Hamburg: Triathlon zum Anfassen

Vom 20. bis 21. Juli waren rund 10.000 Athleten beim Hamburg-Triathlon auf verschiedenen Distanzen unterwegs. Bei Kaiserwetter um die 25 Grad, strahlend blauem Himmel und Sonnenschein unterstützten etwa 300.000 Zuschauer, Verwandte und Freunde ihre Sportler. Ohne die "Jedermänner" wäre der Hamburg-Triathlon in dieser Form nicht möglich – werfen wir also einen Blick aufs Geschehen abseits des Profi-Rennens.

Von > | 21. Juli 2013 | Aus: Szene

Hamburg Triathlon 2013 - Stephanie Hort

Foto > Laura-Sophie Usinger

Morgens, fast halb zehn, in einer Hamburger S-Bahn: Statt Knoppers gibt es für den an seinem Zeitfahrrad und Einteiler unverkennbaren Triathleten einen Energie-Riegel. Neben ihm nehmen zwei Mitfahrer Platz, deren verwunderte Blicke zu erkennen geben: Hierbei handelt es sich um keine Sportler, zumindest um keine Triathleten. „Heute Triathlon?“, fragt einer von ihnen, und bekommt prompt im sanften Ton eine Antwort: „Heute Triathlon!“

Triathleten jeder Couleur

Triathlon ist eine Randsportart. Aber nicht so an diesem Wochenende in Hamburg: Über zwei Tage hinweg steht die Stadt an der Elbe ganz im Zeichen des Triathlons. Dafür sorgen rund 10.000 Teilnehmer und fast dreißigmal so viele Zuschauer. Der Hamburg-Triathlon, der inzwischen ITU World Triathlon Hamburg heißt, ist in der Hansestadt angekommen, mehr: Er wird von ihr getragen. Frau Kühnemann ist mit ihrem Mann zum Anfeuern gekommen. Mit Sport hat sie weniger am Hut, aber ihre Arbeitskollegen dafür umso mehr. Drei von ihnen sind in der Firmenstaffel  für die Hamburger Firma Boltze gestartet. Begeistert zeigt sich die 57-jährige Hamburgerin vom „Dabeisein-ist-alles“-Charakter und lobt das bunte Starterfeld: das motiviere Teilnehmer, Zuschauer können so Blut lecken.

Wiederholungstäter bekennt sich schuldig

Es war 2009, als Thomas Knauf das erste Mal Blut geleckt hat. Fünf Jahre später nippt er zufrieden an seinem Finisher-Bier, schließlich hat er es sich nach seiner olympischen Distanz verdient. Nach 2:48:39 Stunden erreichte der Frankfurter das Ziel auf dem Hamburger Rathausplatz – und man meint, es wäre nichts Neues für den fünffachen Wiederholungstäter, der seit 2009 immer wieder zum Triathlonspektakel in die Hansestadt kommt. Trotzdem ist jedes Jahr für den 49-Jährigen etwas ganz Besonderes. „So viele Menschen, die meinen Namen rufen, das Ambiente und Flair – Hamburg ist einfach einmalig“, lobt er die Veranstaltung. Sein persönlicher Höhepunkt sind die letzten Laufmeter auf der Poststraße, wo Zuschauer zweireihig die Strecke säumen. „Solche Glücksgefühle – einfach einmalig“, wiederholt er in Richtung seines Freundes, der ihm zustimmend zunickt.

Am Ende wird Thomas Knauf nochmal kurz ernst: „Ich schätze an Hamburg, dass es keine Massenstarts gibt“, bilanziert er. Das entspricht der Wahrnehmung vieler Athleten, die sich über das entzerrte Rennen freuen. So gäbe es beim Schwimmen viel Arm- und Beinfreiheit und die Veranstaltung bekäme einen Eventcharakter, der zum Kommen und Gehen einlädt – ein Hotspot nicht nur für Sportler, sondern für alle.

Von der S-Bahn in die Zeitung?

Das Hamburger S-Bahn-Trio sitzt immer noch zusammen, der Jungfernstieg, wo sich der Schwimmstart befindet, ist nur noch eine Station entfernt und das Gespräch derweil in vollem Gange: Distanzen, Zeiten und Materialkunde haben die Neugier beider Insassen geweckt. Der Triathlet unterbricht das Gespräch abrupt, denn er müsse jetzt aussteigen, teilt der schlanke Athlet mit, und verabschiedet sich. „Viel Erfolg“, wirft ihm einer der beiden hinterher und wendet sich seinem Bekannten zu: „Wir müssen morgen unbedingt Zeitung lesen, vielleicht gewinnt er ja das Rennen.“