World Triathlon Series Hamburg DTU-Team bereit für Olympia

Kurzstrecke | 21. Juli 2012
Mit starken Ergebnissen haben sich die drei deutschen Olympioniken in Hamburg in das letzte Trainingslager nach Kienbaum verabschiedet. Beim Sieg des Südafrikaners Richard Murray lief Steffen Justus auf Rang drei, Maik Petzold auf fünf, Jan Frodeno wurde Zehnter.
Wenn auf eine verpatzte Generalprobe eine rauschende Premiere folgt, dann muss es nach einer gelungenen Probe eben eine noch rauschendere Hauptvorstellung geben: Denn verpatzt hat keiner der drei deutschen Olympia-Starter die Generalprobe beim WM-Serienrennen in Hamburg. Im Gegenteil: Als "geil, einfach nur geil", bezeichnete Maik Petzold das deutsche Mannschafts- und sein eigenes Einzelergebnis in Hamburg.

Justus und Zipf schwimmen vorn mit

Positiv begann der Wettkampf zumindest für zwei der drei DTU-Olympioniken schon beim Schwimmen: Einen großen Schwerpunkt habe Steffen Justus zuletzt auf das Schwimmen gelegt, weil der dort in der Vergangenheit oft nur knapp die erste Radgruppe erwischte, hatte Sportdirektor Wolfgang Thiel im Vorfeld des Rennens erklärt. Das scheint sich ausgezahlt zu haben: Mit den Schnellsten stieg Justus aus dem Wasser, kurz nach Maik Petzold, der das Tempo auf der 750-Meter-Runde durch die Alster mitbestimmt hatte. Auch Jonathan Zipf, der sonst häufig Probleme mit der Auftaktdisziplin hat, konnte mithalten - Jan Frodeno dagegen verlor einige Sekunden. "Eigentlich war ich am Anfang ganz vorne dabei", sagte Frodeno, "aber dann habe ich um die Boje einen etwas zu weiten Weg genommen und war plötzlich mittendrin im Pulk. Da kommt man dann nicht mehr raus."
So verpasste er zunächst den Anschluss an eine neunköpfige Radgruppe um Christian Prochnow, Jonathan Zipf, Maik Petzold, Steffen Justus und den Spanier Javier Gomez, die sich an der Spitze gebildet hatte. Vor allem Prochnow bemühte sich darum, dass sich diese Gruppe vom übrigen Feld absetzt - doch vergebens. War der Vorsprung zwischenzeitlich auf 17 Sekunden angewachsen, schloss das große Verfolgerfeld um Frodeno nach knapp zehn Kilometern zur Spitze auf. Um gleich die nächste Attacke mit anzusehen: Clark Ellice (NZL) und die beiden Australier Courtney Atkinson und Dan Wilson konnten sich bis zum zweiten Wechsel um fast eine halbe Minute absetzen, im Alleingang fuhr außerdem der Brasilianer Reinaldo Colucci zu ihnen nach vorn und ging mit einem Polster auf die Favoriten auf die Laufstrecke.

"Und das mit 34 Jahren!"

Die aber hatten genau kalkuliert, wie viel Vorsprung sie den Ausreißern gewähren durften - und fingen sie, bis auf Colucci, der sich lange wehrte und am Ende den siebten Rang ins Ziel rettete, bald ein. Zuerst der Spanier Javier Gomez, der Südafrikaner Richard Murray und Steffen Justus, die sich nach dem Wechsel abgesetzt hatten, dann eine langgezogene Gruppe um Maik Petzold und Jan Frodeno. Nach etwa zwei Kilometern schien es ganz vorn, als sei es um Justus geschehen: Der Jenaer konnte seinen beiden einstigen Begleitern nicht mehr folgen und verlor über zehn Sekunden auf das Spitzenduo - um zum Schluss doch fast noch einmal heranzukommen. Während sich im Duell um den Sieg Murray mit einem langgezogenen Sprint von Gomez absetzen konnte und im Ziel ausgelassen den ersten Sieg eines Südafrikaners in der WM-Serie feierte, lief Justus noch einmal auf sechs Sekunden an den zweitplatzierten Spanier heran und nach seinem Sieg in Sydney zum zweiten Mal in dieser Saison auf das Podest.
Auch hinter den drei ersten entschieden sich die Platzierungen erst in einem langen Sprint: Sven Riederer war es, der aus der großen Gruppe die schnellsten Beine hatte - und dann schon folgte Maik Petzold auf Platz fünf. "Genial, und das mit 34 Jahren", jubelte der Bautzener, der in der Vergangenheit gerade auf den letzten Metern häufig Probleme hatte und dem dort oft das letzte bisschen Kraft fehlte. "Ich bin endlich einmal viel lockerer gelaufen und konnte dann zum Schluss noch so einen draufpacken. Das gibt richtig viel Selbstvertrauen." Selbstvertrauen, das auch Jan Frodeno aus seinem zehnten Platz, 21 Sekunden hinter dem Sieger, zog. "Ich glaube, so schlecht wie heute habe ich vorher nur in meinem allerersten Triathlon gewechselt", meinte Frodeno im Ziel. "Wenn man dann sieht, wie nah ich trotzdem an der Spitze war, sind das schon enorme Fortschritte, die ich in den vier Wochen seit Kitzbühel gemacht habe. Da freue ich mich auf die zweieinhalb Wochen, die jetzt noch kommen." Auch Jonathan Zipf und Christian Prochnow beendeten das Rennen auf den Plätzen 16 und 17 gut - obwohl Zipf schon vor dem Start mit Magenproblemen und unterwegs "mit energetischen Problemen" zu kämpfen hatte.

"Beflügelt" durch Gruppendynamik

Ein Gesamtergebnis, mit dem auch Sportdirektor Wolfgang Thiel "sehr zufrieden" war - und das Petzold mit dem wieder entdeckten deutschen Mannschaftsgeist erklärte. "Ich glaube, es hat uns alle drei enorm beflügelt, dass wir in den letzten Wochen so viel zusammen trainiert haben", meinte der überglückliche Bautzener. "Mit diesem Ergebnis können wir alle sehr zuversichtlich nach London fahren." "Wir haben jetzt bewiesen, dass jeder von uns dazu in der Lage ist, an einem guten Tag den ganz großen Wurf zu landen", meinte auch Frodeno. Beste Aussichten also für Dienstag, den 7. August 2012.
World Triathlon Series Hamburg | Männer
21. Juli 2012, Hamburg
NameNationGesamt750 m Swim20 km Bike5 km Run
1Richard MurrayRSA51:488:5627:5214:05
2Javier GomezESP51:538:3228:1314:10
3Steffen JustusGER51:598:4028:0914:16
4Sven RiedererSUI52:048:4627:5914:18
5Maik PetzoldGER52:058:3528:1314:19
6Brad KahlefeldtAUS52:058:5127:5614:20
7Reinaldo ColucciBRA52:058:5427:1214:47
8William ClarkeGBR52:078:4428:0814:18
9Alexander BryukhankovRUS52:098:5527:5514:15
10Jan FrodenoGER52:098:4628:0114:24
16Jonathan ZipfGER52:208:4128:1114:33
17Christian ProchnowGER52:248:3528:1914:35
39Franz LöschkeGER53:049:0627:4315:19
42Sebastian RankGER53:179:0327:4015:32