Deutsches Duo taktiert sich zu Olympia

Vizeweltmeister Steffen Justus und Olympiasieger Jan Frodeno haben die erste Chance zur Qualifikation für Olympia genutzt. Maik Petzold scheiterte in einem teils chaotischen und am Ende dramatischen Rennen nur an seinen Teamkollegen. Alistair Brownlee riskierte und siegte.

Von > | 7. August 2011 | Aus: SZENE

Jan Frodeno und Steffen Justus | Olympioniken unter sich: Jan Frodeno und Steffen Justus

Olympioniken unter sich: Jan Frodeno und Steffen Justus

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Wenige Minuten vor dem Start war die Welt für Jan Frodeno noch - oder wieder - in Ordnung. Nach einem kurzen Regenschauer hatte sich die Sonne hervorgearbeitet über den Londoner Hyde Park - die Katastrophe, ein Rennen bei Regen, schien abgewendet für den Olympiasieger, der zuletzt in Budapest bei solchen Bedingungen einen heftigen Einbruch erlebte. So aber stand Frodeno gemeinsam mit seinen Teamkollegen am Eingang zur Wechselzone, klatschte mit ihnen ab, lachte zuversichtlich und wartete darauf, vom Streckensprecher zum Schwimmstart gerufen zu werden.

Ein Deutscher spaltet die Deutschen

Vielleicht war es genau diese Erleichterung über die guten Bedingungen, die Frodeno auf den folgenden 1,5 Kilometern Schwimmflügel wachsen ließ, womöglich war es nach monatelangem harten Training und gezielter Vorbereitung auch einfach nur die wiederentdeckte Freude am Rennen. Was es auch war - in der Auftaktdisziplin stahl Frodeno allen US-amerikanischen, britischen und spanischen Schwimmspezialisten die Show. Früh setzte er sich an die Spitze und bestimmte das Tempo, erst allein, dann gemeinsam mit Weltmeister Javier Gomez. Und war dabei so schnell, dass er seine Teamkollegen in Bedrängnis brachte: Nur Maik Petzold konnte dem Schwimmtempo Frodenos folgen und schaffte den Sprung in die erste, 22 Mann starke Führungsgruppe. Steffen Justus und Christian Prochnow - dessen Vorderrad später die Luft ausging - schafften es bei dem Tempodiktat des Olympiasiegers trotz "einer sehr guten Schwimmleistung" (Justus) zunächst nur nur in die zweite Gruppe knapp dahinter. Gregor Buchholz, Sebastian Rank und der seit dem Rennen in Hamburg am Brustmuskel verletzte Jonathan Zipf fielen noch weiter zurück.

Eine gute Ausgangsposition für die Führungsgruppe, in der sofort der Neuseeländer James Elvery und die britischen Brownlee-Brüder die Tempoarbeit übernahmen. Doch das Feld dahinter agierte noch entschlossener als die Spitzenreiter - und schaffte nach wenigen Kilometern den Zusammenschluss. Für Alistair Brownlee eine nicht hinnehmbare Situation. Kurz, bevor heftige Regenfälle einzusetzen begannen, setzte der Brite alles auf eine Karte, attackierte gemeinsam mit James Elvery und setzte sich ab. Auch Alexander Brukhankov und der Spanier Ivan Rana nutzten die Chance, sprangen hinterher und rasten mit dem Weltmeister des Jahres 2009 davon.

Frodeno besiegt den Wettergott - und Maik Petzold

Doch dem Feld dahinter war das egal. "Heute ging es in erster Linie um die Qualifikation, nicht um den Sieg. Wir wussten außerdem, dass wir mindestens zwei der Jungs da vorne noch einholen", sagte Steffen Justus nach dem Rennen. "Bei Olympia geht es um mehr, dort würden wir einen Alistair Brownlee nicht fahren lassen." Im Qualifikationsrennen aber machte die Gruppe des Briten Boden gut, auch die häufigen Attacken aus dem Verfolgerfeld, das bei heftigem Regen sehr vorsichtig fuhr, scheiterten. Mit über 1:10 Minuten Vorsprung startete die Führungsgruppe auf die Laufstrecke - ab da war es nur noch eine Formsache für Brownlee, der das Rennen vor Alexander Brukhankov gewann. Deren beiden Fluchthelfer fielen weit zurück.

Im Verfolgerfeld aber entwickelte sich bei noch immer heftigen Regenfällen ein dramatisches Rennen. Jonathan Brownlee und Javier Gomez stiefelten der ersten großen Verfolgergruppe zuerst davon, nach fünf Kilometern dann sorgte Steffen Justus mit seiner Tempoverschärfung für den minimalen, aber entscheidenden Split: Nur wenige Meter setzte er sich gemeinsam mit seinen Begleitern David Hauss und Laurent Vidal von Frodeno ab, der sich, unbeeindruckt von den äußeren Bedingungen, mit dem Australier Kahlefeldt und und dem Franzosen Luis zurückzukämpfen versuchte - und nur wenige Meter hinter dem Trio gab Einzelkämpfer Maik Petzold alles, um seine Chance auf das zweite Ticket zu wahren. Doch umsonst. Überglücklich und enthusiastisch sprintete Steffen Justus als erster der drei Deutschen und seiner Gruppe als Gesamt-Fünfter ins Ziel, Jan Frodeno verlor den Sprint, erreichte das Ziel aber noch als Elfter - wenige Sekunden vor Maik Petzold. Auch der Bautzener hat die Qualifikationskriterien als Zwölfter eigentlich erfüllt, Tickets wurden in London aber nur an die zwei besten Deutschen vergeben. Der dritte Startplatz wird erst im Jahr 2012 ausgeschrieben. Ein unangenehmes Déjà-vu für den nach großem Kampf herbe enttäuschten Maik Petzold, in doppelter Hinsicht: Auch 2008 musste er im Rennen um den dritten Platz antreten. Auch damals präsentierte er sich stark. Zu Olympia durfte aber Christian Prochnow - der war noch ein paar Sekunden schneller.

Dextro Energy Triathlon ITU World Championship London

  1. August 2011, London

1,5 km Swim

40 km Bike

10 km Run

Gesamt

1

Alistair Brownlee

GBR

18:09

1:01:02

29:50

1:50:09

2

Alexander Brukhankov

RUS

18:14

1:00:56

30:15

1:50:34

3

Jonathan Brownlee

GBR

18:10

1:02:15

29:35

1:51:04

4

Javier Gomez

ESP

18:06

1:02:16

29:46

1:51:16

5

Steffen Justus

GER

18:24

1:01:59

29:55

1:51:25

6

Laurent Vidal

FRA

18:21

1:02:03

29:57

1:51:27

7

David Hauss

FRA

18:10

1:02:12

30:03

1:51:32

8

Brad Kahlefeldt

AUS

18:18

1:02:09

30:10

1:51:40

9

Sven Riederer

SUI

18:23

1:02:01

30:07

1:51:41

10

Vincent Luis

FRA

18:13

1:02:12

30:09

1:51:41

11

Jan Frodeno

GER

18:06

1:02:19

30:09

1:51:42

12

Maik Petzold

GER

18:09

1:02:17

30:17

1:51:46

...

28

Sebastian Rank

GER

18:41

1:01:46

31:08

1:52:40

34

Gregor Buchholz

GER

18:47

1:01:38

31:13

1:52:53

56

Christian Prochnow

GER

18:26

1:04:05

31:42

1:55:20

Swipe me