Königlich Brownlees setzen sich WM-Krone auf

Kurzstrecke | 10. September 2011
Die Gedanken an die Olympischen Spiele 2012 scheinen die britischen Triathleten weiter zu beflügeln. Beim Grand Final der World Championship Series in Peking ließen Alistair und Jonathan Brownlee ihre frustrierten Gegner einmal mehr im Regen stehen und holten Gold und Silber.
Es hätte kaum ein besseres Spiegelbild der WM-Serie 2011 geben können, als dieses letzte Rennen. Der Regen als ständiger Begleiter, zwei Briten, die ihre Gegner nach Belieben beherrschen und ein Olympiasieger, der die Saison - ausgerechnet an der Stätte seines größten Erfolgs - beendete wie sie im April vor der Oper von Sydney begonnen hatte.
Ungemütliche 14 Grad und immer wieder kurze Schauer waren sicher nicht das, was sich die 74 Athleten für ihr Saisonfinale gewünscht hatten. Doch die Aussicht auf die Wettkampfpause und die Chance, die zwei übermächtigen Briten doch noch einmal zu ärgern, lockte sie dennoch an den Stausee im Shisanling Reservoir. Die könnten sich ob des Wetters allerdings heimlich die Hände gerieben haben - denn die unwirtlichen Bedingungen während des gesamten Rennens dürften den Jungs aus Leeds bestens bekannt vorgekommen sein.

Macca fassungslos, Frodeno steigt aus

Und so legten beide gleich im Wasser los, als ginge es dort schon um den Titel. Eines ihrer ersten Opfer war einmal mehr Hawaiichampion Chris McCormack, der nach dem Rennen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kam: "Die Jungs schwimmen so schnell", wiederholte der Australier immer wieder fassungslos. Er verpasste die erste Gruppe und kämpfte später zwar aufopferungsvoll, aber erfolglos um den Anschluss nach vorn. Maik Petzold sprintete nach etwas mehr als 17 Minuten als Fünfter zu seinem Rad. Davor - wie sollte es anders sein - die beiden Brownlees und die Russen Brukhankov und Polyanskiy. Steffen Justus und Jonathan Zipf musste dagegen alles aufbieten, um die wichtige erste Gruppe auf dem Rad nicht zu verpassen. "Wir waren die allerletzten, die beim Schwimmen an dem langen Schwanz hingen", so Justus nach dem Rennen erleichtert. Alle andere als erleichtert war Jan Frodeno nach den 1,5 Auftaktkilometern. "Jan hat unmittelbar nach dem Start einen Schlag abbekommen, danach ist ihm schwindlig geworden", erklärte Sportdirektor Wolfgang Thiel gegenüber tri-mag.de. Der Olympiasieger schob sein Rad zwar noch gemeinsam mit Christian Prochnow aus der Wechselzone, stellte es aber noch in der ersten von sechs Runden am Straßenrand ab. Damit endet für den 30-Jährigen eine Saison, die nicht mehr brachte, als die vorläufige Qualifikation für die Olympischen Spiele im kommenden Jahr. Doch Frodeno, der 2011 keinen internationalen Sieg zustande brachte, muss sich etwas einfallen lassen, wenn er in London auch nur in die Nähe der Medaillen kommen will.

Brownlee-Show im Fernen Osten

Alistair und Jonathan Brownlee brauchen sich darüber derzeit wahrlich keine Gedanken zu machen. Sportlich müssen die Alleskönner von der Insel schon seit drei Jahren kaum jemanden fürchten. Geschlagen haben sie sich meist selbst - und auch das nur äußerst selten. Danach sah es heute zu keiner Sekunde des Rennens aus. Fünfmal rauschte das Feld an der gut gefüllten Tribüne im Stadion vorbei, fünfmal hatte einer der beiden sein Vorderrad vor allen anderen. Mit der einen oder anderen Test-Attacke sorgten sie zudem dafür, dass niemand anders auf die Idee kommt, wegzuspringen. In der vorletzten Runde spannten sie sogar ihren Teamkollegen Will Clarke ein, der mit einer Tempoverschärfung unter den 40 Spitzenfahrern zumindest einige Kilometer lang für Unruhe sorgte. Aus deutscher Sicht machte Maik Petzold bis zu diesem Zeitpunkt die deutlich beste Figur. Als Vierter, und damit sogar noch knapp vor den Brownlee-Brüdern, schob er seine Rennmaschine in die Wechselzone. Aber auch Jonathan Zipf und Steffen Justus lagen vor den finalen Laufkilometern noch aussichtsreich im Rennen.

Gómez muss passen, Justus auch

Die Entscheidung um den WM-Titel, mit dem die Deutschen schon lange nicht mehr zu tun hatten, fiel schon nach wenigen hundert Metern. In seinem typischen und unfassbar dynamischen Vorfußlaufstil eroberte Alistair Brownlee schon bei der ersten Wende am Ende des Staudamms die Führung. Mit seinem Bruder im Schlepptau schüttelte er noch auf dem ersten Kilometer alles ab, was Rang und Namen hat. Weder Titelverteidiger Javier Gómez noch der Russe Brukhankov konnten das Höllentempo mitgehen, das die beiden Briten vorlegten. Zunächst komfortable 40 Meter legten die beiden Briten in der ersten Runde zwischen sich und das Verfolgertrio, in dem auch Maik Petzold verbissen Anschluss halten konnte. Während Jonathan Zipf um Kontakt zu den TopTen-Plätzen kämpfte, erkannte Steffen Justus schon früh, dass es mit dem angepeilten Top-Ergebnis nichts werden würde. "Ich wollte zwar, aber es ging einfach nicht", so Justus. "Es war einfach alles taub."

Petzolds Power kommt zu spät

Als hätte es noch einen Beweis seiner Überlegenheit gebraucht, legte Alistair Brownlee in der vorletzten Laufrunde noch einmal nach. Dieses Mal konnte auch sein zwei Jahre jüngerer Bruder nicht mehr folgen. Damit waren die Medaillen in der Gesamtwertung zwar endgültig vergeben, im Kampf um die Plätze auf dem Podium von Peking wurde es aber noch einmal spannend. Denn ein französischer Express mit Laurent Vidal und David Hauss sowie dem Schweizer Sven Riederer kam Meter für Meter an den "kleinen" Brownlee heran. Auf der Zielgeraden schüttelte Riederer dann nicht nur die beiden Franzosen ab - er verhinderte sogar noch den zweiten Brownlee-Doppelsieg in der WM-Serie 2011. Maik Petzold verabschiedete sich mit einem eindrucksvollen neunten Platz aus der Serie. Ein Ergebnis, das für das Olympiaticket gereicht hätte, wären in London nicht schon die für 2011 ausgelobten Fahrkarten weggegangen. Jonathan Zipf verpasste die Top Ten um sieben Sekunden, Steffen Justus landete knapp zwei Minuten hinter Brownlee auf Rang 20. "Es war nicht doll, aber auch nicht schlecht", bilanzierte der 29-Jährige. Ein Fazit, das man gut auch unter die gesamte Saison des deutschen Männerteams setzen kann.
Dextro Energy Triathlon ITU World Championship Series Grand Final
10. September 2011, Beijing (China)
1,5 km Swim40 km Bike10 km RunGesamt
1Alistair BrownleeGBR17:1159:5929:501:48:06
2Sven RiedererSUI17:2859:4029:551:48:14
3Jonathan BrownleeGBR17:1159:5729:591:48:16
4Dmitriy PolyanskiRUS17:1559:5929:581:48:19
5Laurent VidalFRA17:2359:4830:041:48:23
6Javier GómezESP17:2759:4630:061:48:26
7David HaussFRA17:2159:4930:111:48:35
8Vincent LuisFRA17:1559:5630:231:48:43
9Maik PetzoldGER17:1459:5530:291:48:46
10Ivan RañaESP17:2659:4230:351:48:50
11Jonathan ZipfGER17:3859:3330:361:48:57
...
20Steffen JustusGER17:4059:3331:381:50:00
24Christian ProchnowGER17:561:00:2331:011:50:27
35Ruedi WildSUI17:551:00:2631:251:51:03
48Andreas GiglmayerAUT17:491:00:2134:071:53:41
54Reto HugSUI18:331:03:1233:151:56:13