Bazlen und Haug lösen Olympiatickets

Anja Dittmer, Anne Haug und Svenja Bazlen werden die deutschen Farben im August bei den Olympischen Spielen vertreten. Mit einem enormen Kraftakt hat Haug das Feld in Madrid von hinten aufgerollt und am Ende sogar am Sieg geschnuppert.

Von > | 26. Mai 2012 | Aus: Szene

Haug und Bazlen

Anne Haug und Svenja Bazlen fahren zu Olympia

Foto > Fabian Fiedler / fabianfiedler.de

Zwei Minuten, nachdem Anne Haug die Ziellinie überquert hatte, brach sie in Tränen aus. "Ich fahre zu Olympia!", sagte sie immer wieder zu den umstehenden DTU-Betreuern, "ich fahre zu Olympia!" Eine knappe Stunde zuvor hatte es nicht danach ausgesehen.

Der "Schwarzwald-Express" zündet nicht

Es waren 750 Meter geschwommen, da schien das Rennen für Anne Haug schon fast gelaufen. 50 Sekunden hatte sie auf der ersten von zwei zu schwimmenden Runden auf die Spitze verloren, 40 weitere brummten ihr die Spitzenathletinnen auf der zweiten Runde auf - die Spitzenathletinnen, unter denen sich auch Kathrin Müller und Svenja Bazlen aufhielten. Sofort machten die auf dem Rad Druck, wollten sich absetzen, eine 22er-Führungsgruppe bildete sich auf der ersten Runde auf dem Rad. Anne Haug dagegen verließ das Wasser einsam - und gab trotzdem alles, schaffte schnell den Anschluss nach vorne, in die vierte Gruppe, in der Teamkollegin Sarah Fladung fuhr, rund 1:20 Minute hinter der Spitze. Noch 40 Sekunden weiter vorn: Die dritte Gruppe um Ricarda Lisk. Eine weitere, die zweitschnellste Gruppe, hielt sich nur 20 Sekunden hinter den Spitzenreiterinnen auf. Aber nicht lange.

Schon auf der zweiten Runde war der Zusammenschluss zwischen erster und zweiter Gruppe geglückt und die Spitze auf 30 Athletinnen angewachsen. Immer wieder in der Führungsarbeit: Kathrin Müller und Svenja Bazlen. "Kathrin und ich hatten abgesprochen, dass wir auf dem Rad gemeinsam den Schwarzwald-Express eröffnen" sagte Bazlen, die gemeinsam mit Teamkollegin Müller in Freiburg lebt, nach dem Rennen - um Haug, die gute Läuferin, auf Distanz zu halten, es gab ja schließlich nur zwei Olympiatickets. Ein Plan, der zunächst aufging. Wenn auch nicht ganz so, wie erhofft.

Haug im Alleingang nach vorn

Denn Haug, die fast durchgehend allein an der Spitze ackerte, machte zunächst zwar nicht viel auf die Führenden gut, hielt sich lange etwas mehr als eine Minute hinter Müller und Bazlen auf - aber eben nur eine Minute. Genug Vorsprung vor der schnellen Läuferin Haug unter Umständen für Bazlen, wohl eher nicht genug für Müller. Und dann kam es noch dicker für die gebürtige Jenaerin Müller, die im Herbst und Frühjahr mit einer kräftezehrenden Weltcup-Tournee den dritten Olympiastartplatz für die Deutschen gesichert hatte: Haug machte Zeit gut. Viel. Und schnell. Nachdem die nach Australien ausgewanderte Münchnerin das Loch zur Gruppe um Lisk zugefahren hatte, Sarah Fladung aus der Gruppe heraus- und weit zurückgefallen war, benötigten die Verfolger unter Haugs Tempodiktat nur eine Runde, fünf Kilometer, um eine Minute auf die Spitze aufzuholen - und direkt im Anschluss an die 500 Meter lange, steile Steigung auf der vorletzten Runde den Zusammenschluss herzustellen.

Das war auch der Moment, in dem Kathrin Müller das Rennen innerlich aufgab. "Ich hatte alles in die ersten beiden Disziplinen gelegt", sagte Müller, die beim Laufen anschließend weit zurückfiel, zutiefst enttäuscht, nachdem sie nach dem Rennen minutenlang regungs- und wortlos, getröstet von Teamkollegin Bazlen, im Zielbereich gelegen hatte. "Es war dann nichts mehr im Tank. Aber ich würde es immer wieder so machen."

"Viel mit dem Kopf gearbeitet"

Gemeinsam in einer großen, etwa 40 Frauen fassenden Gruppe ging es auf die Laufstrecke - und sofort setzten sich Haug und Bazlen mit Nicola Spirig, Barbara Riveros Diaz, Aileen Morrison und Rachel Klamer an die Spitze. Während Müller binnen weniger Kilometer über eine Minute zurückfiel, Lisk nicht vorne mithalten konnte, ließ es bald auch Bazlen etwas ruhiger angehen, schloss sich einer Vierergruppe von Platz 11 bis 14 an und machte darin konstant Zeit auf die 16. Dame - eine Top-15-Platzierung war Nominierungsvoraussetzung - gut. "Ich habe heute sehr viel mit dem Kopf gearbeitet", sagte Bazlen später, nachdem sie die Ziellinie als Zwölfte überquert hatte - das Ticket zu den Olympischen Spielen. "Krass. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll."

Das wusste auch Haug nicht, also weinte sie einfach. Bis auf vier Athletinnen hatte sich die Gruppe an der Spitze auf den letzten Kilometern ausgedünnt: Die Schweizerin Nicola Spirig, die Irin Aileen Morrison, Barbara Riveros Diaz aus Chile - und Anne Haug. Nachdem die sogar beim Laufen zeitweise noch die Tempoarbeit übernommen hatte, fiel sie auf dem Schlussstück ans Ende der Gruppe zurück - und dann trat Nicola Spirig an. In einer letztlich deutlichen Sprintentscheidung gewann die Schweizerin vor Aileen Morrison, die 2010 in Hamburg bereits einmal Dritte war. Haug versuchte auch gar nicht mehr ernsthaft, noch an Barbara Riveros Diaz vorbei auf das Podest zu laufen - sondern bejubelte schon vor der Ziellinie das Ticket zu den Olympischen Spielen. "Ich habe keinen Hut auf", sagte Sportdirektor Wolfgang Thiel im Ziel, "aber selbst wenn ich zwei auf hätte, dann würde ich die heute beide vor Anne ziehen."

Dextro Energy Triathlon Madrid 2012 | Frauen

  1. Mai 2012, Madrid (Spanien)

Name Nation Gesamt 1,5 km Swim 40 km Bike 10 km Run

1

Nicola Spirig

SUI

2:06:34

20:00

1:10:01

35:01

2

Aileen Morrison

IRL

2:06:37

19:59

1:10:05

34:58

3

Barbara Riveros Diaz

CHI

2:06:40

20:13

1:09:48

35:12

4

Anne Haug

GER

2:06:42

21:09

1:08:57

35:13

5

Rachel Klamer

NED

2:07:05

19:40

1:10:21

35:36

6

Ainhoa Murua

ESP

2:07:18

19:42

1:10:19

35:47

7

Vicky Holland

GBR

2:07:19

19:37

1:10:24

35:49

8

Alexandra Razarenova

RUS

2:07:32

20:02

1:10:04

35:54

9

Andrea Hewitt

NZL

2:07:38

20:05

1:09:58

36:05

10

Liz Blatchford

GBR

2:07:42

19:39

1:10:18

36:13

12

Svenja Bazlen

GER

2:07:53

19:45

1:10:14

36:22

26

Ricarda Lisk

GER

2:09:43

20:12

1:09:48

38:12

33

Kathrin Müller

GER

2:10:30

19:43

1:10:20

38:55

46

Sarah Fladung

GER

2:14:03

20:41

1:13:44

38:10

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