Mit einem Platz unter den besten 5 liebäugelt Kathrin Müller bei ihrer ersten Xterra World Championship auf Maui.

Skinfit Racing Team

Kathrin Müller beim Celtman 2013 in Schottland.
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Xterra World Championship Maui Kathrin Müller: Leidenschaft statt Trainingspläne

Kurzstrecke | 25. Oktober 2013
Drei Deutsche werden sich am Wochenende auf Maui mit den besten Cross-Triathleten der Welt messen. Darunter auch ETU-Europameisterin Kathrin Müller, die ihre Karriere in dieser Saison auf den staubigen Triathlonpisten eigentlich endgültig ausklingen lassen wollte - nun aber eine neue Leidenschaft für ihren alten Sport entdeckt hat.
Der größte Teil des Triathlontrosses ist abgezogen aus Kailua-Kona, doch auf dem Archipel im Pazifik bleibt er noch zumindest für ein paar weitere Tage. Zwei Wochen nach den Ironman-Weltmeisterschaften auf Big Island kommt es auf der Nachbarinsel Maui traditionell zum Kräftemessen der besten Offroad-Athleten der Welt - normalerweise auch durchmischt von einigen Ironman-Startern, die sich zwei Wochen nach dem Saisonhöhepunkt ein entweder versöhnliches oder zumindest einmal "etwas anderes" Erlebnis gönnen möchten. Zwar fehlen diese prominenten Namen aus dem Langdistanz-Triathlon in diesem Jahr bei den Xterra-Weltmeisterschaften auf Maui - langweilig wird das Rennen deswegen aber noch lange nicht. Denn der Cross-Triathlon hat seine eigenen Stars und Größen. Und trotzdem auch in diesem Jahr wieder ihre Herausforderer, die sich in anderen Formaten bereits einen Namen gemacht haben.

Südafrikanische Dominanz und ein deutsches Duo

Nicolas Lebrun ist einer dieser Spezialisten. Bereits 40 Jahre alt ist der Franzose, der sich im Jahr 2005 den Weltmeistertitel gesichert hatte - und damit genauso erfahren wie der Südafrikaner Conrad Stoltz, der es in seinen 40 Lebensjahren bereits auf fünf solcher Xterra- sowie drei ITU-Cross-Titel gebracht hat. Erfahrung, so scheint es, ist wichtig auf den holprigen, bergigen Pisten Mauis, die selbst den mittlerweile gesperrten US-Amerikaner Lance Armstrong bei seinem Start im Jahr 2011 in einer Abfahrt unsanft vom MTB warfen. Und doch ist es wohl vor allem ein junger, unerfahrener Konkurrent, der dem erfahrenen Duo Lebrun und Stoltz gefährlich werden könnte.
Denn angekündigt hat sich einer, der in dieser Saison auf der ITU-Kurzstrecke endgültig seinen Durchbruch feiern konnte: Richard Murray, ein 24-jähriges Kraftpaket aus Südafrika und Fünfter der diesjährigen ITU World Triathlon Series, will es aufnehmen mit seinem Landsmann Stoltz, Lebrun und dem früheren Mountainbiker Ruben Ruzafa (ESP), der die WM 2008 ebenfalls schon einmal für sich entscheiden konnte. Und auch mit einem weiteren Landsmann, Dan Hugo, der sich 2011 nur dem Österreicher Michael Weiss geschlagen geben musste. "Es geht darum, Spaß zu haben. Ich spüre keinen Druck und gehe ohne Erwartungen ins Rennen", gibt sich Murray zwar kleinlaut. Gibt dann aber doch zu, sich bereits Gedanken über die Taktik gemacht zu haben. "Diese Rennen werden auf dem Rad gewonnen und verloren. Hier zu starten ist schon lange ein Traum von mir - mich mit den richtig guten Radfahrern zu messen." Zu denen gehören auch der Schweizer Olivier Marceau, Josiah Middaugh, Jason Michalak (beide USA) und der Deutsche Felix Schumann, die ebenfalls auf Maui an den Start gehen werden. "Ein komisches Gefühl, hier zu den Routiniers zu gehören", bekannte Schumann vor dem Rennen. "Ziel ist, nach meinem Ausreißer mit Platz 13 vergangenes Jahr die Top Ten zurückzuerobern", so der Sieger des Inferno Triathlons von 2013. Auch Courtney Atkinson (AUS) und der Überraschungssieger des Ironman 70.3 St. George, Brent McMahon (CAN), werden die 1,5 Schwimm-, 30,4 Mountainbike- und 9,5 Laufkilometer auf der wohl schönsten der hawaiianischen Inseln in Angriff nehmen. Die deutschen Farben vertritt neben Schumann außerdem der 24-jährige Schweriner Dennis Kruse.

Müller mit neuem Spaß am "Doppelleben"

Sogar als einzige Deutsche wird die langjährige DTU-Kaderathletin Kathrin Müller im Frauenrennen an den Start gehen. Und das, nachdem sie nach der gescheiterten Olympiaqualifikation im vergangenen Jahr angekündigt hatte, sportlich nun etwas kürzer treten zu wollen. Das habe sie auch getan, sagt sie - auch wenn sie in dieser Saison fast noch häufiger in den Ergebnislisten auftauchte als in den vergangenen Jahren, sich im September bei den ETU-Europameisterschaften zur Cross-Europameisterin krönte. "Ich lebe mittlerweile zweigleisig", so die Thüringerin wenige Tage vor dem Rennen auf Maui gegenüber tri-mag.de. Ein bis zwei Mal am Tag treibe sie Sport, dazwischen sitze sie im Büro und arbeite als Vertriebs- und Geschäftsführerin der Deutschland-Abteilung eines französischen Neopren- und Bademodenspezialisten. "Es ist eine ganz neue Herangehensweise an den Sport, eine viel entspanntere Einstellung", meint Müller. "Ich habe keinen Trainer und keinen Trainingsplan mehr. Ich mache einfach Sport, ich halte mich fit und habe Spaß bei allem, was ich tue - auch beim Klettern, Badminton und Trekking. Mein sportlicher Horizont wird immer breiter."
Diese Erweiterung des sportliche Horizonts war es auch, der Müller Anfang des Jahres zum Crosstriathlon trieb. "Ich wollte immer schon öfter Mountainbike fahren, nur konnte ich es nie besonders gut", meint sie. Nun habe sie etwas Neues verbinden können mit dem Sport, den sie 15 Jahre lang intensiv betrieben hat. "Ich konnte noch einmal neue Orte auf der Welt sehen - und beim Xterra sind das verdammt schöne. Ich konnte wahre Abenteuer erleben und richtigen Spaß am Sport mit neuen Leuten teilen", sagt die 29-Jährige. Eigentlich habe sie dieses Jahr nur zum Ausklingen nutzen wollen, bestritt neben Bundesliga und kurzen Cross-Rennen beispielsweise auch den Extremtriathlon "Celtman". "Dass es so gut läuft, ich Fuß fasse und so viel Spaß habe, war aber nicht vorauszusehen", sagt sie nun. "Dieses 'Doppelleben' möchte ich durchaus noch etwas länger so weiterführen."

"Ein anderes Rennen, als wir es aus Europa kennen"

Von einer "zweiten Karriere" könne man aber nicht reden, meint Müller. Allein schon, weil Aufmerksamkeit und Preisgelder im Crosstriathlon zu gering seien - beim Celtman, den die Deutsche gewann, gab es für die Schnellsten gar keine Prämien. Auf Maui werden nun immerhin jeweils 50.000 US-Dollar unter den zehn schnellsten Frauen und Männer aufgeteilt, als eine der ersten Anwärterinnen auf das Podest sieht sich Müller trotz ihres Europameistertitels aber nicht. "Es ist ein ganz anderes Rennen als alles, was wir in Europa kennen", erzählt sie. "Viele der Topathleten leben in den USA und kommen nur selten einmal zu uns. Daher kenne ich die ganzen starken Kanadierinnen, Amerikanerinnen und Britinnen noch gar nicht", so Müller. Zudem gebe es immer wieder starke ITU-Athleten, die eventuelle Defizite in der zweiten Disziplin mit starken Schwimm- und Laufleistungen kompensieren könnten. "So ähnlich gestalte ich meine Rennen ja auch, einige der Mädels zeigen mir immer noch deutlich, wie man mit dem Rad richtig umgeht. Aber ich arbeite daran."
Zudem seien bei den Weltmeisterschaften "keine High-Speed-Qualitäten, sondern Stehvermögen und Power gefragt - denn die Strecke ist hart, sehr hart", sagt Müller. Die ersten Anwärterinnen für die Spitzenplätze seien für sie daher Titelverteidigerin Lesley Peterson (Schottland) und die Vorjahreszweite Barbara Riveros Diaz (CHI). Auch ihre ehemalige ITU-Kollegin Nicky Samuels (NZL) schätzt Müller stark ein. Für sich selbst hoffe sie auf eine Top-Fünf-Platzierung - "für mehr habe ich vielleicht nicht genug investiert", glaubt sie. Dafür muss sie sich neben Peterson, Riveros Diaz und Samuels aber auch unter anderem den früheren Weltmeisterinnen Shonny Vanlandingham (USA), Julie Dibens (GBR) und Melanie McQuaid (CAN) erwehren - auch Renata Bucher (SUI) und die Zweite der Ironman-70.3-WM von Las Vegas, Heather Jackson (USA), haben sich für das Rennen am Sonntagabend mitteleuropäischer Zeit angekündigt.