Team-WM Briten unschlagbar, Deutsche stark

Kurzstrecke | 21. August 2011
Mit einer guten taktischen Einstellung hat die DTU-Staffel um Steffen Justus Bronze bei der Team-WM gewonnen - nur ein Wechselfehler kostete die Chance auf die Silbermedaille hinter Großbritannien. Auch das zweite deutsche Team präsentierte sich stark.
Das DTU-Team hatte sich im Vorfeld der Team-Weltmeisterschaft in Lausanne viel Zeit gelassen, bis es die Aufstellung seiner Mannschaften bekannt gab. Erst am späten Samstagnachmittag erklärten sie, wie sie die zwei Staffeln besetzen wollten - bis zum Schluss hatte man bei der DTU abgewartet und taktiert, wohingegen die favorisierten Briten und die Titelverteidiger aus der Schweiz ihre Aufstellungen schon früh bekanntgaben. Ein Pokerspiel, das sich für die Deutschen lohnen sollte.

Petzold und Robisch übereifrig

Denn statt die jeweils zwei bestplatzierten Männer und Frauen der gestrigen Sprint-WM in die erste Staffel des Teams zu setzen, achtete man bei der DTU auf die individuellen Stärken der Athleten - und bot zuerst Anja Dittmer und Kathrin Müller auf. Beide sollten schon beim Schwimmen ein paar Meter auf das große Feld, unter anderem die starken Australier, gewinnen und den Vorsprung auf dem Rad noch ausbauen. Und das taten sie. In einer 13er-Führungsgruppe spannte sich auf dem Rad sofort Kathrin Müller an die Spitze und hielt das Tempo hoch, wohingegen sich Anja Dittmer - die auch deshalb zu Beginn startete, weil sie auf dem Rad auf eine funktionierende Gruppe angewiesen ist - im Feld, das unter Müllers Tempodiktat weiter schrumpfte, versteckte. Um dann beim Laufen groß aufzutrumpfen: Aus dem Schatten der Schweizerin Melanie Annaheim schob sich Dittmer kurz vor Ende der Laufstrecke an die Spitze und übergab als Führende an Maik Petzold, Müller wechselte 19 Sekunden später als Neunte auf Christian Prochnow. Die Ausgangslage war optimal für die drei folgenden Staffelathleten im ersten DTU-Team.
Und Petzold als starker Schwimmer war gewillt, diese zu nutzen. Sofort drückte er aufs Tempo, um die Verfolger, darunter der Brite Jonathan Brownlee, auf Distanz zu halten. Er machte gemeinsame Sache mit dem Franzosen Vincent Luis, wechselte schnell, sprang aufs Rad - doch zu früh. Petzold war schon wenige Zentimeter vor Ende der Wechselzone auf sein Rad gestiegen, die Kampfrichter hatten das gesehen und dem deutschen Team eine 15-Sekunden-Strafe aufgebrummt, die einer der Sportler beim Laufen absitzen musste. Das gleiche passierte später auch der dritten Athletin des zweiten DTU-Teams, Rebecca Robisch. Auch sie sprang einen Augenblick zu früh aufs Rad, ihr Team hatte den Anschluss an die Medaillenplätze zu diesem Zeitpunkt aber ohnehin schon verloren.

Justus nimmt sein Herz in die Hand

Denn vorne entwickelte sich ein Vierkampf. In der einzigen Steigung der Radstrecke schloss der Schweizer Ruedi Wild die Lücke zu Luis und Petzold an der Spitze und hatte im Windschatten auch Jonathan Brownlee wieder nach vorn geführt. Zu viert ging es also wieder auf die Laufstrecke, wo sich Luis und Brownlee absetzten - doch nicht weit genug, damit beide Staffeln vorn blieben. Svenja Bazlen schloss schon beim Schwimmen die Lücke zur Französin Emmie Charayron, die von da an gemeinsam mit Bazlen und der Schweizerin Nicola Spirig ein Verfolgertrio von Helen Jenkins bildete. Die Britin aber ließ sich nicht beirren, baute ihren Vorsprung auf dem Rad sogar noch aus und wechselte mit 10 Sekunden Vorsprung auf Alistair Brownlee - die Goldmedaille, das war in diesem Moment klar, war den Briten nicht mehr zu nehmen.
Umso dramatischer wurde der Dreikampf um die zwei verbliebenen Medaillen. Nach einer starken Schwimmleistung hatte Steffen Justus Probleme beim ersten Wechsel, fiel einige Meter zurück und musste hart arbeiten, um wieder zum Franzosen  Hauss und zum Schweizer Riederer aufzuschließen - und hatte außerdem die Bürde der 15-Sekunden-Strafe zu tragen. In der Steigung Mitte der Radstrecke probierte Justus es dann, attackierte Hauss, doch vergeblich. Der Franzose blieb dran - bis zum Wechsel. Dann gab Justus Gas: Schneller als Hauss in die Laufschuhe geschlüpft, sprintete er aus der Wechselzone, ging mit seiner Attacke volles Risiko und machte Meter um Meter auf den Franzosen gut. Er schob sich sogar wieder an Sven Riederer heran, der sich mit einem Blitzwechsel um einige Sekunden abgesetzt hatte. 150 Meter vor dem Ziel dann musste Justus die Zeitstrafe absitzen, wartete, bibberte - und der Vorsprung reichte. Rund 30 Sekunden hatte der Jenaer auf gut einem Kilometer auf Hauss erlaufen und so die erste deutsche Medaille bei einer Team-WM sichergestellt. Für das zweite deutsche Team, das die meiste Zeit über auf sich allein gestellt war, lief Jonathan Zipf eine Minute später auf den fünften Platz.
ITU Team Triathlon World Championship
21. August 2011, Lausanne (Schweiz)
4 x (0,265 km Swim, 5 km Bike, 1,2 km Run)
1Großbritannien 1Stimpson, J. Brownlee, Jenkins, A. Brownlee1:09:29
2Schweiz 1Annaheim, Wild, Spirig, Riederer1:09:43
3Deutschland 1Dittmer, Petzold, Bazlen, Justus1:09:55
4Frankreich 1Harrisson, Luis, Charayron, Hauss1:10:07
5Deutschland 2Müller, Prochnow, Robisch, Zipf1:11:22