Wieder die Briten: Jonathan Brownlee verteidigt mit seinem Team den WM-Titel in der Mixed-Staffel

Jan Sägert / spomedis

ITU Sprint Triathlon World Championship
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ITU Mixed Relay World Championship Brownlee und die Briten siegen, Justus stürzt

Kurzstrecke | 26. August 2012
Zwei Stürze von Pechvogel Steffen Justus haben die deutschen Triathleten bei der Mixed-Staffel-WM die sicher geglaubte Medaille gekostet. So jubelten Im strömenden Regen von Stockholm erneut die Briten um ihren Star Jonathan Brownlee. Silber ging an Frankreich, die Russen schnappten sich Bronze.
Anja Knapp, Gregor Buchholz und die erneut überragende Anne Haug hatten Team Deutschland 1 vor dem dritten und letzten Wechsel in eine glänzende Ausgangsposition gebracht - sogar der Sieg gegen die übermächtigen Briten schien für einen Moment möglich. Doch die Hoffnungen auf den Titel zerschellten kaum sieben Kilometer vor dem Ziel auf den regennassen Straßen der Stockholmer Altstadt. Mehrere Meter schlitterte Steffen Justus mit seinem Rad über den schwedischen Asphalt, nachdem ihm sein Hinterrad auf einer der weißen Markierungen weggerutscht war. Jonathan Brownlee, Vincent Luis (FRA) und der Russe Brukhankov gingen vorbei - und wohl noch in Gedanken bei seinem ersten Sturz ging Justus ein zweites Mal zu Boden und verspielte damit auch die kleine Chance auf Bronze. Im Ziel war der 30-Jährige untröstlich. "Ich hab's verkackt", sagte wenige Minuten nach dem Rennen im ZDF-Interview. Es sei sein Fehler gewesen und besonders bitter für das Team, das sich zuvor den Hintern aufgerissen habe, so Justus weiter.

Skandinavisches Wetter verzögert Start

Nachdem sonnigen Samstag zeigte sich das Wetter in der schwedischen Hauptstadt am Sonntagmittag von seiner skandinavischen Seite. Also genau der, die die meisten Triathleten aus gutem Grund nicht sehen wollten. Zwei Stunden vor dem geplanten Start zog eine dunkle Regenfront über der Altstadt von Stockholm auf - kurz darauf begann es zu schütten. Es war der Beginn eines dramatischen WM-Rennens, das vor allem für die Deutschen ohne "Happy-End" blieb. Dabei stand der Wettkampf sogar kurzzeitig auf der Kippe, als unmittelbar vor dem geplanten Start auch noch ein Gewitter aufzog. Mit einer halben Stunde Verspätung konnte es dann aber doch losgehen.

Nordén legt vor, Buchholz setzt nach

Mit dem Adrenalin ihres Siegs am Vortag setzt sich Schwedens neuer Triathlon-Liebling Lisa Nordén gleich auf den ersten 300 Schwimmmetern an die Spitze der mehr als 20 gemeldeten Mannschaften. Im Sekundenabstand kletterten die anderen aus dem aufgewühlten Hafenbecken am Westufer der historischen Altstadt. Auch Anja Knapp und Kathrin Müller, die als erste der beiden deutschen Teams ins Wasser durften. Und das kam dieses Mal ja nicht nur von unten. Dass das gefährlich werden könnten, hatten viele Athleten schon am Freitag nach der Streckenbesichtigung befürchtet. Doch zunächst ging alles gut. Nur wenige Sekunden hinter den Schweden, der Niederländerin Maaike Caelers und Japan schickte Knapp ihren Potsdamer Teamkollegen Gregor Buchholz in die kurze, aber ungemütliche Regenschlacht. Und der schien sich nach dem starken Einzelrennen 24 Stunden zuvor auch für die Mannschaft einiges vorgenommen zu haben - genau wie Christian Prochnow, der weniger überzeugen konnte und deshalb für die zweite Mannschaft nominiert worden war.

Haug liefert perfekte Medaillenvorlage

Noch am Vorabend hatte man im Hotel eine gemeinsame Taktik ausgetüftelt. Das vermeintlich schwächere Quartett sollte das bessere nach Kräften unterstützen und ihm im Idealfall zu einer Medaille verhelfen. Buchholz und Prochnow setzten das Konzept perfekt um, und übergaben in Sichtweite zu Italien und Frankreich an Anne Haug und Rebecca Robisch. Und auch Haug knüpfte nahtlos an ihren Auftritt im Einzel an. Schon nach einer der beiden drei Kilometer kurzen Radrunden hatte sie Frankreich, Italien und Spanien die Führung abgeknöpft. Und ihr Mut zahlte sich auch in der zweiten Runde aus. Fast 20 Sekunden vergingen bis sich die abgehängten Nationen nach etwa einer Rennstunde in ihre Laufschuhe und auf die Verfolgung der Münchnerin machten. Doch auch auf den zwei Laufkilometern waren sie gegen die Deutsche chancenlos.
Das war allerdings weniger überraschend als der vermeintlich komfortable Vorsprung, die Haug dem späteren Unglücksraben Steffen Justus mit auf die gut acht Kilometer bis ins Ziel gab: 29 Sekunden auf die Briten, 32 auf ihre eigenen Teamkollegen und 34 auf die erfahrenen Franzosen um Vincent Luis. Und nach dem Schwimmen lag Deutschland 1 weiter auf Goldkurs. Justus verlor zwar einige Sekunden auf Jonathan Brownlee, hatte aber noch immer den Vorteil auf seiner Seite. Bis zum verhängnisvollen Sturz, der binnen Sekunden alle Medaillenträume zunichte machte. Nur mit Mühe kam Justus nach dem Crash wieder in den Sattel - Brownlee, Luis und Brukhankov waren da längst außer Sichtweite und die Medaillen praktisch vergeben. Besonders ärgerlich: Justus rutschte nicht auf einer der tückischen Kopfsteinpflaster-Passagen sondern in einer langgezogenen, eigentlich ungefährlichen, Kurve weg. "Es war mein Fehler", gab er später traurig zu. "Die Anderen mussten ja auch mit diesen Bedingungen zurechtkommen."

Brownlee sagt "Danke", Hoffnung für Justus

Am besten gelang das einmal mehr Jonathan Brownlee. Der balancierte sich nach Justus' Missgeschick mit Luis und der richtigen Mischung aus Mut und Vorsicht über den Radkurs, und lief das denkwürdige Regenrennen am Ende doch noch souverän nach Hause. Luis kletterte nach seinem dritten Platz am Samstag mit den Franzosen noch ein Treppchen nach oben und Alexander Brukhankov sicherte den überglücklichen Russen die Bronzemedaille. Dass sie vom Sturzpech eines Konkurrenten profitierten, konnte ihre Freude nicht trüben. Justus ließ seinem Ärger dagegen freien Lauf. Frustriert feuerte der 30-Jährige seine Laufkappe auf den triefend nassen Zielteppich. Beinahe sinnbildlich hatte sich der Regen im Moment des Finishs in einen gewaltigen Schauer verwandelt.
Schlussendlich reist das deutsche Team mit zwei vierten Plätzen und ohne Medaille aus Stockholm ab. Einziger Trost für Steffen Justus und Anne Haug: In der World Triathlon Series liegen beide vor den letzten Rennen in Yokohama und Auckland auf Platz fünf. Vielleicht holen sie sich die so unglücklich verpasste Medaille jetzt im Oktober in Neuseeland. Verdient hätten sie es jedenfalls.
ITU Mixed Relay World Championship
26. August 2012, Stockholm (SWE)
NationGesamtAthlet 1Athlet 2Athlet 3Athlet 4
1Großbritannien 11:26:3823:2420:3922:5619:51
2Frankreich1:26:5823:0720:4123:2619:45
3Russland1:27:3123:0921:1722:4620:20
4Deutschland 21:28:0623:2120:4522:5621:06
5Deutschland 11:28:3323:0520:4322:4222:04
6Schweiz1:28:3823:1020:5423:1321:22
7Spanien1:28:4323:0820:5124:0420:41
8Italien1:28:5223:1120:3324:0521:05
9Ungarn1:29:0523:0820:5923:5221:08
10Ukraine1:29:2023:2421:1624:0220:38

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