Gómez und die Brownlees: Wiedersehen am Kitzhorn

In Kitzbühel treffen am Samstag zum ersten Mal seit den Spielen von London die drei Olympia-Medaillisten aufeinander - und das auf ungewohntem Terrain. Über 1.000 Höhenmeter müssen die Athleten auf gerade einmal knapp 15 Rennkilometern bezwingen. Auch drei Deutsche stellen sich der Herausforderung.

Von > | 4. Juli 2013 | Aus: Szene

London 2012

Erstes Aufeinandertreffen seit London 2012: Die Brownlee-Brüder und Javier Gomez.

Foto > Delly Carr / triathlon.org

Gerade einmal 750 Meter Schwimmen, 11,55 Kilometer auf dem Rad und 2,55 Laufkilometer - wenn für ein Rennen über derart kurze Distanzen dennoch im Vorfeld eine Siegerzeit von rund einer Stunde veranschlagt wird, spricht das nicht gerade für ein qualitativ hochwertiges Starterfeld. Normalerweise. Anders sieht das aus, wenn diese 11,5 Kilometer gespickt sind mit 867 Höhenmetern, darunter ein Schlussanstieg mit 22,3 Prozent Steigung. Und wenn auch die dritte Disziplin mit 136 Höhenmetern auf nur zweieinhalb Kilometern Länge mehr Kletter- als läuferische Qualitäten verlangt.

Erstes Aufeinandertreffen der Olympia-Medaillisten

Es ist ein für die World Triathlon Series völlig neuartiges Format, das die International Triathlon Union (ITU) am Samstag beim fünften Rennen der diesjährigen WM-Serie ihren Athleten bietet - und eines, das vorerst auch einmalig bleiben wird. Denn nach der diesjährigen Austragung des Wettkampfs, der die Athleten vom malerischen Schwarzsee bis ans Alpenhaus auf dem Kitzbüheler Horn führen wird, zieht es die Veranstaltung zumindest im Jahr 2014 wieder zurück auf die altgewohnte, deutlich flachere Strecke rund um den Schwarzsee: Dann nämlich finden die Elite- und Agegroup-Europameisterschaften in der Tiroler Ortschaft statt, was ein Vielfaches an Startern nach Kitzbühel treiben wird - ein Umstand, der auf dem diesjährigen Kurs für die Veranstalter unmöglich zu stemmen wäre.

Profil Radstrecke

867 Höhenmeter auf 11,55 Kilometer Länge: Das Profil der Radstrecke in Kitzbühel.

Foto > kitzbuehel.triathlon.org

Dementsprechend hochklassig ist das zweite Europa-Rennen der World Triathlon Series zwei Wochen vor dem Wettkampf in Hamburg auch besetzt - denn entgehen lassen will sich dieses Spektakel kaum ein Sportler. Jan Frodeno ist einer von nur wenigen Topathleten, der das Rennen in der Vorbereitung auf dem Hamburger Triathlon aus freien Stücken auslässt. Ansonsten aber haben sich für das Kitzbüheler Rennen alle Athleten angekündigt, die auch in der Serienwertung noch eine Rolle spielen: Sowohl Javier Gómez (ESP) als auch der Portugiese João Silva, Mario Mola (ESP), Richard Murray (RSA), Ivan Vasiliev (RUS) und Laurent Vidal (FRA) wollen in Österreich starten - und erstmals in dieser Saison auch sowohl Alistair, als auch Jonathan Brownlee (beide GBR) im selben Rennen. Das bedeutet zugleich das erste Aufeinandertreffen der drei Olympia-Medaillisten seit den Spielen von London im August 2012.

"Salat ist ausverkauft"

Und das in einem Rennen, das ihnen als herausragenden Radfahrern allen dreien gut in die Karten spielen dürfte - doch der Druck, den die Athleten auf die Pedale bringen können, ist nicht alleiniges Erfolgskriterium am Wochenende. "Salat und Softdrinks sind im Kitzbüheler Supermarkt ausverkauft", twitterte am Dienstag der Australier Dan Wilson - scherzhaft, doch nicht ohne ernsthaften Hintergrund. Denn im Kampf gegen den Berg zählt für die Sportler in Kitzbühel auch jedes Gramm Körpergewicht. "Im Hinblick auf Kitzbühel habe ich schon versucht, noch ein bisschen Gewicht zu verlieren", erzählt vor dem Rennen der Deutsche Gregor Buchholz, der bei 1,86 Meter Körpergröße auch sonst lediglich 71 Kilogramm auf die Waage bringt, gegenüber tri-mag.de. "Trotzdem bin ich aus unserem Team noch der schwerste Starter in Kitzbühel."

Profil Laufstrecke

Auf Klettertour folgt Klettertour: Das Profil des Kitzbüheler Laufkurses.

Foto > kitzbuehel.triathlon.org

Ergänzt wird das nur drei Mann große Team der DTU in Kitzbühel außerdem von Steffen Justus und Jonathan Zipf, der nach Verletzungsproblemen zu Saisonbeginn wieder fit zu sein scheint: "Ich habe im Frühjahr zwar etwas Training verpasst, aber das zählt für mich jetzt nicht mehr als Ausrede", sagt er. Auch Steffen Justus musste nach Verletzungsproblemen im Anschluss an das Rennen in Madrid zwar einige Laufeinheiten ins Wasser verlegen, freut sich aber auf das Rennen in Kitzbühel. Im Anschluss an ein Trainingslager im Schwarzwald, in dem er gemeinsam mit seinem Teamkollegen Buchholz an seinen Bergfahr-Qualitäten gefeilt hat, deutete er vor zwei Wochen beim Bundesligarennen am Schliersee auf dem Rad bereits an, dass in Kitzbühel wieder mit ihm zu rechnen sein wird.

Brownlee, Gómez, Mola - oder etwa Thomas Springer?

Das gilt auch für den Franzosen Laurent Vidal, der das Rennen am Schliersee gewann - und für den mittlerweile für Österreich startenden Thomas Springer. Nach langer Verletzungspause (Beckenbruch) wird er in Kitzbühel sein Serien-Comeback geben, mit dem schnellsten Radsplit am Schliersee ließ er aber bereits aufhorchen. Ansonsten, so Steffen Justus gegenüber tri-mag.de, erwarte er auch bei dem ungewohnten Format die üblichen Namen, die um den Sieg kämpfen. "Es könnte vielleicht höchstens einer der leichten Australier für eine Überraschung sorgen", schätzt er. Was aber nicht heißen solle, dass die Brownlees und Javier Gómez den Sieg unter sich ausmachen werden. Auch der Portugiese Silva gilt als ausgezeichneter Bergfahrer - und Justus hat neben ihm auch Mario Mola und Richard Murray aus der Trainingsgruppe des ehemaligen kanadischen und britischen Nationalcoaches Joel Filliol ganz oben auf seiner Favoritenliste. "Ich habe mir nach dem Rennen in Madrid noch einmal die Wiederholung angeschaut", sagt er. "Richard Murray ist zwar ein etwas kompakterer Athlet - aber was die beiden dort am Berg geleistet haben, das war beeindruckend."

Das Rennen der Männer wird am Samstag um 13:06 Uhr am Schwarzsee in Kitzbühel gestartet. Der Zieleinlauf am Alpenhaus soll gegen 14:06 Uhr erfolgen. Einen Rennbericht finden Sie gewohnt kurz nach dem Rennen auf tri-mag.de.