Die Meute der Herausforderer wird größer - kann Sebastian Kienle sie auch dieses Mal in Schach halten?

Frank Wechsel / spomedis

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Triathlon Buschhütten Aufstand im Kienle-Land?

Kurzstrecke | 3. Mai 2012
Stellen Sie sich vor, es ist Saisonauftakt in Buschhütten und alle gehen hin - um Einen zu schlagen. Bei der 26. Auflage des Siegerland-Cups wollen Andreas Raelert, Steffen Justus, Maik Petzold und ein halbes Dutzend weitere Hochkaräter endlich erfolgreich am Thron von Sebastian Kienle sägen.
So sehr sich Renndirektor Rainer Jung und seine Frau Sabine in den vergangenen Jahren auch bemühten, sie fanden einfach niemanden, der Sebastian Kienle hätte schlagen können. Und man kann wirklich nicht behaupten, die beiden hätten ihrem Topstar nur zweitklassige Athleten zum Geleitschutz an die Seite gestellt. Das Beste, was der deutsche Triathlon - egal ob Lang- oder Kurzdistanz - zu bieten hat, war in Buschhütten am Start, um den "König" vom Thron zu stoßen. Michael und Andreas Raelert, Andreas Böcherer, Faris Al-Sultan, Timo Bracht, Jan Raphael und Maik Petzold sind nur einige Hochkaräter, die sich in den vergangenen Jahren an Kienle die Zähne ausgebissen haben.

Neuland für Justus

Bei der 26. Auflage des Kurzdistanz-Klassikers soll nun Steffen Justus das Kienle-Land erobern. Wer, wenn nicht der Sieger des Auftakts der World Triathlon Series in Sydney, sollte den scheinbar Unbesiegbaren in seinem Wohnzimmer die erste Niederlage beibringen? Doch der 30-Jährige betritt am Sonntag nicht nur Kienle- sondern auch Neuland. Denn bisher kennt Justus Buschhütten nur als Schriftzug auf seinem schwarz-roten Wettkampfeinteiler, mit dem er seit 2011 in der Bundesliga an den Start geht. Ein klarer Vorteil für Kienle, der jeden Meter und jede Kurve des 41,4 Kilometer langen und extrem schnellen Radkurses im Kopf hat. In 53 Minuten, und damit fast drei Minuten schneller als alle anderen, jagte er vor zwei Jahren über den Asphalt. Und zwar ohne den komfortablen Windschatten seiner Konkurrenten. Auch darauf wird sich Justus einstellen müssen. Sollte er bei seiner Buschhütten-Premiere aber auch als Einzelkämpfer noch in der Lage sein, die zehn entscheidenden Kilometer in 32 Minuten oder schneller zu laufen, könnte es für Kienle nach vier recht deutlichen Siegen zum ersten Mal richtig eng werden.
Schon den dritten Anlauf zum Kienle-Sturz nehmen Andreas Raelert und Maik Petzold, wenn am Sonntag im Buschhüttener Freibad der Startschuss in den deutschen Triathlonsommer fällt. Der Bautzener kassierte 2009 und im vergangenen Jahr schon beim Radfahren mehrere Minuten Rückstand - die Aufholjagd auf der Laufstrecke endete jeweils auf dem undankbaren vierten Platz. Raelert gelang vor drei Jahren zumindest der Sprung aufs Podium - eine echte Siegchance hatte aber auch er damals nach dem Radfahren nicht mehr. Die Saisonziele des Rostockers sind auch dieses Mal wieder andere - verschenken wird der Hawaii-Dritte von 2011 sein erstes Rennen des Jahres deshalb aber sicher nicht. Die lange Liste von Kienles weiteren Herausforderern führen der dreifache Deutsche Duathlonmeister Patrick Lange, die Ironmanprofis Jan Raphael und Horst Reichel sowie das russische Brüderpaar Vasiliev an.

Deutscher Dreikampf - Ausgang offen

Nach den verletzungsbedingten Absagen von Titelverteidigerin Jodie Stimpson (GBR) und der beiden DTU-Kaderathletinnen Rebecca Robisch und Annika Vössing ist der Ausgang des Frauenrennens vollkommen offen. Daniela Sämmler kehrt zwei Jahre nach ihrem Sieg und einer Babypause mit guten Chancen nach Buschhütten zurück. Die ärgsten Konkurrentinnen der Darmstädterin dürften Meike Krebs und Jenny Schulz sein. Buschhütten-Neuling Krebs startet nach fast acht Wochen im Trainingslager in ihre Wettkampfsaison. Schulz feiert zwar auch ihre Premiere im Siegerland, hat in Sachen Wettkampfhärte aber einen kleinen Vorteil: Nach einem Sieg beim Duathlon auf Lanzarote und einer neuen 10-Kilometer-Bestzeit holte sich die 28-Jährige am vergangenen Wochenende bei den Deutschen Duathlonmeisterschaften Silber.