World Triathlon Series Hamburg Densham schlägt Moffatt - Haug Vierte

Kurzstrecke | 22. Juli 2012
Kriseln auf höchstem Niveau: Nach dem Triple im Vorjahr hat es für die Australierinnen 2012 "nur" zu einem Doppelsieg in Hamburg gereicht. Anne Haug wurde glückliche Vierte, die beiden anderen DTU-Olympionikinnen haderten mit sich.
"Sehr schade" sei es, sagte Wolfgang Thiel schon während des Rennens. "Schade, dass die Olympischen Spiele schon in diesem Jahr stattfinden." Ein Jahr noch, so meint es der Sportdirektor des deutschen Teams, bräuchte Anne Haug, um die letzte verbliebene Lücke nach vorn beim Schwimmen zu schließen und ihre Stärke beim Laufen voll ausspielen zu können. In der Realität aber bleiben ihr nur noch rund zweieinhalb Wochen, um beim Auftakt zumindest so nah wie möglich an die Spitze heranzukommen.

Deutsche schwimmen vorne mit

So bleibt das Spiel der Anne Haug eines mit dem Feuer. Auch in Hamburg kassierte sie beim Schwimmen zunächst rund 30 Sekunden auf die schnellsten Damen, stieg als Viertletzte aus der Alster - und musste anschließend auf dem Rad hart um den Anschluss kämpfen. "Es liegt vor allem am Gerangel an der Boje", erklärt Haug. "Dort muss ich mir wohl mehr zutrauen. Im Moment ziehe ich da immer noch etwas zurück, verliere dadurch Plätze - und beim Anschwimmen nach der Boje falle ich dann durch den Ziehharmonika-Effekt zurück."
Kein gutes Gefühl hatte an dieser ersten Boje in Hamburg auch Teamkollegin Anja Dittmer - aber das täuschte. "Ich hatte das Gefühl, dass ich dort ganz schön weit hinten lag", sagte die 36-Jährige. Tatsächlich aber stieg sie wie Anja Knapp, Ricarda Lisk, Kathrin Müller und Svenja Bazlen mit den Schnellsten aus dem Wasser und spannte sich in einer etwa 20 Frauen großen Gruppe um Vorjahressiegerin Emma Moffatt (AUS) und Sarah Groff (USA) ein. Eine Gruppe, die fortan versuchte, die ähnlich große Ansammlung von Verfolgerinnen um Anne Haug und die starke Läuferin Ashleigh Gentle (AUS) auf der Radstrecke auf Distanz zu halten.

Konzentrationsschwächen ärgern Bazlen

Doch dort gab Anne Haug, ähnlich wie bei der Olympiaqualifikation in Madrid, alles - und wurde dabei von der Australierin Gentle unterstützt. Bis zum zweiten Wechsel gelang es der Gruppe, bis auf wenige Sekunden an die Spitze heranzufahren. Ein geringer Rückstand - aber ein doch zu großer, um auf der nur fünf Kilometer langen Laufstrecke noch einmal in den Kampf um den Sieg einzugreifen. Eine nach der anderen kassierte Haug ein, doch ganz vorn hatte sich längst ein Duo abgesetzt: Zunächst waren es die Australierin Emma Moffatt und die Südafrikanerin Kate Roberts, eine Trainingskollegin von Haug, die sich an der Spitze duellierten, dann fiel Roberts ab - und dafür stieß Erin Densham (AUS), die stärkste Frau des Frühjahrs, dazu. Schulter an Schulter rannten die beiden Australierinnen vorneweg. Und als Moffatt sichtlich zu leiden begann, der Laufstil verkrampfter wurde, legte Densham zu: Einer Tempoverschärfung nach gut drei Kilometern konnte Moffatt nicht mehr folgen und musste anschließend darum kämpfen, nicht auch noch von der US-Amerikanerin Sarah Groff, einer weiteren Trainingskameradin Haugs, überholt zu werden. Haug selbst folgte nur Sekunden später: Wie schon in Madrid lief sie scheinbar unbeeinträchtigt von der vorherigen Arbeit auf dem Rad bis auf den vierten Rang nach vorn - und war zufrieden.
"Ich habe das Rennen komplett aus dem Training heraus gemacht, da ist diese Platzierung einfach super", sagte Haug, die am Montag sofort zurück zu ihrer Trainingsgruppe ins Höhentrainingslager nach Davos reist. "Das Rennen in Madrid liegt schon so lange zurück, dass ich nicht wusste, wie es um meine Form bestellt ist. Jetzt bin ich erleichtert." Nicht ganz so zufrieden war Svenja Bazlen, die das Ziel als 16. erreichte. "Ich habe mich auf das Sprintformat gefreut, hier geht es Bam, Bam, Bam - ich dachte, das liegt mir", sagte sie. "Aber heute hat es an vielen Kleinigkeiten gehangen, da hat die Konzentration ein wenig gefehlt." Zum Beispiel sei sie vor dem zweiten Wechsel zu früh aus dem Schuh gestiegen - und anschließend durchgereicht worden.

"Es bleibt mir ja nichts anderes übrig"

Noch vor Svenja Bazlen erreichte Ricarda Lisk als gute 13. das Ziel, Kathrin Müller lief auf den 18. Rang. Anja Knapp musste dem Doppelstart beim Weltcup (Qualifikations- und Finalwettkampf) am Wochenende zuvor Tribut zollen und wurde 23. "Das Schwimmen lief klasse, aber auf dem Rad haben sich meine Beine angefühlt wie Blei, da musste ich die erste Gruppe ziehen lassen", sagte sie. "Ich glaube, im Finalrennen beim Weltcup letzte Woche habe ich mich abgeschossen." Zweitbeste Deutsche hinter Haug wurde Olympionikin Anja Dittmer als Elfte - so richtig zufrieden wirkte sie damit aber nicht. "Ich hoffe, dass das in London läuferisch etwas schneller geht", sagte sie. Trotzdem, fügte sie dann an, fahre sie zuversichtlich zu ihren vierten Spielen: "Es bleibt mir ja auch nichts anderes übrig."
World Triathlon Series Hamburg | Frauen
22. Juli 2012, Hamburg
NameNationGesamt750 m Swim20 km Bike5 km Run
1Erin DenshamAUS56:079:4829:3415:50
2Emma MoffattAUS56:199:2729:4816:04
3Sarah GroffUSA56:219:2929:4916:05
4Anne HaugGER56:359:5929:2816:13
5Kate RobertsRSA56:409:4129:3416:25
6Agnieszka JerzykPOL56:499:4429:3816:29
7Ashleigh GentleAUS56:539:4729:3416:26
8Kate McIlroyNZL56:569:3229:4216:38
9Ainhoa MuruaESP57:019:3129:4016:44
10Annamaria MazzettiITA57:039:3229:4716:46
11Anja DittmerGER57:079:3629:3916:47
13Ricarda LiskGER57:209:3729:3217:07
16Svenja BazlenGER57:229:3829:3617:04
18Kathrin MüllerGER57:379:3629:3917:21
23Anja KnappGER57:559:3029:5417:30