Hamburg Kahlefeldt gewinnt, Rank Vierter

Kurzstrecke | 16. Juli 2011
Beim Heimrennen hat der DTU-Nachwuchs den Etablierten die Show gestohlen. Sebastian Rank sicherte sich bei Brad Kahlefeldts Sieg in Hamburg einen starken vierten Platz und ließ selbst Weltmeister Javier Gomez hinter sich.
Ausgerechnet der Publikumsliebling war an diesem Samstag, beim vierten Rennen der diesjährigen World Championship Series, der traurigste Mann auf dem Hamburger Rathausmarkt. Wie versteinert lehnt Daniel Unger nach dem Rennen an einem Tisch im Zielbereich und blickt durch seine verspiegelte Sonnenbrille resigniert auf das Podium, auf dem der Australier Brad Kahlefeldt gemeinsam mit dem frenetischen Hamburger Publikum den wohl größten Erfolg seiner langen Karriere feiert. "Es ging einfach nichts mehr", erklärt Unger, wieso er das Rennen bereits nach der ersten von acht Radrunden aufgab. Ausgerechnet Unger, der zum Publikumsliebling wurde, als er 2009, zwei Jahre nach dem Gewinn des Weltmeistertitels, trotz eines Materialdefekts nicht aufgab und die Ziellinie als Letzter überquerte.

Frodeno macht den Unger

Eine Rolle, die in diesem Jahr Jan Frodeno übernahm. Gemeinsam mit Javier Gomez rund 20 Sekunden hinter dem slowakischen Ausreißer Richard Varga aus dem Wasser gestiegen, gelang Frodeno wie Maik Petzold und Christian Prochnow der Sprung in die erste von zwei großen Radgruppen, die auf den ersten drei 5-Kilometer-Runden getrennt durch die Hamburger Innenstadt jagten. Doch angeführt von Jonathan Zipf und Hawaiisieger Chris McCormack - der sich deutlich verbessert zeigte und nach einer Zeitstrafe auf der Laufstrecke 26. wurde - gelang den Verfolgern nach 16 Kilometern, als auch Ausreißer Varga längst gestellt war, der Zusammenschluss. Eine Chance für die Deutschen: Zwei Mal versuchte Maik Petzold die Flucht nach vorn, erst allein, dann gemeinsam mit dem Briten Tim Don. Doch zwei Mal holte ihn das Feld zurück. Und dann, auf der letzten Runde, löste sich Jan Frodeno: Gemeinsam mit dem Schweizer Ruedi Wild und erneut Don versuchte der Olympiasieger, sich ein paar Sekunden auf Gomez und Co. zu erarbeiten. Sekunden, die Frodeno dringend brauchte, da er auf der Laufstrecke wegen eines Wechselfehlers - Frodeno hatte seine Badekappe neben die Wechselbox geworfen - noch eine 15-Sekunden-Strafe abzusitzen hatte.
Doch dann ging seinem Vorderrad die Luft aus: Eine gefühlte Ewigkeit hantierte Frodeno an seinen Bremsen herum, bis er die Schraube entfernt hatte, die sich zwischen Bremse und Reifen geschoben hatte. Kurz vor dem zweiten Wechsel tauschte er sein Vorderrad aus und wechselte weit abgeschlagen auf die Laufstrecke. Trotzdem gab er nicht auf, machte die Laufstrecke zu seiner Bühne und ließ sich während der nächsten Kilometer ausgelassen vom Publikum feiern.

Rank setzt ein Ausrufezeichen

Mit der Entscheidung im Kampf um den Sieg hatten die Etablierten also nichts zu tun. Denn auch Maik Petzold, der vor dem Rennen angekündigt hatte, unbedingt unter den besten Zehn finishen zu wollen, fiel früh zurück. "Vielleicht hat nach 30 Trainingsstunden in dieser Woche einfach die Frische gefehlt. Ich kann es nicht genau sagen, das muss ich erst sacken lassen", zeigte er sich im Ziel enttäuscht. "Alles, was ich nun nach London mitnehmen kann, ist, dass es im Schwimmen und auf dem Rad passt."
Doch ITU-Kurzdistanzrennen werden für gewöhnlich erst beim Laufen entschieden - und dort zeigte sich an diesem Samstag der DTU-Nachwuchs den Etablierten weit überlegen. In einer zunächst zehnköpfigen Gruppe um Weltmeister Gomez setzten sich Jonathan Zipf und Sebastian Rank von den Verfolgern ab, bis Zipf auf der dritten Runde etwas zurückfiel, das Rennen aber konstant zu Ende lief und Neunter wurde. Vorn aber war es immer wieder Rank, der für das Tempo sorgte, selbst Javier Gomez in Schwierigkeiten brachte - und anschließend selbst Meter verlor: Kurz vor dem Ziel setzten sich Brad Kahlefeldt, der das Rennen im Sprint für sich entschied, William Clarke (GBR) und  David Hauss (FRA) von der Gruppe ab, in der sich Rank den starken vierten Platz - seinen bisher größten Erfolg - sicherte. "Wir DTU-Athleten haben alle gleich viel und gleich hart trainiert. Ich weiß selbst nicht so richtig, wo das heute herkam", sagte Rank nach dem Rennen. "Das war eine reine Kopfsache. Ein paar Prozent fehlen noch, aber ich habe Selbstvertrauen getankt." Selbstvertrauen für das Rennen in London in drei Wochen, wo Rank um die Qualifikation für die Olympischen Spiele kämpfen wird. Daniel Unger lehnte in diesen Momenten, da Rank und Kahlefeldt ihre Erfolge feierten, stumm an seinem Tisch und wandte sich auf die Frage nach seiner Zukunft ab. Die einzige Antwort blieb ein zutiefst deprimiertes Schulterzucken.
Dextro Energy Triathlon ITU World Championship Hamburg
16. Juli 2011, Hamburg
1,5 km Swim40 km Bike10 km RunGesamt
1Brad KahlefeldtAUS17:2855:4829:491:44:08
2William ClarkeGBR17:3155:4829:471:44:09
3David HaussFRA17:5155:2429:481:44:09
4Sebastian RankGER17:5255:2129:561:44:12
5Joao SilvaPOR17:2755:5430:001:44:16
6Javier GómezESP17:1456:0230:001:44:19
7Tim DonGBR17:3355:4330:121:44:33
8Reto HugSUI17:5755:1630:171:44:35
9Jonathan ZipfGER17:4855:3230:231:44:44
10Sven RiedererSUI17:4555:2430:391:44:56
...
14Ruedi WildSUI17:5255:2630:511:45:12
23Andreas GiglmayrAUT17:3755:3231:311:45:50
24Maik PetzoldGER17:2655:4631:381:45:57
31Christian ProchnowGER17:2455:5232:011:46:26
43Jan FrodenoGER17:2058:0531:331:48:00
50Gregor BuchholzGER17:561:06:0034:291:54:41