Medaillen-Mission erfüllt Der goldene und der bronzene Brownlee

Kurzstrecke | 7. August 2012
Die Gold-Mission der Brownlees ist beendet. Ein denkwürdiges Rennen ging im Hyde Park über die von Hunderttausenden Zuschauern gesäumte Bühne. Wie in einem Sandwich sprintete Javier Goméz zwischen den beiden Briten zu Silber. Auch wenn der jüngere Jonathan nach dem Rennen medizinisch versorgt werden musste, in der Pressekonferenz beantworteten die Jungs aus Leeds souverän alle Fragen.
Alistair Brownlee, wie haben Sie Ihr Heimrennen erlebt?
Alistair: Ich glaube, viel besser als es heute, geht es nicht. Der Hyde Park ist ein großartiger Ort für einen Triathlon, auch London ist brillant für den Triathlonsport. Die Atmosphäre war auch schon in den vergangenen Jahren immer fantastisch. Es war ein tolles Gefühl, als Favorit in dieses Heimrennen. Es ist einfach überwältigend, hier Gold zu gewinnen.
Jonathan: Es war großartig. Wir haben bei minus 15 Grad für das Rennen hier trainiert, hatten im Winter zum Teil furchtbares Wetter zuhause. Wir sind Radfahren gewesen, und ich hatte Beklemmungen, weil es so kalt war.
Jonathan hat nach dem Rennen lange gebraucht, um wieder zu Kräften zu kommen. Was war los?
Alistair: Wenn man nach einem Triathlon ins Ziel kommt, geht es einem immer schlecht. Dann ist dir heiß, du bist müde und manchmal muss man sich auch ein bisschen länger erholen. Aber Jonny war ja recht schnell wieder in Ordnung, um zur Siegerehrung zu kommen.
Olympia-Triathlon Männer 2012
Jonathan Brownlee - der Weg zur Siegerehrung endet im Rollstuhl.
©Frank Wechsel / spomedis
Jonathan: Triathlon ist ein harter Sport und heute war es extrem hart. Deshalb bin ich auch kurz zusammengeklappt. Ich war kurz beim Arzt, meine Eltern kamen vorbei, um nachzusehen, ob alles okay ist. Aber sie waren auch schnell wieder weg, weil alles in Ordnung war. Aber es hatte auch etwas Gutes - so konnte ich kurz nach dem Rennen schon mal mit meiner Mum sprechen.
Wie haben Sie das Rennen sportlich erlebt?
Alistair: Wir wollen unsere Rennen immer so hart bestreiten, wie es nur geht. Es war heute ein hartes Schwimmen, die Gruppe hinter uns war 15 Athleten stark und hat alles getan, um uns beim Schwimmen wieder einzufangen. Wir haben deshalb auch am Anfang des Radfahrens extrem angezogen – und das Tempo hochgehalten um vorn zu bleiben. So war es dann auch beim Laufen. Doch genau dafür haben wir im Training extrem hart gearbeitet.
Jonathan, wie sind Sie mit der Zeitstrafe umgegangen?
Unser Coach meinte, ich soll die Strafe gleich nach der ersten Runde absitzen. Da habe ich mich aber noch sehr gut gefühlt und deshalb entschieden, die Zeitstrafe erst vor der letzten Runde zu nehmen. Vor der zweiten wäre es auch ungünstig gewesen, weil es da noch ziemlich eng – ich musste die Strafe vor der vierten Runde nehmen, denn da nach vorn und hinten fast alles klar. Trotzdem kamen mir die 15 Sekunden wahnsinnig lang vor.
Alistair, beinahe wäre der Traum von zwei Brownlee-Medaillen geplatzt.
Ich war mir ziemlich sicher, dass Jonny eine Medaille gewinnen kann, als er nach der ersten Runde des Laufens dabei war. Ich hätte die Strafe auch nicht früher genommen, das war schon richtig so. Ich bin sehr stolz, dass er es geschafft, trotzdem noch Dritter zu werden. Im Übrigen finde ich es lächerlich, eine 15-Sekunden-Strafe für so etwas zu geben. Triathlon ist ein fantastischer Sport und ich bin sicher, dass es keinen Unterschied macht, wenn man mal einen Meter vor der Linie aufs Rad zu springt.
Wie haben Sie den Zieleinlauf erlebt?
Ich wollte beim Zieleinlauf jede einzelne Sekunde auskosten. Leider waren es nicht so viele. Ich war unheimlich müde und Javier war ja auch nicht so weit zurück.
Sie sind 29:07 Minuten gelaufen, nur eine Sekunde langsamer als der zweitschnellste Brite im 10.000-Meter-Endlauf, Christopher Thompson. Was sagen Sie dazu?
Ich weiß nicht, ob der Kurs heute wirklich exakt vermessen war. (Anm. der Red.: In diesem Moment ruft ein Mitarbeiter des britischen Triathlon-Organisationsteams in den Saal: „Er war auf den Meter genau vermessen, Alistair, absolut korrekt.“). Okay, eine 29er-Zeit, das ist wirklich sehr schnell. Aber die Besten laufen eine 27er-Zeit, das ist dann schon ein großer Unterschied. Vielleicht könnte ich eine 28er-Zeit auf der Bahn laufen. Vielleicht laufe ich mal 10.000 Meter, vielleicht in zwei Jahren bei den Commonwealth Games in Glasgow.
Was haben Sie sich nach dem Zieleinlauf eigentlich gegenseitig gesagt?
Olympia-Triathlon Männer 2012
Geschwisterpaar im Ziel: Gold und Bronze
©Frank Wechsel / spomedis
Wir haben uns nach dem Ziel nicht wirklich viel gesagt, außer, dass es fantastisch war. Beim Radfahren haben wir auch mal kurz geredet, wegen der Zeitstrafe. Ansonsten hat man wegen den vielen Zuschauern sowieso nichts verstanden.
Wie geht es für Sie jetzt weiter?
Jonathan: Ich nehme jetzt nur eine kleine Auszeit. Das waren meine ersten Olympischen Spiele, aber es geht bald weiter in der World Triathlon Series. Es gibt noch einiges zu tun. In Stockholm steht in zwei Wochen der nächste Start an. Mein Urlaub kommt erst im Oktober. Vielleicht fahre ich dann mal wieder Ski in den französischen Alpen, das habe ich schon lange nicht mehr gemacht.
Alistair: Mal abwarten. Ich weiß noch nicht, ob ich in Stockholm starte. Vielleicht mache ich mal ein Non-Drafting-Rennen in den USA. Das will ich unbedingt mal ausprobieren. Oder ob ich Jonny in der World Triathlon Series noch helfe, werden wir sehen.
Was ist mit Rio 2016?
Alistair: Das ist eine lange Zeit, aber vier Jahre gehen eben schnell vorbei. Wir nehmen es, wie es kommt. Wir trainieren weiter, um das Beste zu erreichen. Ich wäre in Rio aber gern nochmal am Start.
Jonathan: Dann bin ich 26 Jahre, also immer noch ziemlich jung. Die Olympischen Spiele zuhause waren schon mal fantastisch, mein bisher größtes Rennen. Es wäre fantastisch, 2016 in Rio wieder dabei zu sein.
Olympia-Triathlon Männer 2012
Im Gleichschritt auch nach Rio 2016?
©Silke Insel / spomedis