Die drei Schnellsten der Challenge Roth 2012: Timo Bracht (2.), James Cunnama (1.) und Mike Aigroz (3.)

Frank Wechsel / spomedis

Die drei Schnellsten der Challenge Roth 2012: Timo Bracht (2.), James Cunnama (1.) und Mike Aigroz (3.)
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EM-Titel an Bracht James Cunnama überrascht in Roth

Kurzstrecke | 8. Juli 2012
Timo Bracht hat sich bei der Challenge Roth den Europameister-Titel über die Langdistanz geholt. Sein Hauptziel, den ersten Sieg beim deutschen Triathlon-Klassiker, hat er jedoch verpasst. Stattdessen jubelte im Rother Triathlonstadion der Südafrikaner James Cunnama.
Am Ende, das weiß auch Timo Bracht, sind Rennen im Allgemeinen und Marschtabellen im Speziellen einfach nicht planbar. Eine Endzeit von 7:49 Stunden hatte der Eberbacher für seine fünfte Teilnahme in Roth angekündigt – weil er hoffte, dass er seine Gegner damit schon vor dem Start demoralisieren könnte? Am Ende bleibt die deutliche Kampfansage des sonst eher bescheidenen 36-Jährigen ohne Wirkung – zumindest was den Südafrikaner James Cunnama betrifft. Denn in 7:59:59 Stunden und damit rund dreieinhalb Minuten vor dem Deutschen sichert sich der 29-Jährige nicht nur den größten Erfolg seiner Karriere, sondern gehört seit Sonntag auch zum elitären Kreis der Sub-8-Finisher. Dass es dennoch lange Zeit nach einem deutschen Sieg aussieht, ist Konstantin Bachor zu verdanken, der dem Rennen im Frankenland mehr als fünf Stunden lang couragiert seinen Stempel aufdrückt.

Bachor flüchtet, Bracht flucht

„Wenn es abgeht, bin ich dabei“, hatte der 27-jährige Wolfsburger im Vorfeld der elften Challenge Roth selbstbewusst angekündigt. Und er hält Wort – wenn auch anders, als im Vorfeld vermutet. Er selbst sorgt nämlich dafür, dass es an der Spitze abgeht. Als Siebter beendet der Polizeikommissar den 3,8 Kilometer langen Schwimmauftakt im Main-Donau-Kanal nach 47:25 Minuten zwar nur wenige Sekunden vor Mike Aigroz aus der Schweiz, Topfavorit Bracht, Cunnama und dem neuseeländischen Routinier Cameron Brown. Anschließend jedoch spielt Bachor – anfänglich noch von Landsmann Georg Potrebitsch begleitet – auf dem schnellen Radkurs in einer eigenen Liga. Bereits nach 150 Rennminuten stürmt er den berühmt berüchtigten Solarer Berg hinauf und bringt den Streckensprecher damit aus dem Konzept. „Der fährt gerade ganz in der Nähe der Weltbestzeit, die Andreas Kienle letztes Jahr aufgestellt hat“, sucht der Moderator offenbar den Vergleich mit gleich zwei Weltklasseleistungen aus dem Vorjahr. Der starke Schwimmer und Radfahrer Potrebitsch liegt hier – nach 70 Radkilometern – bereits gut 90 Sekunden zurück, ein Quintett mit Bracht nimmt den bekanntesten Anstieg der Triathlonwelt sogar erst mehr als drei Minuten später in Angriff.
Für den Eberbacher zu diesem Zeitpunkt aber wesentlich bedrohlicher als der Rückstand auf Bachor: Mit Brown und Cunnama sind die beiden stärksten Läufer immer noch an seiner Seite. Daran ändert sich, sehr zum Ärger des Deutschen, der sich auf den 180 Kilometern mehrfach über die fehlende Mitarbeit seiner Begleiter beschwert, auch im weiteren Rennverlauf zunächst nichts. Erst kurz vor der zweiten Wechselzone in Roth gelingt es Bracht zumindest Brown und Bayliss abzuschütteln. Bachors Vorsprung verringert diese Tempoverschärfung allerdings nicht – im Gegenteil: Seit über zehn Minuten ist der 27-Jährige bereits auf der Laufstrecke, als Bracht, Aigroz und Cunnama gemeinsam auf den Marathon wechseln.

Cunnama zu stark für Bracht 

Dort macht das Duo Bracht/Cunnama innerhalb kürzester Zeit deutlich Boden gut. Allein auf den ersten vier Laufkilometern nehmen die beiden dem Führenden rund eineinhalb Minuten ab, während Aigroz dem hohen Tempo schon früh abreißen lassen muss. An der Spitze muss Bachor für seine beeindruckende, aber auch sehr kräfteraubende Solo-Flucht bezahlen. Bis zur Halbmarathonmarke schmilzt sein Vorsprung in der drückenden Rother Mittagshitze auf eine gute Minute – nur wenig später ist es um ihn geschehen. Genau wie um Bracht, der später im Ziel zugeben wird, noch nie in seinem Leben „so vor die Wand gelaufen“ zu sein. Eine Krise, die Cunnama zu nutzen weiß. Mit jedem Schritt wächst der Abstand zu seinem deutschen Konkurrenten. Trotzdem ist die Spannung noch nicht aus dem Rennen: Denn als der 29-Jährige den roten Teppich im Triathlonstadion erreicht, zeigt die Uhr soeben 7:59 Stunden. Noch nie hat Cunnama die Acht-Stunden-Marke unterboten. Doch der Südafrikaner scheint nicht im Bilde. Lässt sich feiern, die Nationalflagge reichen. Am Ende stoppen die Uhren 7:59:59 Stunden für den Athleten des Team TBB – eine Punktlandung und der größte Erfolg seiner Karriere.
Fast dreieinhalb Minuten später kann auch Bracht den Jubel genießen. Trostpreis für seine Qualen: der Langdistanz-Europameistertitel. EM-Silber sichert sich der Schweizer Aigroz, der seinerseits Brown um zwei Minuten distanziert. Der 40-Jährige wartet damit weiterhin auf eine Zeit unter acht Stunden, nachdem er zuletzt beim Ironman Melbourne um winzige zwölf Sekunden daran gescheitert war. Der Gesamtfünfte Stephen Bayliss belohnt sich mit der Bronzemedaille, knapp vor Bachor, der sich nach toller Schwimm- und Radvorstellung in 8:13:36 Stunden über Platz sechs und eine neue persönliche Bestzeit freut. Der Halbzeit-Triathlonprofi – angekommen in der ersten Liga. Mit Dorian Wagner (7.), Georg Potrebitsch (8.) und Per Bittner (9.) landen drei weitere Deutsche in den Top-10.
Challenge | Männer
8. Juli 2012, Roth
NameNationGesamt3,8 km Swim180 km Bike42,2 km Run
1James CunnamaRSA7:59:5947:414:29:342:40:06
2Timo BrachtGER8:03:2847:374:29:422:43:33
3Mike AigrozSUI8:08:0147:294:29:492:48:09
4Cameron BrownNZL8:10:0547:374:31:502:47:30
5Stephen BaylissGBR8:13:0147:244:32:152:50:52
6Konstantin BachorGER8:13:3647:254:19:303:04:01
7Dorian WagnerGER8:19:4747:404:44:262:45:06
8Georg PotrebitschGER8:21:3947:294:32:022:59:23
9Per BittnerGER8:22:5147:274:44:392:48:17
10Roeland SmitsNED8:32:1050:394:49:382:48:55