Gómez beeindruckt bei Murrays Sieg - Franzosen kalt erwischt

Kälte und Regen konnten ihn nicht schocken: Richard Murray hat das letzte Rennen der World Triathlon Series 2015 vor dem Grand Final in Chicago in zwei Wochen gewonnen. Javier Gómez beendete sein drittes Rennen binnen drei Wochen auf dem zweiten Rang und hat deshalb nun beste Aussichten auf den WM-Titel.

Von > | 7. September 2015 | Aus: SZENE

2015wts_edmontonmenbycruse0531 | Richard Murray gewinnt in Edmonton sein erstes Serienrennen seit Hamburg 2012

Richard Murray gewinnt in Edmonton sein erstes Serienrennen seit Hamburg 2012

Foto >Rich Cruse / ITU

Ein Sieg über die Olympische Distanz beim WM-Serienrennen in Stockholm. Eine Woche später eine Podestplatzierung bei den hochkarätig besetzten und durch Hitze geprägten Ironman-70.3-Weltmeisterschaften in Zell am See. Und erneut nur sieben Tage später, im bitterkalten kanadischen Edmonton, nun ein zweiter Rang beim letzten WM-Serienrennen über die Sprintdistanz vor dem entscheidenden Grand Final in Edmonton in zwei Wochen: Javier Gómez macht seinem Ruf als zäher Dauerstarter in der Spätphase dieser Saison wieder alle Ehre. Und hält als Belohnung dafür kurz vor der Entscheidung um den Weltmeistertitel auf der ITU-Kurzdistanz nun alle Trümpfe fest in der Hand.

Kein optimaler Start

Dabei hatten vor allem die Franzosen viel daran gesetzt, den Galizier vor dem Grand Final noch einmal ins Schwitzen zu bringen: Der 26-jährige Sprintspezialist Vincent Luis machte sich nämlich Hoffnungen, mit einem Sieg in Edmonton im Gesamtranking bis auf wenige Punkte an Gómez heranzurücken und den Spanier so vor dem Finale unter Druck zu setzen. Auch Gómez' Landsmann Mola hätte das mit einem Sieg in Edmonton gelingen können. Letztlich schlug der Galizier auch entgegen seiner eigenen Erwartungen - Gómez bezeichnete das Rennen im Vorfeld nur als Training für das Grand Final - aber beide und verhinderte so, dass ihm seine Verfolger vor dem Finale noch dicht auf die Pelle rücken.

Das Rennen hatte für den Spanier aber nicht optimal begonnen: Bei widrigen regnerischen Bedingungen mit 16 Grad Wasser- und nur 7 Grad Außentemperatur fand Gómez nicht gut ins Rennen und verlor im Schwimmen rund 15 Sekunden auf die Spitze, wo sich die französische Teamtaktik zugunsten von Vincent Luis anfangs auszuzahlen schien: Direkt an den Füßen seines Landsmanns Raoul Shaw, der zu Beginn das Tempo bestimmte, stieg der Franzose nach 750 Metern aus dem Wasser und machte sich auf zu seinem Rad. Doch bereits den rund 300 Meter langen Weg in die Wechselzone hatte Gómez nutzen können, um sich wieder heranzuarbeiten - und schaffte so ebenso wie der Südafrikaner Richard Murray den Sprung in die erste, zunächst 15 Mann große Radgruppe, in der auch der Deutsche Justus Nieschlag fuhr und die WM-Serien-Rückkehrer Jonathan Zipf nach guter Schwimmleistung nur knapp verpasste.

Kälte | Mit Badekappe und langen Ärmeln auf das Rad: Seltenes Bild  auf der ITU-Kurzdistanz

Mit Badekappe und langen Ärmeln auf das Rad: Seltenes Bild auf der ITU-Kurzdistanz

Foto >Rich Cruse / ITU

Die Kälte schlägt Luis

Doch es dauerte nicht lange, da fand Zipf den Weg zurück an die Spitze: Denn weil die Mitglieder der Führungsgruppe auf die Arbeit der Franzosen zu warten schienen, Shaw sich aber zurückhielt und meist darauf beschränkte, Luis abzuschirmen, konnte bald eine große Verfolgergruppe um Mario Mola und Jonathan Zipf zu den Führenden aufschließen und mit ihnen ein rund 45 Athleten großes Hauptfeld bilden. Lediglich Gregor Buchholz verpasste den Sprung in diese vordere Gruppe und fuhr den Favoriten in einer Verfolgergruppe hinterher.

Die Vorentscheidung fiel also nicht etwa auf der Radstrecke, wie es die Franzosen gehofft hatten - sondern beim zweiten Wechsel: Mit klammen Fingern von den schwierigen äußeren Bedingungen brauchte Luis für das Öffnen seines Helms und das Anziehen seiner Schuhe nämlich satte zwölf Sekunden länger als Gómez, die der Franzose auf der fünf Kilometer kurzen Laufstrecke nicht wieder aufholen konnte. Denn Gómez setzte sich auf dem Laufkurs sofort an die Fersen Richard Murrays und stürmte, stets gezogen von dem Südafrikaner, dem Feld davon, eher er ihn auf den letzten eineinhalb Kilometern um ein paar Meter ziehen und ihm seinen zweiten Sieg in der World Triathlon Series überließ. "Das war ein sehr spezielles Rennen, noch dazu bei diesen Bedingungen. Ich war aber nicht zuversichtlich genug, um auf der letzten Runde noch einmal alles auf eine Karte zu setzen und einen Angriff zu wagen", sagte Gómez im Ziel. Denn von hinten drohte noch Gefahr für das WM-Ranking: Mario Mola, beim Wechsel rund fünf Sekunden langsamer als Gómez, setzte seinem Landsmann konsequent nach und beendete das Rennen wenige Sekunden hinter ihm als Dritter. Vincent Luis schob sich durch das dichte Feld auf der letzten Runde noch auf den vierten Rang vor.

Javier Gomez | Siegerehrung in Handschuhen: Javier Gomez hat die Hand am WM-Titel

Siegerehrung in Handschuhen: Javier Gomez hat die Hand am WM-Titel

Foto >Rich Cruse / ITU

Zipf steigt unterkühlt aus

Im WM-Ranking führt Gómez vor dem Finale daher nun komfortabel mit 3.820 Punkten vor Mola (3.594) und Luis (3.542). Ein dritter (im Falle eines Sieges von Mola) oder vierter Rang (im Falle eines Sieges von Luis) reicht ihm daher im Finale, um seinen WM-Titel zu verteigen. "Das ändert nichts für mich", sagte der Spanier im Ziel dennoch unbeeindruckt von dieser Gesamtkonstellation. "Nach wie vor muss ich im Grand Final abliefern, um den WM-Titel zu verteidigen. Das ist das Ziel."

Für die Deutschen endete die Kälteschlacht von Kanada enttäuschend. Gregor Buchholz blieb nach schwachem Auftakt mit guter Laufleistung nur noch der 26. Rang, Justus Nieschlag beendete den Wettkampf auf dem 45. Platz. Jonathan Zipf musste in seinem Comeback-Rennen auf der großen Triathlon-Bühne beim Laufen unterkühlt aufgeben.

ITU World Triathlon Edmonton

  1. September 2015, Edmonton (CAN)

Name

Nation

Gesamt

750 m Swim

20 km Bike

5 km Run

1

Richard Murray

RSA

53:19

8:52

27:48

15:11

2

Javier Gómez

ESP

53:23

8:38

28:06

15:15

3

Mario Mola

ESP

53:34

8:58

27:44

15:22

4

Vincent Luis

FRA

53:39

8:31

28:09

15:21

5

Aaron Royle

AUS

53:40

8:30

28:05

15:30

6

Wian Sullwald

RSA

53:43

9:02

27:40

15:34

7

Vicente Hernandez

ESP

53:48

8:37

28:02

15:35

8

Andrew Yorke

CAN

53:49

8:38

27:45

15:35

9

Rodrigo Gonzalez

MEX

53:50

9:03

27:45

15:39

10

Alexander Bryukhankov

RUS

53:55

8:43

27:46

15:42

26

Gregor Buchholz

GER

54:46

9:01

28:18

15:37

45

Justus Nieschlag

GER

55:46

8:38

28:04

17:31

DNF

Jonathan Zipf

GER

8:45

27:57

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