Gemmell-Gala in Auckland

Die Generalprobe für das Grand Final der World Championship Series 2012 ist geglückt. Zur Freude der neuseeländischen Fans setzten sich in Auckland zwei ihrer Landsleute durch. Andrea Hewitt krönte ihre überragende Saison, Kris Gemmell lieferte eine emotionale Show.

von | 21. November 2011 | Aus: Szene

Kris Gemmell

Kris Gemmell gewinnt in Auckland

Foto > Delly Carr / triathlon.org

Selten war ein Sieg so verdient, wie der fünfte im Weltcup für Kris Gemmell. Nach einem hochklassigen und hochemotionalen Finale hatte der Neuseeländer auf der Zielgerade sogar noch genug Zeit, sich bei jedem einzelnen Zuschauer für die lautstarke Unterstützung zu bedanken. Für den 34-Jährigen endete mit dem ersten Weltcupsieg seit drei Jahren und dem fünften insgesamt eins der schwersten Jahre seiner Karriere. Die hatte vor fast genau 13 Jahren in den Straßen von Auckland begonnen.

Gemmell fliegt, Docherty bremst

Es war die Geste des Rennens, als sich Kris Gemmell und Bevan Docherty wenige Hundert Meter vor dem Ziel begegneten und gegenseitig abklatschten. Längst war da entschieden, dass Gemmell die Generalprobe für das Grand Final der World Championship Series 2012 in der neuseeländischen Hafenstadt gewinnen wird. Und sein Landsmann war daran nicht ganz unbeteiligt. In der vorletzten der acht Radrunden hatte der langjährige Lebensgefährte von Anja Dittmer aus einer acht Mann starken Gruppe den Ausbruch gewagt. Die Mission drohte zunächst zu scheitern - wie so oft in der vergangenen Saison. Dann bekam Gemmell Hilfe aus dem eigenen Team - erst von Tom Davison, der ihm an der Spitze zur Seite sprang, dann von Bevan Docherty, der sich hinten vor seine fünf verbliebenen Begleiter spannte und geschickt das Tempo verschleppte. Mit Erfolg. Fast eine Minute Vorsprung erkämpften sich Gemmell und Davison an dem traumhaften Frühlingstag bis zum zweiten Wechsel. Die Vorentscheidung.

Historisch und emotional

Davison bezahlte auf der Laufstrecke für seine Helferdienste und landete am Ende auf Platz 18. Anders Gemmell: Wild entschlossen jagte der durch die Straßen Aucklands, emotional aufgewühlt von der Krebsdiagnose, die seine Cousin Tim kurz zuvor erhalten hatte. Doch genau das schien ihm die Kraft für seine beste Saisonleistung zu geben. Auf dem schweren Kurs in seiner Heimat blieb er als einziger unter der 2-Stunden-Marke und feierte 13 Jahre nach seinem Debüt den fünften Weltcupsieg seiner Karriere. Taktikfuchs Docherty überrumpelte in der letzten Laufrunde noch den jungen Australier Ryan Fisher, der zum ersten Mal aufs Podium lief. Der favorisierte Franzose Laurent Vidal schob sich mit der schnellsten Laufzeit des Tages noch bis auf Platz vier nach vorn. Wie Ivan Rana (ESP) und Jarrod Shoemaker (USA) hatte er beim Radfahren die vorentscheidende Attacke verpasst.

Hewitt holt den Hattrick

Besser machte es Vidals Lebensgefährtin Andrea Hewitt: Die knüpfte beim Finale der Weltcupsaison an ihre überragenden Leistungen aus den vergangenen Monaten an. Einmal mehr nutzte die 29-Jährige ihre komfortable Position nach dem Schwimmen, um das Feld von der Spitze aus zu kontrollieren. Nur eine Handvoll Konkurrentinnen konnten ihr auf der technisch anspruchsvollen Strecke mit insgesamt 24 kurzen steilen Anstiegen, schnellen Abfahrten und vielen kniffligen Kurven folgen. Doch im Gegensatz zu Hewitt mussten sie für das 2-Minuten-Polster fast alles aufbieten. Leichtfüßig schüttelte die Neuseeländerin ihre Begleiterinnen ab und machte nach 2:14:12 Stunden ihren dritten internationalen Sieg in Folge perfekt.

Erfreulich endete die Saison auch für das deutsche Team. Kathrin Müller und Anne Haug verpassten zwar den Sprung in die Hewitt-Gruppe. Dennoch verabschiedeten sich die beiden nach einem Jahr voller Höhen und Tiefen mit einer TopTen-Platzierung in die Winterpause. Müller biss sich beim Radfahren in der ersten Verfolgergruppe fest und lief schließlich zum dritten Mal in ihrer Karriere als Achte ins Ziel eines Weltcuprennens. Noch einen Tick besser war Haug, die sich dank einer furiosen Aufholjagd beim Laufen (35:45 Minuten) noch auf den siebten Platz nach vorn schob.

Auckland ITU Triathlon World Cup, Frauen

  1. November 2011, Auckland (Neuseeland)

1,5 km Swim 40 km Bike 10 km Run Gesamt

1

Andrea Hewitt

NZL

20:19

1:15:23

36:46

2:14:12

2

Tomoko Sakimoto

JPN

20:26

1:15:20

37:43

2:15:09

3

Mariko Adachi

JPN

19:49

1:15:49

37:55

2:15:22

4

Alice Betto

ITA

20:02

1:15:39

38:19

2:15:51

5

Kiyomi Niwata

JPN

20:38

1:17:00

37:10

2:16:39

6

Maaike Caelers

NED

21:44

1:18:00

35:38

2:17:10

7

Anne Haug

GER

21:44

1:17:56

35:45

2:17:14

8

Kathrin Müller

GER

20:23

1:17:19

38:08

2:17:34

9

Ai Ueda

JPN

21:38

1:18:05

36:16

2:17:49

10

Vicky Holland

GBR

20:17

1:17:28

38:36

2:18:05

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Auckland ITU Triathlon World Cup, Männer

  1. November 2011, Auckland (Neuseeland)

1,5 km Swim 40 km Bike 10 km Run Gesamt

1

Kris Gemmell

NZL

18:46

1:06:44

32:52

1:59:58

2

Bevan Docherty

NZL

19:08

1:07:22

32:57

2:01:05

3

Ryan Fisher

AUS

18:54

1:07:35

33:13

2:01:18

4

Laurent Vidal

FRA

19:19

1:08:58

31:58

2:01:55

5

Jarrod Shoemaker

USA

18:55

1:09:15

32:23

2:02:23

6

Ivan Rana

ESP

18:55

1:09:23

32:20

2:02:14

7

Clark Ellice

NZL

19:08

1:09:15

32:23

2:02:23

8

Ryan Sissons

NZL

19:32

1:08:56

32:45

2:02:47

9

Marek Jaskolka

POL

19:05

1:09:15

32:59

2:02:58

10

Fabio Carvalho

BRA

19:23

1:08:47

33:07

2:03:02

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