Nach einer schwierigen Saison brennt Jan Frodeno auf das Rennen in London.

Frank Wechsel / spomedis

Jan Frodeno Hamburg 2012
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Deutschlands Olympistarter Jan Frodeno - kämpferisch und kompromisslos

Kurzstrecke | 6. August 2012
Noch vor wenigen Monaten hätte kaum jemand noch einen Pfifferling auf Olympiasieger Jan Frodeno gewettet. Doch mit dem Vertrauen der sportlichen Leitung im Rücken und dem Glauben an sich selbst hat der 30-Jährige in Kitzbühel im letzten Moment den Sprung nach London geschafft. Auch die Form scheint rechtzeitig zurückgekehrt zu sein. Der Überraschungssieger von Peking im Kurzporträt.
Vor vier Jahren konnte Jan Frodeno noch aus der Deckung agieren. Niemand hatte den gebürtigen Kölner bei seiner Olympiapremiere in Peking auf dem Zettel. Einen olympischen Zyklus später ist das ähnlich. Allerdings aus einem anderen Grund. Von Verletzungen gebeutelt, schleppte sich der 30-Jährige bis wenige Wochen vor Olympia durch die Saison, verbrachte teilweise mehr Zeit bei Ärzten und Physiotherapeuten als auf dem Rad oder der Laufbahn. Trotzt der ansprechenden Leistungen bei den WM-Rennen in Kitzbühel und Hamburg dürften die großen Favoriten allenfalls den obligatorischen Respekt vor dem 194 Zentimeter langen Deutschen haben. Zu den großen Medaillenfavoriten zählt Frodeno auch dieses Mal nicht. Wenn auch etwas unfreiwillig.
Persönliches
 
Geburtstag: 18. August 1981
 
Geburtsort: Köln
 
Wohnort: Saarbrücken
 
Größe/Gewicht: 194 cm/76 kg
 
Hobbys: Wellenreiten, Kochen, Kaffee rösten und trinken
Die spannende Lebensgeschichte Frodenos kennt seit Peking jeder, der sich etwas für den Kurzdistanz-Triathlon interessiert. In Südafrika entdeckte er im Jahr der olympischen Triathlonpremiere in Sydney seine Liebe zum Triathlon, wagte dort als 18-Jähriger auch die ersten Gehversuche. Später kam er nach Deutschland zurück und fand in Elmer Gneiting (Sigmaringen) seinen wichtigsten Förderer. Das Land am Kap der Guten Hoffnung ist aber auch heute noch ein wichtiger Baustein für Frodeno, der jedes Jahr einen großen Teil seiner Saisonvorbereitung in Südafrika verbringt.
Sportliches
 
Verein: LAZ Saarbrücken
 
Heimtrainer: Roland Knoll
 
Beruf: Triathlonprofi
Nach seinem ersten großen internationalen Erfolg, dem zweiten Platz bei den U23-Weltmeisterschaften 2004 auf Madeira, geriet die Triathlon-Karriere Frodenos zunächst ins Stocken. Erst drei Jahre später meldete er sich in Kopenhagen mit EM-Silber zurück. Ein internationaler Sieg wollte nicht gelingen - auch beim Weltcup in Hamburg reichte es 2008 "nur" zu Platz zwei. Wenige Wochen später schlug er dann zu. Ausgerechnet bei den Olympischen Spielen erwischte er das Rennen seines Lebens. Es folgten nicht nur ein monatelanger Interview-Marathon, Platz drei bei der Wahl zu Deutschlands Sportler des Jahres sondern - nach kurzer Verschnaufpause auch weitere Siege. 2009 und 2010 etablierte sich Frodeno in der Weltspitze; beendete die WM-Serie der ITU zweimal in Folge auf dem vierten Platz.
Frodenos wichtigste Erfolge
 
1. Platz World Championship Series Seoul 2010
 
1. Platz World Championship Series Yokohama 2009
 
1. Platz Olympische Spiele 2008
 
2. Platz Europameisterschaften Triathlon 2007
 
Frodeno, der längste der drei deutschen Starter, ist in allen drei Disziplinen eine Bank. Er hat keinen Ausreißer nach unten, aber auch keine Waffe mit der er seinen Gegnern Angst einjagen kann. Die holprige Vorbereitung dürfte sich vor allem beim Laufen, der morgen Mittag mutmaßlich entscheidenden Disziplin, niedergeschlagen haben. Zeiten von 29:30 Minuten, die man nach Überzeugung von Steffen Justus für eine Medaille bringen muss, scheinen für Frodeno kaum machbar. Doch einen Trumpf nimmt Frodeno - wie alle, die nicht Brownlee, Gomez oder Brukhankov heißen - mit in den Serpentine Lake: das Überraschungmoment.
Stärken und Schwächen
 
Schwimmen: 8 von 10 Punkten
 
Radfahren: 8 von 10 Punkten
 
Laufen: 8 von 10 Punkten
 
Londontauglichkeit: 7 von 10 Punkten
Unser Tipp: In den Kampf um die Medaillen kann Frodeno dieses Mal nicht eingreifen. Nach großem Kampf erobert er einen Top-10-Platz.

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