Jonathan Brownlee schlägt zurück

Jonathan Brownlee hat sich beim WM-Serienrennen in Auckland mit einer beeindruckenden Leistung aus seiner Ergebniskrise zurückgemeldet. Auch Javier Gómez zeigte sich in Neuseeland wieder verbessert. Zusammen sorgten sie auch dafür, dass Gregor Buchholz und Mario Mola keine Chance bekamen.

Von > | 29. März 2015 | Aus: SZENE

Jonathan Brownlee | Jonathan Brownlee gewinnt in Stockholm

Jonathan Brownlee gewinnt in Stockholm

Foto >Janos Schmidt / triathlon.org

Jonathan Brownlee hat zurückgeschlagen - und dafür die Waffen benutzt, die noch vor drei Wochen rennentscheidend gegen ihn gerichtet wurden. Beim zweiten WM-Serienrennen der Saison 2015 hat der Brite seine Konkurrenten nach einem engagierten und überlegten Auftritt auf dem Rad mit einem schnellen Wechsel und intensiven Start in den entscheidenden Lauf überrascht, nachdem er durch genau diese Kombination beim Auftaktrennen in Abu Dhabi noch selbst überrumpelt wurde und den Anschluss verlor.

Nieschlag stark, Mola ohne Unterstützung

Doch es war nicht nur diese Kombination aus Wechsel und intensivem Laufstart, in der Jonathan Brownlee beim zweiten WM-Rennen des Jahres stärker wirkte: Schon in der Auftaktdisziplin zeigte sich der jüngere der beiden Brownlee-Brüder wieder in der eigentlich gewohnten, starken Verfassung, nachdem er zuletzt mehrfach beim Schwimmen geschwächelt hatte. Im Wasserschatten seines Freundes Richard Varga (SVK) blieb der Brite beim Schwimmen durchweg direkt an der Spitze des Schwimmfeldes und landete somit, genau wie der nur wenige Sekunden hinter ihm schwimmende Javier Gómez (ESP), auch in einer etwa 15 Mann großen Spitzengruppe, die sich auf den ersten 1,5 Kilometern bildete. Auch der Deutsche Justus Nieschlag gehörte zu dieser Gruppe - wogegen Mario Mola (ESP), Gregor Buchholz und Franz Löschke schon auf der ersten von zwei Schwimmrunden deutlich an Boden verloren. Doch während Mola auf der zweiten 750-Meter-Schwimmrunde mit zu diesem Zeitpunkt rund 30 Sekunden Rückstand auf die Spitze immerhin noch Schadensbegrenzung betreiben konnte und es in die erste Verfolgergruppe von Brownlee, Gomez und Nieschlag 40 Sekunden hinter der Spitze schaffte, fiel Buchholz - zur Halbzeit des Schwimmens nur knapp hinter Mola gelegen - noch deutlich weiter zurück. Wie Franz Löschke - und auch wie die DTU-Frauen im vorherigen Rennen - bestritt er das weitere Rennen von da an aus einer aussichtslosen Position.

Denn die beiden Deutschen hätten es zumindest in die erste Verfolgergruppe um Mario Mola schaffen müssen, um noch einmal ins Rennen einzugreifen - und um dem Spanier möglicherweise zu helfen. So war der nämlich über die gesamte Radstrecke hinweg ohne große Hilfe seiner fast 20 Begleiter in der Nachführarbeit auf sich allein gestellt, während sich an der Spitze Brownlee, Gómez, Nieschlag und 12 weitere Athleten engagiert in der Führungsarbeit abwechselten. Immerhin 30 Kilometer lang gelang es Mola trotzdem, den Rückstand auf die Spitze bei nur etwa 35 Sekunden zu halten - dann aber steckte der Spanier auf, zog sich aus der Führungsarbeit zurück und ließ den Rückstand auf den verbleibenden gut zehn Kilometern auf über eine Minute anwachsen. Auch beim Laufen investierte er später nicht mehr alles und wurde 15..

Podium | Jonathan Brownlee gewinnt in Auckland vor Javier Gomez und Pierre Le Corre

Jonathan Brownlee gewinnt in Auckland vor Javier Gomez und Pierre Le Corre

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Le Corre schnuppert an der Weltspitze

So deutete an der Spitze schon im Laufe der zweiten Disziplin viel auf ein Laufduell zwischen Javier Gómez und Jonathan Brownlee hin, das einerseits altbekannt wirkt - und durch die schnellen jungen Nachrücker wie Mola doch keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Und in diesem Duell zeigte Brownlee, das er etwas gelernt hatte aus der schmerzlichen Niederlage drei Wochen zuvor in Abu Dhabi, als er zu langsam wechselte: Auf dem langen Fußmarsch in die Wechselzone sprintete der Brite beinahe zu seinem Radständer, wechselte gemeinsam mit Justus Nieschlag und Richard Varga drei Sekunden vor Javier Gómez auf die Laufstrecke - und ließ den Galizier, ähnlich wie es Mario Mola, Vincent Luis (FRA) und Richard Murray (RSA) drei Wochen zuvor mit ihm getan hatten, einfach gar nicht mehr herankommen. Brownlee lief so schnell an, dass Gómez, begleitet vom jungen Franzosen Pierre le Corre, schnell und deutlich an Boden auf den Briten verlor. In deutlich unter 15 Minuten rannte Brownlee dabei die ersten fünf Kilometer nach den über 40 Radkilometern auf sehr anspruchsvollem Profil - und konnte dann, zwar noch immer mit fokussiertem Gesichtsausdruck, aber etwas erleichtert ob 20 Sekunden Vorsprung auf seine beiden schnellsten Verfolger Gómez und Le Corre, auf der zweiten Streckenhälfte zumindest ein wenig Tempo herausnehmen und nach einer durchwachsenen Saison 2014 wieder einmal ein Rennen der World Triathlon Series gewinnen.

Jonathan Brownlee | Jonathan Brownlee gewinnt in Auckland

Jonathan Brownlee gewinnt in Auckland

Foto >Delly Carr / triathlon.org

"Ich habe in Abu Dhabi so viele Fehler gemacht, ich habe mich dort selbst geschlagen. Das hat mich drei Wochen lang bis heute geärgert", erzählte Brownlee im Ziel. "Ich wollte heute zeigen, wie fit ich wirklich bin. Dafür habe ich den Übergang vom harten Radfahren auf schnelles Laufen in den letzten drei Wochen besonders intensiv trainiert", erklärte der Sieger sein Erfolgsrezept. Und auch Javier Gómez, der den Überraschungsdritten Le Corre auf den letzten zwei Kilometern deutlich distanzierte, zeigte sich wieder zufriedener mit sich selbst. "Ich war vor Abu Dhabi etwas krank, danach auch. Dafür kann ich heute sehr zufrieden sein. Durch die nächsten Rennen werde ich immer besser in Tritt kommen", meinte er. Sehr zufrieden sein durfte auch Justus Nieschlag, der das Rennen trotz Rückenproblemen in der Vorbereitung als Elfter mit neuer Bestleistung beendete. "Das ist ein sensationelles Resultat von ihm", sagte Elite-Bundestrainer Dan Lorang im Ziel. Mehr erhofft hatte man sich dagegen von den erfahreneren Gregor Buchholz und Franz Löschke, der an einem rabenschwarzen Tag auf der Laufstrecke von Jonathan Brownlee überrundet wurde: Ihnen blieben nach dem schwachen Schwimmen am Ende die Plätze 30 und 46.

ITU World Triathlon Auckland

  1. März 2015, Auckland (NZL)

Name

Nation

Gesamt

1,5 km Swim

43,2 km Bike

10 km Run

1

Jonathan Brownlee

GBR

1:55:26

18:22

1:05:14

30:29

2

Javier Gómez

ESP

1:55:41

18:27

1:05:13

30:39

3

Pierre le Corre

FRA

1:55:52

18:30

1:05:08

30:53

4

Fernando Alarza

ESP

1:56:48

18:36

1:05:01

31:44

5

Ryan Bailie

AUS

1:56:53

18:40

1:04:55

31:50

6

Henri Schoeman

RSA

1:57:03

18:21

1:05:17

31:59

7

Richard Varga

SVK

1:57:07

18:20

1:05:16

32:10

8

Crisanto Grajales

MEX

1:57:17

18:58

1:05:53

30:58

9

Ben Kanute

USA

1:57:20

18:23

1:05:15

32:17

10

Tony Dodds

NZL

1:57:39

18:37

1:05:02

32:39

11

Justus Nieschlag

GER

1:57:49

18:33

1:05:05

32:51

30

Gregor Buchholz

GER

2:00:46

19:43

1:07:33

32:06

46

Franz Löschke

GER

2:05:44

20:06

1:10:16

33:57

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