Kanada klaut Deutschland dritten Olympiastartplatz

Die Talfahrt der deutschen Triathlon-Männer auf der Kurzdistanz schlägt sich nun auch schmerzhaft in den Olympia-Punktelisten nieder: Aktuell dürften sie nur zwei statt drei männliche Athleten zu den Olympischen Spielen schicken. Den Deutschen bleibt noch ein Monat, das wieder zu ändern.

Von > | 12. April 2016 | Aus: SZENE

DTU-Team | Angeschlagen, aber noch nicht gefallen: Justus Nieschlag, Steffen Justus und Gregor Buchholz (v. l. n. r.)

Angeschlagen, aber noch nicht gefallen: Justus Nieschlag, Steffen Justus und Gregor Buchholz (v. l. n. r.)

Foto >Janos Schmidt / triathlon.org

Dass sich die deutsche Kurzdistanz-Elite, vor allem die der Männer, in einer tiefen Krise befindet, ist keine Neuigkeit. Bislang schafften es die deutschen Herren aber immerhin noch, sich in den Punktelisten der International Triathlon Union (ITU) über Wasser zu halten und den begehrten dritten Olympiastartplatz gegen die Konkurrenz beispielsweise aus Kanada, Italien und Mexiko abzusichern (Klicken für mehr Informationen zur Startplatzverteilung). Das hat sich nach dem jüngsten Weltmeisterschaftsserienrennen an der Gold Coast am vergangenen Wochenende zumindest vorläufig geändert.

Entscheidung für die Langfristigkeit

Denn dort schwammen, radelten und liefen die Deutschen nicht nur ihren Ansprüchen hinterher - einer, der für die Deutsche Triathlon Union eine ganz entscheidende Rolle im Kampf um die drei Männer-Startplätze spielt, stand sogar erst gar nicht am Start: Justus Nieschlag entschied sich gegen den Trip nach Australien und bereitete sich stattdessen in Europa auf die nächsten Rennen vor. Eine Entscheidung also gegen die wilde Punktehatz in möglichst vielen Rennen, stattdessen eine für das gezielte Training - also eine Marschroute, wie sie sich auf der Kurzdistanz nur wenige Sportler zu wählen trauen. Aber auch eine, die sich hinsichtlich des Trainings und der Gesamtbelastung längerfristig betrachtet noch auszahlen könnte. Denn weit sind Nieschlag die Konkurrenten um den dritten Olympiastartplatz noch nicht enteilt: In Andrew Yorke (2.444 Punkte), Kyle Jones (2.399 Punkte) und Tyler Mislawchuck (2.334 Punkte) liegen alle drei Kanadier nur rund 400 Zähler vor Nieschlag (2.005) - ein Rückstand, den der in seinen beiden noch geplanten Weltmeisterschafts-Wettkämpfen in Kapstadt und Yokohama bis zum Listenschluss Mitte Mai durchaus noch aufholen kann. Überholt Nieschlag einen von ihnen in der Punkteliste, stehen die Chancen, den dritten Olympiastartplatz für Deutschland zurückzuerobern, gut.

Zumindest scheint die Chance, das zu schaffen - und nebenbei auch die, in Yokohama mit einer Top-Acht-Platzierung das Olympiaticket zu lösen - auf Nieschlags Weise realistischer als über das blinde Punktesammeln durch Vielstarterei und zahlreiche Langstreckenreisen. Ein gutes Beispiel dafür, dass Letzteres keine nachhaltige Lösung ist, findet Nieschlag sogar im eigenen Team: Nationalmannschaftskollege Jonathan Zipf blieb in den vergangenen Monaten nach einer langen Verletzungspause nämlich nichts anderes übrig, als Punkte in mehreren Rennen auf verschiedenen Kontinenten zu sammeln, um es bei den Olympia-Qualifikationsrennen überhaupt auf die Startliste zu schaffen. In der entscheidenden Phase ging ihm nun aber die Luft aus. "Das unregelmäßige Training, was hauptsächlich der Punktejagd und der damit verbundenen Reiserei geschuldet war, macht sich jetzt bemerkbar", erklärte Zipf auf seiner Facebook-Seite. Doch auch Zipf wird seinen Traum von Olympia in Rio weiter verfolgen: "Ich ziehe weiter durch, will den Spaß am Sport und die altbewährte Lockerheit wiederfinden. Und ich bin sicher, dass sich das Blatt dann wieder wenden wird."