Finale im Titelkampf: Mola, Brownlee und Gómez' Magenschmerzen

Die Ausgangslage scheint klar, sein Vorsprung komfortabel. Doch vor dem Grand Final in Edmonton am Sonntag (20 Uhr MESZ) ist der dominierende Athlet der Saison, Javier Gómez, krankheitsbedingt doch noch einmal ins Wanken geraten. Nun lauern Jonathan Brownlee und Mario Mola auf ihre Titelchance.

Von > | 29. August 2014 | Aus: SZENE

Javier Gomez | Javier Gomez hat vor dem WM-Finale gesundheitliche Probleme.

Javier Gomez hat vor dem WM-Finale gesundheitliche Probleme.

Foto >Janos Schmidt / triathlon.org

Vielleicht wird dieses eine Rennen am Ende eines zu viel gewesen sein: Javier Gómez' Ausgangssituation war schon vor dem letzten regulären WM-Serienrennen am vergangenen Samstag in Stockholm exzellent, im Ranking konnte er sich vor dem Grand Final daher nur noch minimal verbessern. Trotzdem trat der Galizier auch zu diesem Rennen die Reise an, ging somit in jedem der sieben diesjährigen WM-Serienrennen an den Start. Doch zum ersten Mal in dieser Saison beendete Gómez den Wettkampf in Stockholm nicht unter den besten Zehn. Er beendete ihn noch nicht einmal im Ziel.

Virus bereitet Gómez Magenschmerzen

Erst verlor Gómez in Stockholm beim Schwimmen Zeit auf die Brownlees, dann konnte er auf der Radstrecke nicht mithelfen, wieder zu ihnen aufzuschließen - und auch beim Laufen wurde er schnell durchgereicht. Gómez stieg nach wenigen Kilometern aus dem Rennen aus. Ein gebrauchter Tag, den Gómez im Anschluss mit der Kombination aus den kalten Bedingungen in Stockholm und Magenproblemen, die ihn im Rennen plagten, zurückführte. Ein Problem, das Gómez nicht allein hat: Beispielsweise klagten auch DTU-Athlet Gregor Buchholz, starker Dritter in Stockholm, sowie der Südafrikaner Richard Murray im Anschluss an den Wettkampf über Magen-Darm-Probleme. Für Murray und für Buchholz gab es allerdings keine Alternativen zu einem Start in Schweden, wenn sie ihre Aussichten in der WM-Serie wahren wollten. Gómez hätte den Wettkampf nicht gebraucht - und muss nun umso mehr hoffen, bis zum Final-Rennen am Sonntagabend europäischer Zeit wieder zu vollen Kräften zu kommen.

Denn mit dem Sieg vor seinem Bruder Alistair ist Jonathan Brownlee dem Galizier in Stockholm doch noch einmal auf die Pelle gerückt: Nur 282 Zähler trennen den britischen Vizeweltmeister noch vom amtierenden Champion, noch einmal 60 Punkte weiter zurück liegt Gómez' Landsmann Mario Mola, der sich somit ebenfalls zumindest noch theoretische Chancen auf den Titelgewinn ausrechnen kann. Ein vierter Platz würde Gómez im Falle eines Sieges Brownlees sicher genügen, um den WM-Titel zu behalten, im Falle eines Triumphs von Mola sogar Platz fünf. Aus einer ähnlichen Ausgangssituation ist Jan Frodeno 2010 in Budapest schon einmal vom Podest gerutscht. Auch damals kämpften die Athleten gegen kühle Bedingungen, wie sie Gómez das Leben schon in Stockholm schwer machten und wie sie in Edmonton wieder auf die Sportler warten.

ITU World Triathlon Series 2014

Zwischenstand vor dem Grand Final

Name

Nation

Punkte

1

Javier Gomez

ESP

3833

2

Jonathan Brownlee

GBR

3551

3

Mario Mola

ESP

3491

4

Joao Pereira

POR

2938

5

Richard Murray

RSA

2911

6

Alistair Brownlee

GBR

2806

9

Gregor Buchholz

GER

1965

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Brownee-Taktik wider der eigenen Natur?

Bedingungen, wie sie Gregor Buchholz eigentlich mag - doch auch den ehemaligen U23-Weltmeister erwischte nach seinem bisher größten Erfolg im Elitebereich der im schwedischen Elitefeld grassierende Magen-Darm-Virus. "Der Flug nach Kanada war in diesem Zustand die Hölle, aber nach zwei Tagen war das Schlimmste ausgestanden", sagt Buchholz. "Der Wettkampf in Edmonton wird nun leider unberechenbar. Aber ich bin wieder gesund und will alles investieren, um meine Top-Ten-Platzierung im Gesamtklassement zu verteidigen." Dafür müsse man nun trainingstechnisch in die Trickkiste greifen, sagt Bundestrainer Dan Lorang, um alle DTU-Athleten gesund und in konkurrenzfähigem Zustand auf das Startpontoon zu stellen. Für Buchholz wird es dann einmal mehr vor allem auf die ersten 1,5 Kilometer des Rennens ankommen: Kann er den Rückstand auf die Spitze dort möglichst deutlich unter einer Minute halten, hat er gute Chancen, auf der Radstrecke den Anschluss an die Spitze wiederherzustellen - auch wenn Tom Davison, das neuseeländische "Zugpferd" der Verfolger in den ersten Rennen, in den Straßenradsport gewechselt ist und daher nicht im Grand Final antreten wird.

Doch zumindest, wenn Javier Gómez beim Schwimmen mit den Brownlees mithält, scheint es nicht unrealistisch, dass die britischen Brüder die starken Läufer in der Verfolgung wider ihrer eigenen Natur auf der Radstrecke freiwillig herankommen lassen: Denn je mehr Konkurrenten zusammen mit ihnen und Gómez auf die Laufstrecke starten, desto besser stehen die Chancen, dass sich einige von ihnen vor den Galizier schieben und Jonathan Brownlee vielleicht doch noch den Titel nach Großbritannien holt.

Steffen Justus kehrt zurück

So könnten im Kampf um die Podestplatzierungen im Finalrennen beispielsweise Alistair Brownlee (GBR), Richard Murray (RSA), Joao Pereira (POR) und Vincent Luis (FRA) eine Rolle spielen und somit möglicherweise auch den WM-Kampf beeinflussen. Für das DTU-Team werden beim Finalrennen in Edmonton auch Franz Löschke und Steffen Justus  an den Start gehen - wobei Justus sein Comeback nach einer Plantarsehnenverletzung feiert und noch mit Trainingsrückstand im Laufen ins Rennen geht. "Dafür konnte ich gezielt an Schwächen in den beiden anderen Disziplinen arbeiten und hoffe, mit passendem Rennverlauf die Serie solide abschließen zu können", meint Justus, der aktuell auf WM-Rang 17 liegt - und der, sollte er die Spitzengruppe nach dem Schwimmen verpassen, dem läuferisch starken Buchholz helfen könnte, auf der speziell anfangs kupierten Radstrecke den Anschluss an die Spitze herzustellen.