Buchholz, Justus und Nieschlag träumen von Rio

Drei deutsche Männer haben am Samstag in Abu Dhabi die Chance, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Dass es einem gelingt, ist zwar längst nicht sicher. Die Chancen stehen aber gut: Neben den Brownlee-Brüdern verzichtet nun doch auch Javier Gómez auf einen Start. Der Weltmeister fühlt sich nach einer Verletzung noch nicht in Form.

Von > | 4. März 2016 | Aus: Szene

Steffen Justus

Steffen Justus feiert in Kapstadt ein gelungenes Comeback

Foto > Jo Kleindl / DTU

Die Startnummer 1 wird nicht vergeben sein, wenn sich die Athleten am Samstag um 9:57 Uhr deutscher Zeit zum Auftakt der World Triathlon Series in die Fluten stürzen. In Gedenken an den Franzosen Laurent Vidal, der im November im Alter von 31 Jahren verstarb, hat die International Triathlon Union (ITU) die prestigeträchtige Startnummer 1 nicht vergeben. Der berechtigte Träger dieser Nummer wäre aber auch gar nicht am Start gewesen: Weltmeister Javier Gómez hat seinen ursprünglich geplanten Start beim WM-Auftakt in Abu Dhabi abgesagt. Eine Verletzung - wohl im Bereich der Hüfte - soll der Grund für den kurzfristigen Startverzicht des Galiziers sein.

Gómez schweigsam

Gómez selbst hält sich dazu bedeckt. Auch die meisten Kollegen und Konkurrenten wissen nicht viel über die Form und die Vorbereitung des Weltmeisters, der nach seinem ersten  Olympia-Gold strebt: Lediglich, dass Gómez über den Winter aus gesundheitlichen Gründen die Intensitäten im Training deutlich herunterfahren musste, hat sich unter den Kurzdistanzathleten herumgesprochen. Weil auch die Brownlees und die stärksten französischen Athleten auf einen frühzeitigen Saisoneinstieg in Abu Dhabi verzichten, stehen die Chancen der drei deutschen Athleten, bereits in Abu Dhabi Olympiatickets zu lösen, vergleichsweise gut.

Dafür müssen sie die Ziellinie unter den ersten Acht überqueren - und wünschen sich dafür unterschiedliche Rennverläufe. Am meisten profitieren zumindest in der Theorie Gregor Buchholz und Routinier Steffen Justus vom Startverzicht der Top-Athleten: Beide sind beim Schwimmen Wackelkandidaten und verloren in der Vergangenheit auf den ersten 1,5 Kilometern meist den Anschluss an die Spitze. Stehen weniger starke Schwimmer und aggressive Radfahrer am Start, steigen die Chancen von Buchholz und Justus, noch vor dem zweiten Wechsel wieder zur Spitze aufzuschließen. Läuferisch gehören beide zu den schnellsten Athleten in der World Triathlon Series.

Unterschiedliche Hoffnungen

Anders sieht das beim "Küken" im deutschen Männerteam aus, dem 23-Jährigen Justus Nieschlag. Mit starken Schwimmleistungen setzte der sich in der Vergangenheit häufig in der ersten Radgruppe fest - und profitierte davon, wenn er auf der Radstrecke starke Schwimm-Radfahrer um sich herum hatte, mit denen er sich vor seiner bislang noch vergleichsweise schwächsten Dsiziplin, dem Laufen, einen Vorsprung auf die schnellen Läufer erarbeiten konnte. Während Buchholz und Justus daher darauf setzen, möglichst schnell und möglicherweise gemeinsam mit Vizeweltmeister Mario Mola (ESP) und Richard Murray (RSA) auf dem Rad zur Spitze aufzuschließen, hofft Nieschlag auf die Unterstützung schneller Schwimmer wie Henri Schoeman (RSA), Jonas Schomburg (TUR), Simon Viain und Dorian Coninx (beide FRA), mit denen er sich auf den 1,5 Schwimm- und 40 Radkilometern einen Vorsprung auch auf seine teaminternen Konkurrenten erarbeiten könnte.

Doch auch in Abwesenheit der Brownlee-Brüder und Gómez müssen sich die Deutschen in beiden Szenarien bei der Entscheidung auf der Laufstrecke mit zahlreichen aussichtsreichen Olympiaanwärtern messen. So könnten zum Beispiel Davide Uccellari (ITA), Thomas Bishop (GBR), Jacob Birtwhistle, Joao Silva (POR), Vicente Hernandez (ESP) und Sven Riederer (SUI) dem deutschen Trio das Leben schwer machen. Auch Joao Pereira (POR), Cirsanto Grajales (MEX), Ryan Bailie (AUS), Fernando Alarza, Mario Mola (beide ESP) und Richard Murray (RSA), die die World Triathlon Series im vergangenen Jahr alle unter den besten Zehn abschlossen, wollen in Abu Dhabi um das Podest kämpfen.