Jenkins schlägt Densham, Haug erneut stark

Anne Haug hat beim WM-Serienrennen in San Diego ihren starken siebten Platz aus Sydney bestätigt - und das, obwohl sich das Rennen gänzlich zu ihren Ungunsten entwickelte. Besser lief es für Weltmeisterin Helen Jenkins, die Erin Densham deutlich auf Platz zwei verwies.

Von > | 12. Mai 2012 | Aus: Szene

Helen Jenkins | Helen Jenkins

Helen Jenkins gewinnt in San Diego

Foto > Rich Cruse / triathlon.org

Es gibt diese Tage, an denen es einfach vom ersten Augenblick an passt. Und es gibt jene Tage, an denen einfach nichts zusammenzulaufen scheint. Im Sport ist es häufig so, dass aus dem einen für die einen Athleten das andere für die anderen fast logisch folgt - aber nur fast logisch. Denn obwohl das zweite WM-Serienrennen des Jahres in San Diego von Beginn an zu Gunsten Helen Jenkins' und gegen die Deutsche Anne Haug lief, gab die sich nicht auf - und wiederholte als Belohnung dafür den starken siebten Platz vom WM-Auftakt in Sydney.

Hätte, wäre, wenn...

Man könnte sogar darüber spekulieren, ob für Haug mit einer Mischung aus ein wenig mehr Glück und Geschick beim Sprint ins Wasser vielleicht sogar noch mehr drin gewesen wäre. Denn weil das Schwimmen in San Diego nicht, wie sonst in ITU-Rennen üblich, vom Pontoon, sondern vom Sandstrand aus gestartet wurde, ergaben sich schon dort für manche Sportler strittige Vorteile. Die Athleten mit den niedrigen Startnummern auf den Außen, allen voran Helen Jenkins und die laufstarken Australierinnen Erin Densham und Emma Moffatt, konnten fünf, sechs Meter länger im Wasser laufen, bevor sie ins Schwimmen übergehen mussten und setzten sich dementsprechend sofort an die Spitze. Haug, mit der Nummer Sieben gestartet, zog ebenfalls nach außen - musste dafür aber kurz abbremsen und startete so zwar in guter Position, aber nicht mehr ganz im Wasserschatten von Jenkins und Co. auf die 1,5 Kilometer. Müßig, zu spekulieren, was drin gewesen wäre, wäre ihre es gelungen, dort den Anschluss an die Spitze zu halten.

Jenkins' perfektes Rennen

So aber entwickelte sich das Rennen zu Jenkins' Gunsten. Die Britin schwamm immer dicht an der Spitze, an der sich vor allem die Amerikanerinnen Laura Bennett und Sarah Haskins, für die das Rennen in San Diego zugleich das Rennen um Olympia war, um das Tempo bemüht machten - mit durchschlagendem Erfolg. Schon beim Schwimmen spaltete sich das Feld in eine kleine Gruppe an der Spitze, einen größeren Mittel- und einen Schlussteil.

Und genau so ging es dann auch über die 40 Radkilometer: Einige Athletinnen, darunter Moffatt und die junge Niederländerin Rachel Klamer, fielen früh aus der Spitzengruppe, in der vor allem Sarah Haskins Druck machte und die bald auf acht Athletinnen, darunter die starken Radfahrerinnen Jenkins, Holland und Bennett, dezimiert war. Etwa eine Minute dahinter fuhren zwei größere Gruppen, die sich nach der Hälfte des Rennens zusammenschlossen, denen eine motivierte und starke Radfahrerin, die die Verfolgung organisierte und anführte, in Abwesenheit von Svenja Bazlen und Nicola Spirig aber sichtlich fehlte. So verlor das große Feld mit Haug und Sarah Fladung, Emma Snowsill, Emma Moffatt und Emma Jackson noch eine weitere Minute auf die perfekt harmonierende Achtergruppe um Bennett, Haskins, Jenkins und Erin Densham. Die Siegerin, war schon lange vor dem zweiten Wechsel klar, konnte nur aus der Führungsgruppe stammen, und, auch das ließ sich bereits erahnen, wahrscheinlich würde sie Erin Densham oder Helen Jenkins heißen.

Haug wird für ihren Mut belohnt

Am Ende hieß sie Helen Jenkins. Die Britin machte von Beginn an Tempo und setzte Densham unter Druck, die nach fünf Kilometern trotzdem attackierte - ein Bluff, wie sich kurz darauf herausstellte. Denn als Jenkins das kurzzeitig entstandene Loch wieder zugelaufen hatte, dann den Konter setzte, war es um Densham geschehen. Eine Minute verlor die bis ins Ziel auf Jenkins - und wurde trotzdem Zweite vor Laura Bennett, die nun in London ihre zweiten Olympischen Spiele bestreiten wird. "Ich war zu müde. Eigentlich hätte ich nach Sydney eine Pause gebraucht, aber ich wurde ja nach San Diego getrieben", erklärte Densham ihren Einbruch und verteilte gleichzeitig einen Seitenhieb an das australische Olympische Komitee. "Ich hoffe, das war jetzt endlich genug für eine Nominierung." Ihre Hauptkonkurrentinnen darum, Emma Jackson und Emma Snowsill, verloren in allen Disziplinen Zeit auf Densham und beendeten das Rennen abgeschlagen auf den Plätzen 14 und 17 - und damit auch noch weit hinter Anne Haug, die sich auf der sturzanfälligen Radstrecke immer weit vorn aufgehalten hatte und das Laufen mutig angegangen war.

Hatte sie in Sydney noch eine vorsichtige progressive Taktik verfolgt, gestaltete Haug in San Diego auf der Laufstrecke gemeinsam mit der Weltmeisterin von 2009 und 2010, Emma Moffatt, das Tempo - und hängte sogar die noch ab, bevor die Australierin auch noch eine 15-Sekunden-Strafe wegen eines Wechselfehlers absitzen musste. Nur wenige Sekunden langsamer als Jenkins war Anne Haug am Ende die zweitschnellste Zeit gelaufen und hatte sich, trotz des großen Rückstands nach dem Radfahren, noch bis auf den siebten Platz nach vorn gearbeitet und das beste Ergebnis ihrer Karriere wiederholt - und das, obwohl sie gerade aus dem Höhentrainingslager angereist war und bezweifelte, danach Höchstleistungen abrufen zu können. Sarah Fladung beendete das Rennen als gute 24., die Schweizerin Daniela Ryf, direkte Konkurrentin von Svenja Bazlen, Kathrin Müller und jetzt auch Anne Haug im Olympiaranking, erreichte das Ziel nicht. Der dritte Olympiastartplatz nimmt damit für die deutschen Damen zwei Wochen vor dem Showdown in Madrid realistische Züge an.

Dextro Energy Triathlon San Diego 2012 | Frauen

  1. Mai 2012, San Diego (Kalifornien/USA)

Name Nation Gesamt 1,5 km Swim 40 km Bike 10 km Run

1

Helen Jenkins

GBR

1:58:21

18:28

1:04:54

33:34

2

Erin Densham

AUS

1:59:26

18:34

1:04:52

34:39

3

Laura Bennett

USA

2:00:11

18:31

1:04:54

35:28

4

Jessica Harrison

FRA

2:00:14

18:34

1:04:48

35:29

5

Vicky Holland

GBR

2:00:28

18:31

1:04:50

35:46

6

Flora Duffy

BER

2:00:46

18:34

1:04:52

35:59

7

Anne Haug

GER

2:00:50

19:31

1:06:07

33:44

8

Sarah Haskins

USA

2:00:56

18:30

1:04:48

36:07

9

Emma Moffatt

AUS

2:01:18

18:34

1:07:04

34:08

10

Ashleigh Gentle

AUS

2:01:33

19:36

1:06:05

34:22

24

Sarah Fladung

GER

2:03:06

19:34

1:06:10

35:55

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