Das sagte Nicola Spirig  Im Fotofinish zum Titel der Träume

Kurzstrecke | 4. August 2012
Dass sich Nicola Spirig im olympischen Foto-Finish gegen die Schwedin Lisa Norden durchsetzte, verdankt sie ihrem Kopf, ihrem Körper und der taktischen Vorgabe ihres Trainers Brett Sutton. Nach dem Rennen stellte sie sich den Fragen der Journalisten.
Nicola Spirig, es war eng auf den letzten Metern. Wie haben sie den Zieleinlauf erlebt?
Nachdem ich die Ziellinie überquert hatte, war ich total angespannt, weil es ja einige Minuten gedauert hat, bis ich von einem Offiziellen erfahren habe, dass ich gewonnen habe.
Wie fühlen Sie sich jetzt, ein paar Minuten später?
Als Athlet habe ich das Höchste erreicht, das ich erreichen kann. Jeder Sportler träumt davon, dass er einmal Olympiasieger werden kann. Das zu erreichen macht mich sprachlos.
Wie würden Sie den Rennverlauf aus Ihrer Sicht im Rückblick beschreiben?
Mein Coach hat mir gesagt, wie das Rennen ablaufen würde, und genauso ist es auch gekommen. Als ich aus dem Wasser steig, waren Lisa Norden und Helen Jenkins in meiner Nähe - da wusste ich, dass ich eine gute Position habe. Ich habe auf dem Rad versucht, immer vorn zu sein, damit ich ohne Stürze vom Rad steigen kann. Ich wusste, dass der Kurs gefährlich ist. Das Laufen habe ich eigentlich noch härter erwartet, es war nicht ganz so schnell, wie ich mir gedacht hatte. Ich hatte zum Ende des Radfahrens Ansätze von Krämpfen und habe die erste Laufrunde auch dazu genutzt, um in den Lauf hineinzufinden und die Krampfansätze etwas in den Griff zu bekommen.
Sie wirkten während des Rennens extrem fokussiert. Hatten Sie immer alles im Griff?
Ich war athletisch und mental sehr gut vorbereitet. Ich habe mich im Training auch auf beides sehr genau konzentriert, immer wieder bin ich gesprintet, gesprintet und gesprintet. Ich glaube, dass ich heute sehr stark im Kopf war, ich wusste, dass ich das Rennen gewinnen kann und habe fest an den Sieg geglaubt.
Beschreiben Sie doch mal die Attacke kurz vor Schluss ...
Das war keine Attacke, ich habe 400 Meter vor dem Ziel einfach das Tempo richtig hochgezogen, denn ich wusste nicht, ob ich noch einen richtigen Spurt schaffen würde, weil ich Krämpfe gespürt habe. Da war ich mir unsicher, deshalb habe ich das Tempo schon früh richtig hoch gehalten.
Ihr Sieg ist umso höher einzuschätzen, als Sie lange verletzt waren. Hatten Sie zwischenzeitlich daran gezweifelt, in London starten zu können?
Anfang des vergangenen Jahres habe ich vier Monate gebraucht, um meine Verletzung auszukurieren. Ich habe die Zeit aber vor allem dazu genutzt, im Schwimmen und auf dem Rad zu arbeiten. Es ist für jeden Athleten ein Horror, so lange verletzt zu sein, aber diese Phase hatte auch gewisse Vorteile. Ich habe immer daran geglaubt, bei den Spielen an den Start gehen zu können.
London sind ihre dritten Spiele. Wie sehr konnten Sie von Ihrer olympischen Erfahrung profitieren?
Ich glaube, dass es hilft, wenn man bei den Olympischen Spielen schon eine gewisse Erfahrung hat, wenn man weiß, wie man mit dem Druck umgehen muss, der von außen auf einen einwirkt. Vom Land, aber auch von sich selbst. Mit dieser Erfahrung war ich einfach besser vorbereitet als bei den beiden letzten Teilnahmen. Ich war perfekt vorbereitet, ich habe in der Vorbereitung 100 Prozent für dieses Rennen gegeben.
Wie haben Sie die Atmosphäre jetzt erlebt?
Es ist unbeschreiblich, vor so vielen Menschen ein Rennen zu bestreiten. Das war, als wenn man zu laute Musik hört, alle haben geschrien, dass es in den Ohren geklingelt hat. Das war unglaublich laut.