WM-Serie Gomez gewinnt, Frodeno übernimmt Spitze

Kurzstrecke | 17. Juli 2010
Mit einem zweiten Rang beim vierten WM-Rennen in Hamburg schiebt sich Frodeno an die Spitze des Gesamtklassements. Schlagen konnte ihn an diesem Tag nur der Spanier Javier Gomez, der sich mit einer Tempoverschärfung einen Kilometer vor dem Ziel absetzte.
Von Beginn an entwickelte sich bei nahezu perfekten äußeren Bedingungen mit Temperaturen von rund 26 Grad Celsius ein packendes Rennen. Grund, bereits beim Schwimmen zu attackieren, sahen die Favoriten allerdings nicht: Gemeinsam absolvierten sie die 1.500 Meter lange Schwimmstrecke in der Hamburger Binnenalster, die nach 16:38 Minuten der Russe Denis Vasiliev als Erster verließ. Dicht gefolgt von Maik Petzold und Jan Frodeno, die als Dritter und Fünfter folgten. Auch Javier Gomez hatte sich bereits an die Fersen der Führenden geheftet und stieg zeitgleich mit Jan Frodeno aufs Rad. Steffen Justus, der sich vor zwei Wochen an der Hand verletzt hatte, verlor beim Schwimmen dagegen rund 30 Sekunden auf die Führungsgruppe.

Deutsches Trio gibt Gas

Diese gute Ausgangsposition wollten die Deutschen nicht ungenutzt lassen: Sofort spannten sich Jan Frodeno und Maik Petzold vor das Feld und sorgten für ein höllisches Tempo. Schon nach wenigen Kilometern hatten sie mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 44 Kilometern pro Stunde die Führungsgruppe auf 13 Leute reduziert, zu denen nach einer kurzen Tempoverschleppung zwei Runden später allerdings weitere 20 Athleten aufschließen konnten. Einer der Mitfavoriten, der Olympiasieger von Sydney, Simon Whitfield, hatte dagegen den Zug verpasst und mühte sich an der Spitze der nächsten Gruppe mit einem Rückstand von über einer Minute über viele Kilometer verzweifelt um Anschluss.

Vasiliev und Fretta sorgen für Würze

Was vor allem Petzold und sein Teamkollege Steffen Justus zu verhindern suchten. Immer wieder verschärften sie auf dem kräftezehrenden Acht-Runden-Kurs das Tempo. Und dann folgte plötzlich eine Attacke der anderen: Als Erster griff der US-Amerikaner Ben Collins nach rund 20 Kilometern an und riss schnell eine Lücke von zehn Sekunden auf die Favoriten. Doch der Amerikaner hatte seine Rechnung ohne das starke russische Team gemacht. Denn Denis Vasiliev, der bereits beim Schwimmen so offensiv agiert hatte, setzte nach und stellte Collins – um sofort selbst zu attackieren. Mit Höchstgeschwindigkeit flog der Russe durch die Hamburger City und machte innerhalb von nur drei Kilometern über 40 Sekunden auf die Favoritengruppe gut.
Zehn Kilometer vor dem Ziel wurde es dann Jan Frodeno zu bunt, der Olympiasieger setzte sich erneut selbst an die Spitze und organisierte die Verfolgung, während Vasiliev vorn sichtlich zu leiden begann. So konnte kurz vor dem zweiten Wechsel sein früher Mitausreißer, der US-Amerikaner Mark Fretta, wieder aufschließen. Mit nur noch zwölf Sekunden auf die Favoriten  wechselten die beiden Ausreißer auf die abschließende, die "Frodeno-Disziplin".

Frodeno und Gomez - auf und davon

Und der Olympiasieger legte sofort los. Versuchte anfangs eine Gruppe um Tim Don und Courtney Atkinson noch, mit dem Deutschen mitzuhalten, setzte der sich bald gemeinsam mit dem Spanier Javier Gomez an die Spitze. Fünf Kilometer später hatten die beiden bereits 20 Sekunden Vorsprung herausgelaufen - der Kampf um den Sieg wurde zum Duell. Gar nicht gut erging es derweil Maik Petzold: Nach seiner ansprechenden Leistung auf dem Rad spürte der Bautzener nun, dass er nach seiner langwierigen Beckenverletztung erst seit fünf Wochen wieder im Lauftraining ist. Schnell fiel der 32-Jährige weit zurück. Steffen Justus dagegen fing sich nach einer kurzen Schwächephase wieder und lag nach fünf Kilometern auf dem neunten Rang.
Die letzten beiden Runden gerieten dann zum echten Krimi: Immer wieder verschärfte Gomez das Tempo, immer wieder konterte Frodeno, der vor allem nach den scharfen Wendepunkten eine bessere Figur machte und damit bei den geschätzt 200.000 Zuschauern die Hoffnungen auf eine Sprintentscheidung zu seinen Gunsten schürte. Doch einen Kilometer vor Schluss setzte Gomez alles auf eine Karte: Mit einer letzten enormen Tempoverschärfung konnte er Frodeno schließlich abschütteln und damit den von ihm so ungeliebten Zielsprint verhindern. Mit 16 Sekunden Vorsprung siegte der Spanier nach 2006 zum zweiten Mal auf dem Hamburger Rathausmarkt. Frodeno wurde Zweiter und übernimmt damit die Führung im Gesamtklassements der WM-Serie - mit nur einem einzigen Punkt Vorsprung vor dem bisher führenden Russen Alexander Brukhankov, der diesmal Neunter wurde. Platz drei belegte Hy-Vee-Sieger Tim Don, Steffen Justus wurde Achter, Mitfavorit Courtney Atkinson beendete das Rennen nicht.
World Championship Series Hamburg 2010
17. Juli 2010, Hamburg
1,5 km Swim40 km Bike10 km RunGesamt
1Javier GomezESP16:4756:1229:171:43:07
2Jan FrodenoGER16:4556:0929:381:43:23
3Tim DonGBR16:4856:0930:061:43:57
4Sven RiedererSUI16:5555:5930:091:44:00
5Vladimir TurbayevskiyRUS16:5156:0930:061:44:03
6Brad KahlefeldtAUS16:5656:0230:181:44:07
7Jarrod ShoemakerUSA17:2055:4330:091:44:10
8Steffen JustusGER17:0855:4930:171:44:11
9Alexander BrukhankovRUS16:4556:1430:181:44:13
10Joao SilvaPOR16:4756:1530:151:44:14