer: Darren Smith
 
Beruf: Triathlonprofi, Diplom-Sportwissenschaftlerin
 
Bestzeiten: 19:16 min (1.500 m Schwimmen)
                     1:01:48 h (40 km Radfahren)
                     33:44 min (10 km Laufen)
 
Ihre ersten Erfolge holte Haug im Duathlon: 2008 und 2009 krönte sie sich zur Deutschen Meisterin. Im gleichen Jahr gelang der 164 Zentimeter kleinen Bayerin der Anschluss an die nationale Triathlonspitze. Am Schliersee musste sie sich nur der Rostockerin Christiane Pilz geschlagen geben. Ihren ersten internationalen Erfolg feierte die diplomierte Sportwissenschaftlerin vor fast genau einen Jahr. Nach einigen dritten Plätzen
World Triathlon Madrid 2012
Aufholjagd: Anne Haug auf dem Weg nach vorn.
©Fabian Fiedler / fabianfiedler.de
- unter anderem beim Weltcup in Monterrey (Mexiko) - gewann Haug im September 2011 den ITU-Europacup im portugiesischen Quarteira. Es folgte ein Lehrjahr in der World Championship Series mit dem negativen Höhepunkt ausgerechnet bei der Olympia-Generalprobe in London. Nach dem enttäuschenden 54. Platz schien das Olympiaticket weiter weg denn je. Doch Haug rappelte sich auf, ging nach Australien und schnappte es sich schließlich doch noch.
Haugs wichtigste Erfolge
 
4. Platz World Triathlon Series Madrid 2012 (Olympia-Qualifikation)
 
3. Platz ITU World Cup Monterrey 2011
 
1. Platz ITU European Cup Quarteira 2011
 
5. Platz ITU Duathlon World Championship 2009
 
2. Platz Deutschen Meisterschaften Triathlon 2009
 
1. Platz Deutsche Meisterschaften Duathlon 2008/2009
Für Haug ist ein Triathlon im wahrsten Sinne des Wortes ein Steigerungslauf. Im Schwimmen, ihrer mit Abstand schwächsten Disziplin, geht es für sie fast immer nur um Schadensbegrenzung. Bei der folgenden Aufholjagd auf dem Rad ergreift sie häufig selbst die Initiative. Mit ein bisschen Glück erwischt sie dann eine Gruppe mit weiteren starken Radfahrerinnen, die ebenfalls den Sprung in die Spitzengruppe verpasst haben. Genau davon hängt es auch ab, ob Haug ihre gefährlichste Waffe, das Laufen, danach überhaupt noch gewinnbringend einsetzen kann. Sie gehört aktuell zu den schnellsten Läuferinnen im ITU-Zirkus. Sollte es am Samstag tatsächlich zu einem taktischen Rennen kommen, ist für Haug alles möglich.
Stärken und Schwächen
 
Schwimmen: 4 von 10 Punkten
 
Radfahren: 8 von 10 Punkten
 
Laufen: 9 von 10 Punkten
 
Londontauglichkeit: 6 von 10 Punkten
Unser Tipp: Haug fällt dem Höllentempo beim Schwimmen und Radfahren zum Opfer, läuft aber noch auf einen Platz unter den besten 15 nach vorn.
 
 

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