Haug führt DTU-Sextett in den Kampf um Olympia

Sechs deutsche Frauen werden beim Auftakt zur World Triathon Series in Abu Dhabi am Samstag an den Start gehen - alle können sich dort für die Olympischen Spiele qualifizieren. Während Anne Haug dafür eine Top-15-Platzierung reicht, müssen es Laura Lindemann und Co. unter die besten Acht schaffen.

Von > | 3. März 2016 | Aus: Szene

Hamburg Triathlon 2015

Anne Haug beim Hamburg Triathlon 2015

Foto > Sina Horsthemke / spomedis

Insgesamt drei Startplätze werden für die Olympischen Startplätze unter den deutschen Damen aufgeteilt: Einer dieser Plätze ist bereits für Anne Haug reserviert, die ihr Ticket, das sie bereits beim Olympia-Testevent im vergangenen August löste, nur noch einmal durch eine Top-15-Platzierung in den nächsten Rennen bestätigen muss. Das übrige Team der Deutschen Triathlon Union (DTU) balgt sich um die verbleibenden zwei Plätze - und dieses Team hat in den letzten Monaten enorm an Schlagkraft gewonnen.

Top-Athletinnen verzichten

Inzwischen kappeln sich die deutschen Frauen nämlich nicht nur um die Startplätze für Olympia, sondern gar um die in der World Triathlon Series: Die Deutsche Triathlon Union darf unter normalen Umständen höchstens fünf Starter eines Geschlechts in ein Rennen der WM-Serie schicken - mindestens sechs aber wollten um die erste Chance um die Olympiaqualifikation im Jahr 2016 kämpfen. Die sportliche Leitung der DTU verteilte die fünf Plätze daher auf Grundlage der Trainingseindrücke und der Ergebnisse ihrer Leistungsdiagnostiken. Dabei verlor die Deutsche Anja Knapp ihren Startplatz rund zwei Wochen vor dem Rennen an Nachwuchsathletin Laura Lindemann, während sie sich eigentlich gerade gemeinsam mit Teamkollegin Anne Haug auf Lanzarote den Feinschliff für das Rennen in Abu Dhabi zu holen versuchte. Über eine Warteliste hat Knapp es aufgrund internationaler Absagen im Nachrückverfahren nun doch noch auf die Startliste geschafft, weshalb die DTU sogar mit sechs Athletinnen um die drei Olympia-Startplätze kämpft. Gut möglich, dass die alle schon nach diesem Wettkampf vergeben sind: Die besten Deutschen, die es im Tagesklassement unter die ersten Acht schaffen, qualifizieren sich für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro.

Dass das mindestens zwei Deutsche neben Anne Haug schaffen, scheint nicht nur deshalb realistisch, weil das DTU-Frauenteam in den vergangenen Jahren in der Breite immer stärker wurde. Auch die Startliste spielt den Deutschen in der Karten: Sechs der Athletinnen, die die WM-Serie im vergangenen Jahr unter den besten Zehn abschlossen, fehlen in Abu Dhabi - darunter sowohl Weltmeisterin Gwen Jorgensen (USA), als auch Vizeweltmeisterin Andrea Hewitt (NZL), die ihre Olympiaqualifikation bereits sicher haben und erst später in die Saison einsteigen wollen. Und doch könnte die Athletinnen in Abu Dhabi ein Rennverlauf erwarten, der einige Deutsche in Bedrängnis bringen könnte. Denn in Sarah True, Katie Zaferes (beide USA), Flora Duffy (BER), Carolina Routier (ESP) und Pamela Oliviera (BRA) ist eine ganze Reihe starker Schwimmerinnen gemeldet, die dafür sorgen könnten, dass sich zu Beginn der 40 Radkilometer mehrere Radgruppen mit großen Abständen zueinander bilden.

Spirig und Norden greifen ein

Gelingt es den Verfolgergruppen auf der Radstrecke dann nicht, diese Löcher zu schließen, könnte das Unternehmen "Olympiaqualifikation" für einige Deutsche schon mit dem Start der abschließenden zehn Laufkilometer gescheitert sein. Denn die Stärken sind im deutschen Team unterschiedlich verteilt: Während Anja Knapp und die junge Laura Lindemann zu den besten Schwimmerinnen im Feld gehören und gute Chancen haben, in der Spitzengruppe aus dem Wasser zu steigen, taten sich Anne Haug, Sophia Saller und Hanna Philippin damit in den vergangenen Monaten schwerer - sie landeten meist in einer zurückliegenden Schwimmgruppe und mussten daher auf dem Rad erst wieder Boden gutmachen. Rebecca Robisch, der sechsten deutschen Starterin und als WM-13. die beste Deutsche des vergangenen Jahres, ist der Sprung in die erste Schwimmgruppe dagegen zuzutrauen, zumal sie über den Winter neue Reize gesetzt und sich der internationalen Trainingsgruppe um den Kanadier Joel Filliol angeschlossen hat. Läuferisch bewegen sich vier der sechs Deutschen wohl auf einem ähnlichen Niveau - lediglich hinter Anja Knapp, die über Winter Krankheitsausfälle hinnehmen musste, und Laura Lindemann, die als Nachwuchsathletin von der Sprintdistanz kommt und die Olympische Distanz noch nicht gewohnt ist, stehen in dieser Hinsicht noch Fragezeichen.

Als Mitfavoritinnen auf den Sieg gelten in Abu Dhabi  neben Haug auch die US-Amerikanerinnen True und Zaferes, Pamela Oliviera (BRA), Rachel Klamer (NED), Ashleigh Gentle (AUS), Nicola Spirig (SUI) und Jodie Stimpson (GBR). Auch Lisa Norden, die Spirig bei den Olympischen Spielen 2012 in London im Zielspurt um Gold hauchdünn unterlag, geht in Abu Dhabi nach gesundheitlichen Problemen im vergangenen Jahr wieder an den Start und will es nach Rio de Janeiro schaffen.

Das Rennen der Frauen wird am Samstag um 12:57 Uhr deutscher Zeit gestartet. Einen kostenpflichtigen Livestream gibt es auf triathlonlive.tv. tri-mag.de berichtet zeitnah nach dem Zieleinlauf von der Entscheidung.