Justus Nieschlag beim ITU World Triathlon Hamburg 2015

Sina Horsthemke / spomedis

Justus Nieschlag beim ITU World Triathlon Hamburg 2015
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Road to Rio Deutschlands dritter Olympiastartplatz wackelt

Kurzstrecke | 13. Februar 2016
Die deutschen Kurzdistanz-Männer befinden sich in einer tiefen Ergebniskrise. Kommen sie zu WM-Beginn in drei Wochen nicht gut aus den Startlöchern, könnten sie ihren dritten Olympiastartplatz verlieren.
So
Startplatzverteilung
Je 55 Startplätze werden für die Triathlon-Rennen der Frauen und Männer bei den Olympischen Spielen vergeben. Die meisten davon über die "Olympic Qualification List" - eine Punkteliste, für die es bei vielen ITU-Rennen Zähler zu sammeln gibt.
 
Die Athleten gewinnen diese Plätze aber nicht für sich persönlich, sondern für ihren Nationalverband. Der vergibt die Plätze über interne Kriterien an die Sportler. Eine Nation darf höchstens drei Athleten ins Rennen schicken - auch das bleibt aber maximal acht Nationen vorbehalten. Die Entscheidung darüber, wer drei Starter stellen darf, fällt durch das Ranking des drittbesten Athleten einer Nation.
 
schnell ändern sich die Zeiten: Vor vier Jahren noch hat die Deutsche Triathlon Union sorgenvoll auf ihre Frauenabteilung geblickt: Höchstens acht Nationen dürfen bei Olympischen Spielen drei Starter in ein Triathlon-Rennen schicken - und die Deutsche Triathlon Union musste damals bis zum letzten Rennen darum kämpfen, dass sie auf Seiten der Frauen dazugehört, wogegen die DTU-Männer ihre drei Startplätze schon früh sicher hatten. Vier Jahre später hat sich dieses Bild um 180 Grad gedreht.

Italien und Mexiko jagen Deutschland

Denn nach den Abgängen ehemaliger Leistungsträger wie Maik Petzold, Jan Frodeno und Christian Prochnow wackeln nun die drei Männer-Startplätze der Deutschen bedenklich, wogegen die Frauen durch das Nachrücken junger Talente wie Hanna Philippin, Anja Knapp und Sophia Saller längst in ruhigem Fahrwasser sind und sich ihrer drei Startplätze sicher sein können. Neben den Deutschen werden in Rio voraussichtlich auch die USA, Großbritannien, Australien und Japan jeweils drei Starterinnen stellen können. Noch etwas bangen müssen die Damen in Neuseeland, Kanada und Italien: Ihnen hängen noch die Spanierinnen (durch Tamara Gomez Garrido und Miriam Casillas Garcia), Österreich (Julia Hauser) und Russland (Mariya Shorets und Elena Danilova) an den Fersen. Für sie ist das Rennen um den dritten OIympiastartplatz daher noch nicht entschieden. Die Schweiz muss sich dagegen wohl sicher mit zwei Startplätzen bei den Frauen und auch auf Seiten der Männer begnügen.
Bei denen wird es aber auch für die Deutschen eng mit dem dritten Olympiastartplatz: Denn die Entscheidung darüber, wer drei Starter stellen darf, fällt über die "Olympic Qualification List", für die es in vielen ITU-Rennen Punkte zu gewinnen gibt. In diese Liste gehen Ergebnisse aus zwei Perioden ein: In der ersten, bereits abgelaufene Periode konnten sieben Wertungen eingebracht werden. In der zweiten, noch bis Mitte Mai laufenden, höchstens neun. Entscheidend über die Vergabe der drei Startplätze ist am Ende das Ranking des drittbesten Manns einer Nation im Qualifikationsprozess - und dort liegen einer der führenden Triathlonnation zwei Außenseiter im Nacken: Mexiko und Italien haben jeweils gleich mehrere Athleten, die nur knapp hinter dem derzeit drittbesten Deutschen Justus Nieschlag rangieren.
Kampf um den 3. Spot | Männer
Die "besten Dritten" jeder Nation
NameNationRennen 1. PeriodeRennen 2. PeriodePunkte
1Fernando AlarzaESP767075
2Jonathan BrownleeGBR725457
3Aaron RoyleAUS574827
4Alexander BryukhankovRUS753913
5Dorian ConinxFRA622843
6Kevin McDowellUSA772638
7Miguel ArraiolosPOR772434
8Justus NieschlagGER542005
9Rodrigo GonzalesMEX581963
10Luca FacchinettiITA771828
Cesar SarachoMEX531573
Sergio SarmientoMEX611440
Andrea SecchieroITA731392

Kurioses französisches Team

Doch selbst wenn der junge Niedersachse gut aus den Startlöchern kommen sollte, wäre die Gefahr noch nicht gebannt: Denn die beiden besseren Deutschen, Gregor Buchholz (2428 Punkte) und Steffen Justus (2408) liegen selbst nicht weit vor Nieschlag (2005), könnten deshalb schnell von dem überholt werden und auf den dritten nationeninternen Rang zurückfallen. Die drei deutschen Männer dürfen sich bei den ersten ITU-Rennen des Jahres daher kaum einen Ausrutscher mehr leisten - sonst könnte ihr dritter Startplatz in große Gefahr geraten. Eine Situation, in die sich die Deutschen in den vergangenen beiden Jahren mit einer in der Verbandsgeschichte beispiellosen Ergebniskrise selbst manövriert haben: Javier Gómez, Weltmeister und Spitzenreiter der Punkteliste, kommt alleine auf fast doppelt so viele Punkte (11.193) wie die drei Deutschen zusammen (6.841). Selbst der drittbeste Spanier, Fernando Alarza, hat alleine mehr Punkte (7.075) als die drei besten Deutschen zusammengenommen.
Mut machen sollte der DTU da das Vertrauen sowohl in die Schnelllebigkeit des Sports, als auch das in die eigene Nachwuchsarbeit. Und möglicherweise auch ein Vergleich mit der Situation in Frankreich: Die Franzosen könnten im Männerrennen, wenn sie dürften, derzeit nämlich sieben Athleten ins Rennen schicken - bei den Frauen aber stehen die Franzosen nach aktuellem Stand wohl nur mit einem einzigen Startplatz da. Dennoch gilt die französische Equipe mit Jeanne Lehair, Leonie Periault, Audrey Merle und Cassandre Beaugrand als eine der stärksten weltweit in der weiblichen Nachwuchsriege. Die Franzosen wollen im Kampf um die Olympiastartplätze dennoch nichts übers Knie brechen und verheizen ihre jungen Athletinnen nicht in der Punktejagd in den WM-Serienrennen. In der Hoffnung, dass die dank dieser langfristigen Planung spätestens bei den Spielen in vier Jahren nicht mehr um Startplätze kämpfen müssen - sondern Medaillen gewinnen können.

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