Team Deutschland startklar Bazlen, Dittmer und Haug bereit für den Showdown

Kurzstrecke | 3. August 2012
Einen Tag vor dem Startschuss zum olympischen Frauenrennen steigen die Anspannung, aber auch die Vorfreude unter den 55 besten Kurzdistanz-Athletinnen der Welt. Die Strecke kommt ihnen nicht entgegen, dennoch wollen sich Svenja Bazlen, Anne Haug und Anja Dittmer morgen nicht verstecken. Die sportliche Leitung hat einen Top-10-Platz als Ziel ausgegeben.
Das Schwimmen dürfte beim olympischen Triathlonrennen am Samstag um 10 Uhr MESZ nicht nur für die deutschen Athletinnen von besonderer Bedeutung sein. Doch vorher einmal den Serpentine Lake im Londoner Hyde Park zu testen, das kam für Svenja Bazlen, die Jüngste im Team, nicht infrage. Die Freiburgerin ist offenbar nicht sonderlich begeistert von dem idyllisch gelegenen See - so soll unter anderem das Wort „Ententümpel“ gefallen sein. In der Tat fühlen sich die tierischen Schwimmer im Serpentine Lake sehr wohl. Doch die deutschen Athletinnen fürchten sich offensichtlich ein wenig vor möglichen Infektionen. Erst am Renntag wollen sie das Wasser erkunden, und dann sind es ja nur ein paar Minuten und das bei voller Belastung. Da denkt frau nicht wirklich darüber nach, ob Keime in den Körper gelangen können.

Britisches Design für britisches Gold?

Abgesehen von der Sorge um die Reinheit des Gewässers fühlt sich das Team in London wohl, die Stimmung bei den Frauen sei sehr gut, hört man aus der Dreier-Mannschaft. Die einzigartige Atmosphäre im olympischen Dorf begeistert vor allem bei Olympia-Neuling Svenja Bazlen. „Es ist ein tolles Gefühl, Teil dieser großen Sportfamilie zu sein“, sagt die 28-Jährige. „Ich habe mich im hier gut eingelebt und fühle mich auch bestens vorbereitet.“ Der Kurs in London ist nicht unbedingt das, was als knifflig bezeichnet werden kann. "Auf der flachen Radstrecke kann ich meine Stärken nicht optimal ausspielen“, bedauert Bazlen. Deshalb habe sie - wie die beiden anderen Deutschen - im letzten Trainingsblock den Schwerpunkt aufs Schwimmen und Laufen gelegt. Nach dem Ein-Runden-Schwimmkurs warten 43 Radkilometer, die in sieben Runden absolviert werden, danach folgen vier Laufrunden. Es ist eine Strecke, die nach dem Geschmack der Briten designt wurde; perfekt gerade für die Brownlee-Brüder, die auf dem flachen Laufkurs die Welt in Grund und Boden laufen sollen. Zumindest würden sich die britischen Triathlonfreunde darüber freuen – genauso wie über eine läuferische Glanzleistungen von Helen Jenkins, einer der Topfavoritinnen fürs Frauenrennen.

Hoch-Stimmung an der Strecke

Dennoch warten die deutschen Frauen mit großer Spannung auf Samstag, denn nur weil der Kurs leicht ist, bedeutet dies nicht automatisch, dass die Resultate schlecht werden. „Technisch ist die Strecke nicht besonders anspruchsvoll“, sagt Anne Haug, „aber es ist trotzdem ein toller Kurs, so mitten in der Stadt. Die Zuschauer können beim Radfahren dicht an die Strecke ran, entsprechend wird die Stimmung sein. " Wer die bisherigen Wettkämpfe der Spiele und insbesondere die Radwettbewerbe verfolgt hat, kann sich vorstellen, was an der Strecke nahe des Buckingham Palace los sein wird. Haug kommt erst am heutigen Freitag in London an, aber wie ihre Teamkolleginnen hat sie den Kurs bereits im vergangenen Jahr im Rahmen der World Championship Series kennengelernt.

Entwarnung bei Sorgenkind Dittmer

Haug wird im olympischen Dorf auf optimistische Kolleginnen stoßen. „Alle in der Mannschaft sind gesund und munter“, sagt DTU-Sportdirektor Wolfgang Thiel, „sie sind voller Vorfreude auf den Wettkampf.“ Rekord-Olympionikin Anja Dittmer ist zurzeit noch Thiels Sorgenkind. Die 36-Jährige laboriert an einer Muskelverhärtung im Oberschenkel.  Aber optimistisch schaut Dittmer Richtung Samstag: „Ich habe in den vergangenen zwei Wochen etwas weniger trainiert“, erklärte die Neubrandenburgerin. „Ich bin eigentlich entspannt, weil die Behandlungen sehr gut gelaufen sind.“ Der Druck, der durch die muskulären Probleme zwischenzeitlich entstanden war, scheint von ihr abgefallen.

Vorsichtige Prognose

Druck will auch Thiel nicht aufbauen. Wer sich an Peking 2008 erinnert, weiß, dass das bei den DTU-Damen nicht unbedingt erfolgversprechend ist. Damals hatte es nach dem herausragenden Männer- und dem durchschnittlichen Frauenrennen Kritik an der Mannschaftsleistung der Mädels gegeben. Thiel wollte sich schon vor vier Jahren nicht an solchen Bewertungen beteiligen und bleibt auch dieses Mal bei seiner Meinung, dass mit zu viel Druck auch viel kaputt gemacht werden kann. „Jede der drei hat ihre Stärken und Schwächen, deshalb wird erst der Rennverlauf zeigen, was für uns machbar ist“, sagt der Sportdirektor zurückhaltend. „Ich beteilige mich nicht an Medaillenspekulationen, wir peilen eine Platzierung unter den besten zehn an. Alles andere wäre ein zusätzliches Bonbon." Angesichts des starken Feldes mit 55 herausragenden Athletinnen und einem Kurs, der auf ein Ausscheidungsrennen im Laufen nach dem Motto „hopp oder topp“ ausgelegt ist, sind allzu forsche Erwartungshaltungen wohl auch nicht angebracht.