Die deutsche Olympiastarterin Svenja Bazlen schwimmt zur Zeit auf einer Glückswelle.

Silke Insel / spomedis

Svenja Bazlen
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World Triathlon Series Kitzbühel Glückstagebücher und Frustbewältigung

Kurzstrecke | 20. Juni 2012
Das ausgedünnte Starterfeld beim WM-Serienrennen am Samstag in Kitzbühel könnte Svenja Bazlen und Anja Dittmer vor den Olympischen Spielen in London zu noch mehr Selbstvertrauen verhelfen - und Melanie Annaheim und Jodie Stimpson zur dringend notwendigen Frustbewältigung.
Eine Woche entspannen, genießen und dann mit Vollgas in Richtung London: Das ist das Erfolgsrezept, auf das Anne Haug und Svenja Bazlen nach der geglückten Olympiaqualifikation in Madrid vor vier Wochen gesetzt haben. Haug, die ihr Quartier über den Winter nach Australien verlegt und zuletzt in den USA im Höhentrainingslager trainiert hat, verbrachte die Zeit vor allem im heimischen München, sah ihre Familie nach einem dreiviertel Jahr zum ersten Mal wieder. Anschließend verabschiedete sie sich wieder ins Trainingslager nach Davos. Svenja Bazlen trainierte lieber in ihrer badischen Heimat. Und anders als Haug nutzt die Freiburgerin das WM-Rennen in Kitzbühel als einen Baustein zum erhofften olympischen Erfolg.

Stars nehmen eine Auszeit

Ein weiterer Baustein, auf den Bazlen auf dem Weg nach London setzt, ist ein Buch - genauer: ein Glückstagebuch. Wenige Tage vor dem Rennen in Madrid habe sie das von einer Freundin geschenkt bekommen, schreibt Bazlen auf ihrer Homepage, seitdem trägt sie jeden Tag drei Dinge ein, die sie glücklich gemacht haben. Bisher sei das nicht schwer gewesen. Dass Bazlen am Samstag schlicht "Schwimmen", "Radfahren" und "Laufen" in ihr Büchlein kritzelt - dafür stehen die Chancen nicht schlecht. Denn die Konkurrenz, die in Kitzbühel an den Start gehen wird, ist überschaubar.
Ohne Weltmeisterin Helen Jenkins (GBR), ohne Anne Haug, Rachel Klamer (NED), Emmie Charayron (FRA), noch immer ohne Paula Findlay (CAN) und auch ohne Laura Bennett, Sarah Haskins (beide USA), Erin Densham, Emma Moffatt, Emma Jackson sowie Emma Snowsill (alle AUS), die zwar noch auf der Startliste steht, einen Start aber nie geplant hatte, wird die Serien-Generalprobe über die volle Distanz für die Damen am Samstag stattfinden. Andrea Hewitt (NZL), Madrid-Siegerin Nicola Spirig (SUI), Haugs Trainingskollegin Vicky Holland (GBR) und die Irin Aileen Morrison sind die einzigen Damen aus der Spitzengruppe der World Triathlon Series. Das bedeutet aber nicht, dass sonst niemand in den Kampf um den Tagessieg eingreifen kann. Denn obwohl sie in der Gesamtwertung nur auf dem 22. Platz liegt - die Topfavoritin auf den Sieg heißt am Samstag Gwen Jorgensen und kommt aus den Vereinigen Staaten.

Trotzreaktion von Snowsill und Annaheim?

Zum ersten Mal wirklich in Erscheinung getreten ist die 25-Jährige bei der Olympia-Generalprobe 2011 in London, wo sie überraschend auf den zweiten Platz lief und sich das Ticket zu den Sommerspielen sicherte. Danach hatte sich die US-Amerikanerin wieder auf kleinere Bühnen begeben, wurde beim WM-Serienauftakt in Sydney Anfang des Jahres noch einmal Vierte - und gewann am vergangenen Wochenende das Weltcuprennen in Banyoles klar vor der Australierin Erin Densham, die die Serie im Frühjahr dominiert hatte. Ashleigh Gentle wurde im gleichen Rennen Dritte. Die junge Australierin, ebenfalls in Kitzbühel am Start, ist auf dem besten Wege, sich aus dem mächtigen Schatten ihrer starken Landsfrauen zu arbeiten und sich in der WM-Serie zu etablieren, nachdem sie in Sydney und San Diego bereits jeweils Zehnte wurde. Auch Lisa Nordén (SWE), Kate McIlroy (NZL), Barbara Riveros Diaz (CHI), Ai Ueda (JPN) und Sarah Groff (USA) gehören in Kitzbühel zu den Favoritinnen. Jodie Stimpson (GBR) und Melanie Annaheim (SUI) dürften in Tirol vor allem eins wollen - nämlich ihrem Ärger nach den umstrittenen Nichtberücksichtigungen für die Olympischen Spiele Luft machen. Und was wäre da besser, als die nationalen Olympischen Komitees durch Leistung Lügen zu strafen?
Das deutsche Team komplettieren in Kitzbühel die schon lange für Olympia qualifizierte Anja Dittmer und die Deutsche Vizemeisterin Anja Knapp, die internationale Erfahrung sammeln soll. Die Österreicher setzen bei ihrem Heimrennen auf Lydia Waldmüller und vor allem auf die erst 21-jährige Lisa Perterer, die sich für die Olympischen Spiele qualifiziert hat und dort ambitioniert ein Ergebnis unter den besten 20 anpeilt. Mit Heimvorteil und ausgedünnter Konkurrenz scheint für Perterer in Kitzbühel sogar noch etwas mehr drin.
tri-mag.de ist am Wochenende (Start der Frauen: Samstag, 15:06 Uhr) in Kitzbühel dabei und berichtet aktuell vom Geschehen in Tirol.