Überraschung Findlay überrumpelt Konkurrenz

Kurzstrecke | 24. Juli 2010
Fünftes Rennen, fünfte Siegerin: Weiterhin scheint sich keine der Frauen in der WM-Serie in eine Favoritenrolle drängen zu wollen. In London deklassierte eine 21 Jahre junge Studentin die Weltmeisterin Emma Moffatt. Nicola Spirig wurde Zweite.
Mit einer Menge Wut im Bauch war die Weltmeisterin Emma Moffatt zum fünften Rennen der diesjährigen WM-Serie in London gereist. Beim Wettkampf in Hamburg hatte sie viel Führungsarbeit auf dem Rad geleistet, beim Laufen sogar über die gesamten zehn Kilometer das Tempo an der Spitze diktiert. Gewonnen hat am Ende trotzdem eine andere: Die Schwedin Lisa Nordèn hatte im Schlussspurt das nötige Quäntchen Energie mehr, um das Rennen für sich zu entscheiden – wohl auch, weil Moffatt so viel Führungsarbeit geleistet hatte. Das, dachte sich die Australierin ganz offensichtlich, sollte in London, sechs Tage später, ganz anders laufen.

Moffatt, Bennett und Haskins attackieren früh

Denn Moffatt wollte in London schon früh für eine kleine Vorentscheidung sorgen: Bereits auf den ersten Metern des Schwimmens setzte sie sich an die Spitze und diktierte, ähnlich wie in Hamburg, gemeinsam mit den beiden US-Amerikanerinnen Laura Bennett und Sarah Haskins das Tempo in der Auftaktdisziplin. Mit großem Erfolg: Einige ihrer größten Konkurrentinnen, darunter Lisa Nordén, Barbara Riveros Diaz und, wie in Hamburg, Emma Snowsill, verloren bereits früh den Anschluss an die Spitze und kassierten eine Minute Rückstand bis zum ersten Wechsel. Auch Nicola Spirig verlor auf den ersten 1,5 Kilometern einige Sekunden und verpasste so den Anschluss an die erste Radgruppe. Von den Favoriten konnten lediglich die Neuseeländerin Andrea Hewitt, die Schweizerin Daniela Ryf und die Britin Helen Jenkins dem Führungstrio folgen.

Nordén und Diaz distanziert, Snowsill gibt auf

Und so setzte sich zum Start des Radfahrens eine Gruppe von rund 15 Athletinnen um Sarah Haskins, Emma Moffatt, Helen Jenkins, Andrea Hewitt und Laura Bennett ab. Auch die Deutsche Kathrin Müller schwamm gut und befand sich deswegen in der Führungsgruppe auf dem Rad. Die allerdings schien plötzlich nicht mehr daran interessiert, ihre gute Ausgangsposition zu nutzen: Mit einem überraschend niedrigem Tempo starteten die Führenden auf die ersten Kilometer und ließen damit zu, dass die schnellste Verfolgergruppe um Nicola Spirig bereits nach fünf Kilometern nach vorne aufgeschlossen hatte. Lisa Nordèn und Barbara Riveros Diaz dagegen kamen vorerst nicht näher an die Spitze heran: Nach der ersten von acht Runden auf dem Rad hatte ihre Gruppe fast eine Minute Rückstand auf die nun 24-köpfige Spitze. Die Australierin Emma Snowsill, ebenfalls mit einer Minute Rückstand aus dem Wasser gestiegen, gab das Rennen bereits auf den ersten fünf Kilometern auf.

Spirig sorgt für Tempo

Und vom Zusammenschluss an der Spitze an schien es plötzlich so, als hätte sich die Führungsgruppe nun doch noch geeinigt, endlich die Chance zu nutzen und die Verfolger zu distanzieren. Sekunde um Sekunde verlor die Verfolgergruppe um Mariko Adachi und Svenja Bazlen, die nach 20 Kilometern bereits 40 Sekunden Rückstand auf die Spitze kassiert hatten. Noch weiter zurück die Gruppe um die Schwedin Lisa Nordén und die kleine Chilenin Barbara Riveros Diaz: mit 1:11 Minuten Rückstand passierten sie die 20-Kilometer-Marke, während ganz vorne vor allem die US-Amerikanerinnen und die Schweizerin Nicola Spirig, gerade erst von einem Magen-Darm-Infekt genesen, weiter für Tempo sorgten. Mit Erfolg. Denn während die Gruppe um Lisa Nordén und Riveros Diaz zwar die Gruppe um Mariko Adachi, bis dahin Zweite in der Gesamtwertung, schnell einholte, konnten sie den Rückstand auf die Spitze nicht verringern. Im Gegenteil: Mit fast zwei Minuten Rückstand erreicht die Gruppe, in der sich auch die Deutschen Anja Dittmer und Ricarda Lisk befanden, den zweiten Wechsel. Zu viel, um noch einmal in den Kampf um den Sieg eingreifen zu können.

Moffatt verliert an Boden

Und so konnte die 24-köpfige Gruppe an der Spitze befreit loslaufen. Sofort übernahmen die Schweizerin Nicola Spirig und die Britin Helen Jenkins die Initiative und sorgten dafür, dass die Führungsgruppe bereits auf den ersten Kilometer auf sieben Athletinnen schrumpfte. Mit dabei: die Neuseeländerin Andrea Hewitt, die Kanadierin Paula Findley und die Britin Vicky Holland – während Emma Moffatt, die bereits auf dem Rad kaum Führungsarbeit übernommen hatte, quälend langsam an Boden auf die Spitze verlor. Auch Daniela Ryf hatte dem Tempo der Spitzengruppe schon früh nichts mehr entgegenzusetzen - und die schrumpfte weiterhin. Nach einer weiteren Tempoverschärfung durch die Britin Jenkins, die das Rennen vor heimischem Publikum unbedingt gewinnen wollte, konnten nur noch Nicola Spirig, Paula Findlay und Andrea Hewitt mithalten – Hewitt übrigens als einzige der Athletinnen, die auch das Rennen in Hamburg bestritten hatten und somit nicht ausgeruht nach London gereist waren.

Findlay fliegt zum Sieg

So startete die Spitze zu viert in die letzten zwei Kilometer. Seit einigen Kilometern durchweg an der Spitze: Die gerade erst 21 Jahre junge Kanadierin Paula Findley, die in diesem Jahr noch kein WM-Rennen bestritten hatte – was sie aber nicht daran hinderte, zu attackieren. Eineinhalb Kilometer vor dem Ziel startete die 57 Kilogramm leichte Medizinstudentin den entscheidenden Angriff, riss sofort eine Lücke von fünf Sekunden zu ihren drei Begleiterinnen und lief einen beeindruckenden Sieg ein. In der Verfolgergruppe forcierte die starke Schweizerin Spirig 200 Meter vor dem Ziel das Tempo und sicherte sich den zweiten Rang vor Helen Jenkins und der Viertplatzierten Andrea Hewitt. Moffatt verlor fast eineinhalb Minuten auf die Spitze und wurde Neunte. Beste Deutsche war Kathrin Müller auf Rang 20 vor Anja Dittmer auf Platz 24. Svenja Bazlen wurde 33., Ricarda Lisk gab das Rennen vorzeitig auf.
Dextro Energy ITU World Championship Series London
24. Juli 2010, London (Großbritannien)
1,5 km Swim40 km Bike10 km RunGesamt
1Paula FindlayCAN19:4357:1733:511:51:48
2Nicola SpirigSUI19:5157:0833:591:51:51
3Helen JenkinsGBR19:3157:2733:581:51:53
4Andrea HewittNZL19:2357:3334:051:51:55
5Laura BennettUSA19:2057:4034:391:52:34
6Vicky HollandGBR19:3557:2434:471:52:39
7Jodie SwallowGBR19:3157:3134:501:52:45
8Kate RobertsRSA19:3657:2335:121:53:04
9Emma MoffattAUS19:2557:3335:201:53:12
10Akane TsuchihashiJPN19:2657:3635:261:53:24