Xterra WM  Gómez stürmt auf Maui zum Sieg

Kurzstrecke | 28. Oktober 2012
Javier Gómez hat sich bei seinem ersten Xterra-Auftritt auf Maui mit einer überlegenen Leistung gleich in die Weltmeisterschafts-Siegerliste eingetragen - Sebastian Kienle erwischte dagegen einen gebrauchten Tag. Vorjahressiegerin Lesley Paterson verteidigte ihren Titel.
Für Javier Gómez hatte die Aufregung rund um seine Premiere bei den Xterra-Weltmeisterschaften auf Maui, wie für einige andere Sportler, schon etwas früher eingesetzt, als er sich das eigentlich erhofft hatte. Als am Samstagabend auf der Insel wegen eines drohenden Tsunamis der Warn-Alarm losging, der Spanier samt seiner Lebensgefährtin Ricarda Lisk seine in der Gefahrenzone liegende Unterkunft verlassen und vorsichtshalber evakuiert werden musste - da hätte Gómez wahrscheinlich lieber die Beine hochgelegt und Kräfte getankt, als sich so kurz vor dem Rennen noch mit ganz existenziellen Fragen zu beschäftigen. "Das sieht ernst aus", twitterte der Galizier noch während der Evakuierung. "Letztlich ist nichts passiert, aber es war beängstigend, als plötzlich dieser Alarm ertönte", ergänzte Ricarda Lisk, nachdem sie etwas später wieder in ihre Unterkunft zurückgekehrt waren.

Mit den Spezialisten vom Rad

Diese vorabendliche Aufregung hätte manchen Athleten vielleicht aus dem Konzept gebracht - Gómez dagegen nutzte sie offenbar einfach als letzten nötigen Kick, bei den Xterra-Weltmeisterschaften am Morgen darauf von Beginn an selbst loszulegen wie ein Tsunami. Schon auf den ersten Metern der Auftaktdisziplin setzte sich der Spanier von seinen Konkurrenten ab, schwamm sich auf den ersten 1,5 Kilometern schon mehr als eine Minute Vorsprung auf seine schnellsten Verfolger um seinen ITU- und Radmarken-Kollegen Tim Don aus Großbritannien heraus. Und gab dieses Polster, anders, als es manche Langdistanzspezialisten von einem Kurzdistanz-Triathleten erwartet hätten, auch auf dem Mountainbike nicht kampflos wieder her. Im Gegenteil: Der dreifache Xterra-Weltmeister Conrad Stoltz (RSA) und Josiah Middaugh mussten sich mächtig strecken, um den Spanier auf der Radstrecke überhaupt wieder zu stellen. Mehr als 20 Kilometer lang hielt sich der Vizeweltmeister und Olympia-Silbermedaillengwinner von London allein an der Spitze, bevor zuerst der erfahrene Südafrikaner, später auch Middaugh zu ihm aufschloss - abschütteln aber ließ sich Gómez auch auf den technisch anspruchsvollen Abfahrten bis zum zweiten Wechsel aber nicht mehr. "Ich war selbst ein wenig überrascht von meiner Performance auf dem Mountainbike", erklärte Gómez später zufrieden.
Und mit Beginn der letzten Disziplin beseitigte Gómez dann auch die letzten kleinen Zweifel an seiner Überlegenheit. Früh setzte er sich auf den knapp zehn Cross-Laufkilometern von Stoltz ab und fuhr eine Woche nach seinem Sieg beim Grand Final der World Triathlon Series in Auckland auch auf Maui souverän den ersten Platz ein. Middaugh eroberte 50 Sekunden hinter Gómez den zweiten Platz, Stoltz rettete zwei Jahre nach seinem letzten WM-Titel noch eine Podiumsplatzierung ins Ziel.

Schumann bester Deutscher

Mit Sicherheit nicht ganz wie erhofft lief das Rennen für Sebastian Kienle. Zwei Wochen nach dem vierten Platz beim Ironman Hawaii hatte er entgegen seiner ursprünglichen Planung, das Rennen nur zum Spaß mitzunehmen, auch auf Maui mit einer vorderen Platzierung geliebäugelt - am Ende wurde es der 14. Platz für den Deutschen. Technische Probleme in seiner Paradedisziplin warfen ihn so weit zurück, dass ihm am Ende auch die drittbeste Laufzeit, nur etwas langsamer als Gómez, nicht mehr entscheidend nach vorn brachte. "Ich habe es natürlich auch dieses Mal geschafft, etwas am Rad kaputt zu machen. Ein bisschen zu aggressiv geschaltet, Kette verklemmt und verbogen", erklärte Kienle auf seiner Facebook-Fanpage. Seine Enttäuschung hielt sich nach herausragenden Auftritten bei den 70.3-Weltmeisterschaften und beim Ironman Hawaii aber in Grenzen. Noch ein paar Sekunden vor Kienle, auf Position 13, überquerte Felix Schumann nach ordentlichen Leistungen in allen drei Disziplinen die Ziellinie.

Riveros Diaz geht die Kraft aus

Mit einer ähnlichen Taktik wie Gómez hatte auch dessen chilenische Kurzdistanz- und Trainingskollegin Barbara Riveros Diaz ihr Glück im Rennen der Frauen gesucht. Als eine der schnellsten Damen aus dem Wasser gestiegen, übernahm sie auf der Radstrecke die Führung, ließ sich auch von der zunächst mit etwas Rückstand in die zweite Disziplin gestartete Vorjahressiegerin Lesley Paterson nicht sofort abschütteln - bis ihr dann doch noch die Kraft ausging. Zwei Minuten gab die britische Titelverteidigerin der kleinen Chilenin auf den letzten Kilometern auf dem Mountainbike noch mit, zwei weitere erarbeitete sie sich anschließend auf der Laufstrecke. Die logische Folge: Paterson feierte wie schon 2011 einen ungefährdeten Sieg. Auch die Südamerikanerin musste sich nicht völlig verausgaben, um ihren zweiten Platz zu verteidigen: Mehr als fünf Minuten dauerte es nach ihrem Zieleinlauf, bis die Südafrikanerin Mari Rabie auf Rang drei das Podium komplettierte.
Xterra World Championship, Männer
28. Oktober 2012, Maui Hawaii (USA)
NameNationGesamt1,5 km Swim30,4 km MTB9,5 km Run
1Javier GomezESP2:26:5419:061:27:2037:54
2Josiah MiddaughUSA2:27:4122:491:23:4338:39
3Conrad StoltzRSA2:30:0421:171:24:3641:24
4Leonardo ChaconCRC2:30:1920:131:26:4941:17
5Victor del CorralESP2:30:2424:231:24:5438:08
6Brent McMahonCAN2:30:5620:261:29:4337:54
7Asa ShawFRA2:32:1620:581:25:2043:11
8Tim DonGBR2:32:4120:251:30:4638:56
9Yeray LuxemBEL2:33:1022:531:27:5939:31
10Olivier MarceauSUI2:33:3621:091:29:0440:35
13Felix SchumannGER2:36:1721:501:29:1142:20
14Sebastian KienleGER2:36:3022:281:32:5638:17
Xterra World Championship, Frauen
28. Oktober 2012, Maui Hawaii (USA)
NameNationGesamt1,5 km Swim30,4 km Bike9,5 km Run
1Lesley PatersonUSA2:44:1224:071:36:0240:51
2Barbara Riveros DiazCHI2:48:1921:431:41:1442:41
3Mari RabieRSA2:53:5621:121:44:4045:14
4Heather JacksonUSA2:54:1324:321:43:3843:01
5Jacqui SlackUSA2:55:1922:551:43:1446:05