Jägerin und Gejagte: Anne Haug beim WM-Start in Auckland

Anne Haug, Anja Knapp und Anja Dittmer werden in der Nacht von Freitag auf Samstag (MESZ) die ITU World Triathlon Series 2013 für das DTU-Team eröffnen. Allen dreien sind Top-Ten-Platzierungen zuzutrauen - für die Kurzdistanz-Vizeweltmeisterin von 2012 geht es beim WM-Auftakt in Auckland sogar noch um etwas mehr.

Von > | 4. April 2013 | Aus: SZENE

Anne Haug | Anne Haug gewinnt den Weltcup in Mooloolaba

Anne Haug gewinnt den Weltcup in Mooloolaba

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Auf den Armen, an den Beinen, am Wechselständer, ja sogar auf der Schwimmkappe: Wo Anne Haug am Samstag (Start: 04:06 Uhr MESZ) auch hinschauen wird: sie wird die "1" sehen. Ihre Startnummer - und das gerechtfertigte Standing, mit dem die 30-Jährige nach einer herausragenden Saison in die WM-Serie 2013 startet. Und das, wo es gerade einmal ein Jahr her ist, dass ihre Schwäche in der Auftaktdisziplin noch als kaum zu überwindendes Hindernis galt.

Weltelite "light"

Doch Haug hat seitdem nicht nur beim Schwimmen nachgebessert, sondern auch bewiesen, dass man mit beiden Füßen 51,5 Kilometer lang durchgehend aufs Gaspedal drücken kann. Und zwar ohne, dass dabei zwangsläufig der Motor ins Stottern gerät. So startet die Vizeweltmeisterin in Abwesenheit von Lisa Nordén (SWE), die sich in diesem Jahr vorwiegend im Non-Drafting-Bereich versuchen will, als Gejagte in die neue Saison. Dass die Süddeutsche auch 2013 wieder für Überraschungen gut ist, hat sie bereits mit ihrem auch für sie selbst unerwarteten Sieg beim Weltcupauftakt in Mooloolaba im März gezeigt. Und schwächer als in Neuseeland, wo es in wenigen Tagen an die großen Punktwertungen auf dem Weg zum WM-Titel geht, war der erste Formtest in Australien auch nicht besetzt.

Auch beim Saisonauftakt in Auckland bekommt die Deutsche es am Wochenende vorerst nur mit der Weltelite "light" zu tun: Zunächst noch ohne die Australierinnen Emma Moffatt, Ashleigh Gentle und Erin Densham, ohne Sarah Groff (USA), Ex-Weltmeisterin Helen Jenkins, Vicky Holland (beide GBR), Paula Findlay (CAN) und auch ohne die nach einer Stressfraktur noch im Aufbautraining befindlichen Niederländerin Rachel Klamer werden die ersten WM-Punkte vergeben. Dafür mit dabei: Andrea Hewitt (NZL), Barbara Riveros Diaz (CHI), Gwen Jorgensen (USA), Jessica Harrison (FRA), Maaike Caelers (NED), Emma Jackson (AUS) und Haugs formstarke Trainingskollegin Jodie Stimpson (GBR). Ein mit nur 31 Starterinnen zwar dünnes Feld, aber keines, dass der Deutschen von vorn bis hinten in die Karten spielen wird.

Trio mit Top-Ten-Potenzial

Denn mit Harrison, Hewitt und auch der Deutschen Anja Knapp sind mindestens drei Athletinnen dabei, denen ein schnelles Schwimmen gut gefallen dürfte. Auf der Radstrecke wird sich Anne Haug also zunächst wieder in die Jägerrolle begeben müssen, bevor sie sich auf der Laufstrecke jagen lassen darf. Ein Vorhaben, für das der 30-Jährigen die bergige und technisch anspruchsvolle Radstrecke gelegen kommen sollte. Und unter Umständen auch ein "Neuling" im ITU-Zirkus, der sie auf der Radstrecke unterstützen könnte: Samantha Warriner, zweimalige Weltmeisterin und zwischenzeitlich auf die Langdistanz abgewandert, hat es wenige Monate vor ihrem 42. Geburtstag und drei Jahre nach ihrem letzten Auftritt im ITU-Triathlon auf die Startliste für ihr Heimrennen in Neuseeland geschafft.

Dennoch ist es eher unwahrscheinlich, dass eine der Favoritinnen auf der Radstrecke viel investieren wird, um ernsthaft zu versuchen, Haug auf Distanz zu halten - zu zurückhaltend haben sich viele ihrer Konkurrentinnen in der vergangenen Saison auf dem Rad präsentiert. Und auch Haugs Nationalmannschafts-Kolleginnen, die junge Anja Knapp und die erfahrene Anja Dittmer, werden kaum gegen ihre Landsfrau arbeiten. Zumal beide im Falle einer Laufentscheidung selbst gute Chancen auf Top-Ten-Platzierungen haben. Die dazugehörigen Ziffern haben sie am Samstag zwar nicht auf dem Arm stehen - das kann beim Start des zweiten Serienrennen in San Diego in gut zwei Wochen aber schon ganz anders aussehen.