Rück- und Ausblick in Berlin: Jan Frodeno hat mit uns über die durchwachsene Saison und seine Zukunft gesprochen.

Carola Felchner / spomedis

Jan Frodeno bei einem Event seines Sponsors Asics in Berlin
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Jan Frodeno "Ich muss die Effektivität steigern"

Kurzstrecke | 18. Oktober 2012
Der deutsche Kurzdistanz-Star Jan Frodeno geht nach einem Sturz bei einem Laufwettkampf noch immer auf Krücken, ist aber dennoch bestens gelaunt. Wir haben mit ihm über seine durchwachsene Saison gesprochen - und über geplante Änderungen in puncto Training und Wettkampfdistanz.
Jan Frodeno, erst der Nerv, dann die Achillessehne, jetzt Wadenbeinköpfchen – Ihre Saison war sehr verletzungsgeprägt. Bleibt ein schaler Beigeschmack, wenn Sie auf 2012 
Jan Frodeno
Geburtstag: 18.08.1981
Größe: 194 cm
Größte Erfolge:
6. Platz Olympia 2012
1. Platz WCS Seoul 2010
2. Platz Hamburg 2010
1. Platz Olympia 2008
 
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zurückblicken?
Natürlich ist es immer ärgerlich, wenn es nicht ganz so aufgeht wie man sich das wünscht. Aber mein Hauptrennen war Olympia – und damit bin ich sehr zufrieden. Ich kann mich jetzt in Ruhe hinsetzen und überlegen, wo die Reise hingeht.
Wird sich die Route im Vergleich zu den Vorjahren ändern, was die Trainingsgestaltung betrifft?
Ich habe durch meine verletzungsbedingten Trainingseinschränkungen gelernt, dass diese alte Triathleten-Krankheit „viel hilft viel“ teilweise einfach nichts bringt. Die toten Meter sind manchmal vielleicht fürs Gewissen gut. Aber eigentlich braucht man das Selbstbewusstsein zu sagen: „Nein, das reicht jetzt. Nochmal einen 10er irgendwo zu laufen bringt mich nicht weiter.“ Es ist die Effektivität, die ich steigern muss und will. Und darüber habe ich mir schon viele Gedanken gemacht. Egal, für welches Rennformat.
Spielt dabei auch das Training von Fuß- und Wadenmuskulatur eine andere Rolle als vorher?
Mit Sicherheit. Bedingt durch meine Körpergröße muss ich sehr viel mehr arbeiten, um meine langen Hebel stabil umzusetzen. Es bringt nichts, wenn der Motor super ist. Wenn ich die PS nicht auf die Straße bringe, habe ich nichts davon. Und da hilft mir diese Natural-Running-Geschichte schon sehr, indem sie Training auch wieder effektiver macht. Ich kann so mein Aufwärmtraining schon effektiv nutzen, um die Strukturen zu trainieren, an die ich eigentlich ran will.
Es wird noch eine Änderung für Sie geben: Ihr Trainer Roland Knoll wird sich ab Anfang nächsten Jahres für den Österreichischen Triathlonverband engagieren. Ändert sich dadurch auch etwas für Sie?
Natürlich wird er dafür viel Zeit brauchen und wir uns dadurch weniger sehen. Aber wir sind zusammen schon durch dick und dünn gegangen und haben beide große Lust aufs kommende Jahr. Ich glaube, dass wir das ganz gut hinkriegen werden.
Bleibt denn wenigstens das Überwintern in Südafrika gleich?
Nein, ich bin gerade dabei meine Wohnung in Stellenbosch auszuräumen, weil ich nach den vielen Wochen und Monaten unterwegs auch mal richtig Lust auf Zuhause habe. Außerdem habe ich gerade jetzt, mit meiner Verletzung, die perfekten Reha-Bedingungen bei uns am Olympiastützpunkt in Saarbrücken. Die muss und will ich nutzen, um nächstes Jahr wieder 100-prozentig fit am Start zu stehen. Ich werde sicher auch mal zu meiner Freundin (Profi-Triathletin Emma Snowsill, d. Red.) nach Australien fliegen und dort ein bisschen Sonne tanken. Aber nicht monatelang.
Wo werden wir Sie nächstes Jahr am Start sehen?
Ich denke, mein absolutes Highlight wird Hamburg sein. Ich freue mich drauf, dieses Rennen auch mal perfekt vorzubereiten. Im  Frühjahr möchte ich auch gern mal eine längere Distanz ausprobieren. Vielleicht werde ich bei einem 70.3-Rennen starten.
Und wann geht’s auf die Langstrecke?
Momentan stehe ich am Scheideweg, aber ich muss mich ja noch nicht sofort entscheiden. Natürlich steckt in mir auch der kleine Junge, der unheimlich gern mit Material spielt – und so ein Zeitfahrrad hat in diesem Bereich unglaubliche Reize. Aber ich probiere jetzt erstmal die halbe Distanz und schaue, wie viel Spaß mir das macht.