Hamburg Daniel Unger erster deutscher Triathlon-Weltmeister

Kurzstrecke | 2. September 2007
Daniel Unger aus Mengen hat bei den Weltmeisterschaften in Hamburg für eine Sensation gesorgt: Nach einem packenden Zweikampf mit Top-Favorit Javier Gomez sicherte er sich im Endspurt den Titel. Jan Frodeno holte als Sechster das zweite deutsche Olympiaticket.
Der zweite Weltmeistertitel für das deutsche Team bei der Heim-WM in Hamburg ist perfekt. Daniel Unger sicherte sich in einem packenden Rennen vor dem spanischen Weltcupführenden und Top-Favoriten Javier Gomez die Goldmedaille. Bronze gewann der Australier Brad Kahlefeldt. Der Deutsche Meister Jan Frodeno schaffte mit Platz sechs wie Unger die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele in Peking im kommenden Jahr.

Wie ein junger Hase

„Bei jedem anderen Rennen hätte ich heute gegen Javier verloren, aber nicht hier in Hamburg. Ich bin gelaufen wie ein junger Hase.“ Unger wusste genau, welche Überraschung ihm da bei seinem Heimspiel gelungen war. Gomez zu schlagen, das war das große Ziel aller Weltklasse-Athleten. Dass dies ausgerechnet dem 29-Jährigen Deutschen gelingen würde, damit hatte wohl keiner gerechnet. Nicht einmal Unger selbst: „Meine beste Weltcup-Platzierung bisher war ein zweiter Platz. Ich wusste zwar, dass ich gut drauf  bin, aber dass ich Weltmeister werden könnte, dass kann ich noch immer nicht glauben. Ich muss mich immer wieder kneifen.“

Gomez mit souveränem Start

Und zunächst sah es auch nicht danach aus, als könne dem Spanier Gomez der von allen Experten prognostizierten Titel streitig gemacht werden. In Führung liegend absolvierte der 24-Jährige den ersten Landgang nach 1.000 Metern Schwimmen. Als Dritter stieg er nach der Wechselzone auf dem Rathausmarkt auf sein Rad. In einer vier Mann starken Gruppe mit den bekannt starken Schwimmern Andy Potts (USA), Stephane Poulat und Frederic Belaubre (beide Frankreich) setzte sich Gomez an die Spitze. Dahinter machten nicht nur die Favoriten um Brad Kahlefeldt, Bevan Docherty (NZL) und Titelverteidiger Tim Don (GBR) Tempo. Auch die DTU-Athleten waren solange an der Spitze zu finden, bis die Lücke zur Führungsgruppe nach zwei von acht zu fahrenden Radrunden geschlossen war. Alle weiteren Ausreißversuche wurden auf den verbleibenden sechs Runden durch die Innenstadt erfolgreich verhindert, so dass es am Ende zu der erwarteten und von den geschätzten mehr als 300.000 Zuschauern ersehnten Laufentscheidung kam.

„Frodo“ führt die Weltklasse auf die Laufstrecke

Auch dort waren die Deutschen von Beginn an ganz vorn zu finden: Als Erster ging Jan Frodeno unter dem Jubel der Menge auf die abschließenden zehn Kilometer. Mit ihm, Unger und Maik Petzold fanden sich gleich drei Deutsche in der ersten Gruppe. Kurz dahinter folgten der Lokalmatador Andreas Raelert und Steffen Justus, der sich auf der Radstrecke in den Dienst der Mannschaft gestellt hatte. Nachdem Petzold mit Wadenkrämpfen zurückfiel und nach zwei Runden aussteigen musste und Raelert und Justus immer weiter zurückfielen, lag es an Frodeno und Unger, für die ersehnte deutsche Top-Platzierung zu sorgen.

Unger „packt einen aus“

In der dritten von vier Laufrunden in der Hamburger Innenstadt zeigte sich Unger mit einer plötzlichen Tempoverschärfung an der Spitze des Rennens. Nur der Weltcup-Seriensieger und Ausnahmeläufer Javier Gomez vermochte diesem Antritt zu folgen. „Mit der Unterstützung der unglaublichen Zuschauer bin ich wohl ein bisschen zu hart angegangen, ich war schon am Limit und bekam dann in der dritten Runde Oberschenkelkrämpfe.“ Das sei der Grund gewesen, warum Gomez die Attacke kontern und dem Deutschen einige Meter abnehmen konnte. „Irgendwie habe ich mich wieder erholt und als sich Javier immer wieder umgeguckt hat, wusste ich, dass auch er Probleme hatte. Er ist nicht der stärkste im Sprint und wenn ich vorher nicht abgehängt werde, dann kann ich vor dem Ziel noch einen auspacken.“ Gesagt, getan: Nach mehreren Führungswechseln auf den letzten drei hoch spannenden Laufkilometern ließ Unger dem Spanier im Zielsprint keine Chance. Nach einer Laufzeit von 29:47 Minuten durfte sich der Mengener über den größten Triumph seiner Karriere freuen – und bewies damit beinahe hellseherische Fähigkeiten: Bereits im Februar hatte er im Gespräch mit der triathlon-Redaktion gemutmaßt, dass es wohl  Laufzeit von „unter 29:50 Minuten“ bedürfe, um in Hamburg ganz vorn dabei zu sein.
Vierter wurde der Olympia-Sieger von 2000, Simon Whitfield aus Kanada, vor dem jungen Briten William Clarke, dem U23-Weltmeister des vergangenen Jahres. Mit einem wahren Kraftakt rettete sich der Deutsche Meister Jan Frodeno ins Ziel, bevor ihm die Beine versagten: „Das war das genialste Rennen meiner Karriere“, freute sich der 26-Jährige über die direkte Olympia-Qualifikation: „Die war heute mein großes Ziel. Den ganz großen Vogel hat aber heute mein Freund Daniel abgeschossen, einfach unglaublich der Mann!“
Steffen Justus als 25. und ein etwas enttäuschter Andreas Raelert auf Rang 27 („beim Laufen ging heute einfach gar nichts.“) rundeten das unerwartete Ergebnis der Deutschen bei ihrer Heim-WM ab. Der Schweizer Sven Riederer wurde 15., Ruedi Wild kam auf Rang 31. Bester Österreicher war Franz Hofer auf Platz 34.
BG Triathlon World Championships 2007 - Elite Männer
2. September 2007, Hamburg
1,5 km Swim, 40 km Bike, 10 km Run
1Daniel UngerGER1:43:18
2Javier GomezESP1:43:21
3Brad KahlefeldtAUS1:43:36
4Simon WhitfieldCAN1:43:40
5William ClarkeGBR1:43:44
6Jan FrodenoGER1:43:56
7Terenzo BozzoneNZL1:44:03
8Stuart HayesGBR1:44:07
9Bevan DochertyNZL1:44:22
10Tim DonGBR1:44:27