Javier Gomez ist Weltmeister

In einem dramatischen Finale entriss der Spanier Javier Gomez in Budapest dem bis dahin führenden Jan Frodeno die Spitze der WM-Wertung. Stattdessen gelang Steffen Justus überraschend der Sprung aufs Podest.

Von > | 11. September 2010 | Aus: SZENE

Javier Gomez | Javier Gomez

Javier Gomez

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Als Gregor Buchholz als letzter des starken deutschen WM-Aufgebots nach vier Kilometern der Laufstrecke an Jan Frodeno vorbeizog, versuchte er, dem bis dahin Führenden der WM-Wertung noch einmal Mut zuzusprechen. Auf dem Weg über die berühmte Budapester Kettenbrücke zum Wendepunkt unter der Universität hatte er gesehen, wie schwer sein Mannschaftskollege um den erträumten Weltmeistertitel kämpfte. Vergeblich. Denn eigentlich war schon nach 600 Metern der Kontakt zu seinem großen Gegenspieler, dem Spanier Javier Gomez, abgerissen. Der lieferte sich an der Spitze das erwartete Duell mit dem Dominator des Vorjahres, Alistair Brownlee aus Großbritannien.

Gomez angriffslustig

Es war ein Rennen, wie es einer Weltmeisterschaft würdig ist: Von Beginn an attackierte Gomez und versuchte, Jan Frodenos Schwächen aufzudecken - und sie gnadenlos zu nutzen. Als Erster stieg der Spanier nach 1,5 Kilometern Schwimmen aus dem Wasser und hatte nur noch Alistair Brownlee, den Franzosen Frédéric Belaubre, den Russen Dmitry Polyansky und den Briten Stuart Hayes im Nacken. Jan Frodeno verlor knapp 20 Sekunden. Gemeinsam mit seinen Begleitern versuchte der Spanier, sich abzusetzen. Denn er wusste, dass Jan Frodeno der Sprung aufs Podium reichen würde, um aus seiner Spitzenposition in der WM-Wertung den Titel zu machen.

Doch die Flucht war nach wenigen Kilometern beendet, und in der großen Spitzengruppe fanden sich fast alle Favoriten wieder, die alle weiteren Ausbruchversuche abwehrten. Mehrere Stürze lichteten danach das Feld, denn nicht alle kamen dabei wie Gomez oder der Russe Alexander Brukhankov mit Schürfwunden davon. Prominenteste Opfer waren mit Kris Gemmell und dem Briten Tim Don gleich zwei Athleten, die im Kampf um die Tageswertung eine Rolle hätten spielen können. Ihr Pech verbesserte Frodenos Chancen. Zunächst.

Zwei in einer eigenen Liga

Mit dem Wechsel auf die Laufstrecke bot sich dann das erwartete Bild: Sofort setzte sich Brownlee an die Spitze, Gomez und der Australier Brad Kahlefeldt setzten nach. Jan Frodeno dagegen hatte schon auf den ersten Metern sichtlich zu kämpfen. Zunächst  wuchs die Lücke zu Gomez zentimeterweise, dann, nach etwas mehr als einem halben Kilometer, war klar: Frodeno konnte nicht folgen. Und plötzlich kamen sie alle vorbei: Der Schweizer Sven Riederer, der Franzose David Hauss und Courtney Atkinson aus Australien, dann die Mannschaftskollegen Steffen Justus und Maik Petzold, Sebastian Rank und Jonathan Zipf, Christian Prochnow und Gregor Buchholz. Ein rabenschwarzer Tag für den 29-jährigen Frodeno, der so dicht vor dem WM-Titel gestanden hatte.

Brownlee, Gomez und der Rest

Es war ein einsames, ein beeindruckendes Duell, das die Zuschauer auf den folgenden drei Runden zwischen Kettenbrücke und Parlament zu sehen bekamen. Wie ein Schatten folgte Gomez dem Briten, merkte wohl früh, dass gegen diesen Alistair Brownlee heute kein Kraut gewachsen war, während die Verfolger mit Justus an der Spitze an Boden verloren. In der letzten Runde dann suchte der in der WM-Wertung aussichtslos abgeschlagene Alistair Brownlee die Entscheidung. In einem langgezogenen Sprint distanzierte er Gomez und lief seinen zweiten Saisonsieg nach dem Erfolg in Madrid ein.

Für Javier Gomez stand der WM-Titel mit dem zweiten Platz fest. Doch dahinter mischte Steffen Justus das WM-Klassement noch einmal richtig auf. Denn als Dritter der Tageswertung zog er nicht nur am Russen Brukhankov und dem Australier Brad Kahlefeldt vorbei, sondern ließ auch seinen Mannschaftskollegen Jan Frodeno noch hinter sich. Von Platz fünf auf Platz zwei in der Weltmeisterschaft - der größte Erfolg in der Karriere des 28-Jährigen.

Doch auch die anderen Athleten im deutschen Team überzeugten. Mit einem starken siebten Platz sicherte sich Maik Petzold wenige Wochen nach dem Rennen in Kitzbühel die zweite Top-Ten-Platzierung der Saison. Noch größer war die Freude wohl bei Jonathan Zipf und Christian Prochnow, die als Neunter und Zehnter ins Ziel kamen und zuvor wohl kaum mit einem so guten Abschneiden im WM-Finale hatten rechnen können. Gregor Buchholz auf Rang 13 und Sebastian Rank als 21. komplettierten das beste Ergebnis der Deutschen in diesem Jahr - an einem Tag, den so schnell wohl niemand vergessen wird.

World CHampionship Series 2010 Grand Final Budapest

  1. September 2010, Budapest (Ungarn)

1,5 km Swim, 40 km Bike, 10 km Run

1

Alistair Brownlee

GBR

1:42:26

2

Javier Gomez

ESP

1:42:30

3

Steffen Justus

GER

1:43:04

4

Joao Silva

POR

1:43:05

5

Brad Kahlefeldt

AUS

1:43:09

6

David Hauss

FRA

1:43:12

7

Maik Petzold

GER

1:43:18

8

Sven Riederer

SUI

1:43:37

9

Jonathan Zipf

GER

1:43:47

10

Christian Prochnow

GER

1:43:55

...

13

Gregor Buchholz

GER

1:44:01

15

Andreas Giglmayr

AUT

1:44:08

21

Sebastian Rank

GER

1:44:21

24

Rüdi Wild

SUI

1:44:31

41

Jan Frodeno

GER

1:45:56

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