Kienle siegt überlegen, Newcomer Angert überrascht

Mit einem Sieg beim Frankfurter City Triathlon hat Sebastian Kienle nach einem durchwachsenen Frühjahr wieder Selbstvertrauen gesammelt - obwohl er in seiner Paradedisziplin überraschend im Schatten eines Triathlon-Neulings stand. Das Frauenrennen gewann die Frankfurterin Natascha Schmitt.

Von > | 4. August 2013 | Aus: SZENE

Sebastian Kienle | Sebastian Kienle gewinnt den Frankfurt City Triathlon 2013

Sebastian Kienle gewinnt den Frankfurt City Triathlon 2013

Foto >Fabian Fiedler

Als der Viertplatzierte Horst Reichel die Ziellinie überquert hatte und zum Gratulieren kam, waren die Gewinnerbilder längst geschossen, Rennsieger Sebastian Kienle eigentlich gerade mit den Vertretern der schreibenden Presse beschäftigt. "Du hast den Florian aber schon noch gekriegt, oder?", fragte der Hesse Kienle währenddessen nach einer ersten kurzen Gratulation. "Nicht auf dem Rad, nee", erwiderte Kienle. "Nicht auf dem Rad?", fragte Reichel ungläubig. "Im Ernst? Das gibts doch nicht."

"Wollte erleben, wie es ist, wenn Kienle vorbeifährt"

Reichel war nicht der einzige, den Florian Angert an diesem Sonntagmorgen in ungläubiges Staunen versetzt hatte. Nur Kienle selbst, sagte der später, hatte vorher wohl gewusst, welches Talent sich hinter diesem Namen verbirgt. "Wir haben den gleichen Radmechaniker", erzählte Angert im Ziel, so hatten der Weinheimer und Kienle zumindest ein Mal im Vorfeld des Rennens zusammen trainiert. "Der schwimmt die 400 Meter in unter vier Minuten, und das war eben noch nicht alles, was er kann", meinte Kienle später. Die meisten anderen wussten über den 21-Jährigen, der erst seit zwei Jahren Triathlon betreibt, dagegen nicht viel mehr als der später Zweitplatzierte Christian Prochnow: "Ich hatte gehört, dass hier ein richtig guter Schwimmer am Start sein soll", erzählte der im Ziel. "Aber ich wusste nicht, dass der auch so schnell Rad fahren kann. Chapeau - das war ganz stark gemacht!"

Florian Angert | Florian Angert wechselt noch vor Sebastian Kienle auf die Laufstrecke

Florian Angert wechselt noch vor Sebastian Kienle auf die Laufstrecke

Foto >Fabian Fiedler

Denn in seinem "ersten wirklich größeren Rennen", wie Angert später selbst sagte, zeigte sich der ehemalige Schwimmer von Beginn an offensiv. Er setzte sich auf den ersten 1,5 Kilometern vom Rest des Feldes ab, gab in der Folge, alleine in Führung liegend, weiter Gas - und wartete dabei doch vor allem darauf, dass Kienle an ihm vorbeigeschossen kommen würde. "Ich wollte es einfach mal erleben, wie es ist, wenn dieser Über-Biker Sebastian Kienle an einem vorbeifährt. Das war einer der Hauptgründe für mich, hierher zu kommen", sagte der 21-Jährige im Ziel immer noch etwas ungläubig. "Aber irgendwie kam er nicht." Und das, obwohl Kienle "richtig gut geschwommen" sei, wie er selbst befand, trotz kurzer Orientierungsschwierigkeiten unmittelbar nach dem Start die Füße von Timo Bracht und Jan Raphael fand und bis zum Ausstieg halten konnte.

Kienle "nervös wie lange nicht mehr"

Und auch auf den 45 Radkilometern hielt sich Kienle keineswegs zurück. Der Knittlinger setzte sich deutlich von seinen ehemaligen Begleitern ab - zu Angert an der Spitze aber konnte auch er nicht aufschließen. "Auch wenn einer wie Sebastian Kienle für dieses Rennen sicher nicht getapert hat: Das ist verrückt", meinte Angert. Fast eine Minute trennte die beiden am zweiten Wechsel noch, während nach hinten aber bereits eine Lücke klaffte: Zu weit zurückgefallen schien bereits der zu diesem Zeitpunkt Drittplatzierte Horst Reichel, der kurz vor dem Potsdamer Kurzdistanz-Spezialisten Christian Prochnow auf die Laufstrecke wechselte. Während Reichel sich am Ende mit dem vierten Rang vor seinen Teamkollegen Timo Bracht, Jan Raphael sowie dem nun für das pewag-Team startenden Faris Al-Sultan begnügen musste, drehte Prochnow das Blatt auf der zehn Kilometer langen Laufstrecke noch einmal zu seinen Gunsten.

Sebastian Kienle | Überholmanöver nach vier Kilometern: Kienle löst Angert an der Spitze ab.

Überholmanöver nach vier Kilometern: Kienle löst Angert an der Spitze ab.

Foto >Fabian Fiedler

Denn nachdem zunächst Kienle nach vier Kilometern an Angert vorbei auf den ersten Platz gelaufen war, zog kurz vor dem Ziel auch der Potsdamer noch an dem 21-Jährigen vorbei und sicherte sich den zweiten Rang. "Man hat gemerkt, dass ich diesmal ein bisschen mehr auf dem Zeitfahrrad geübt habe als noch vor dem Ironman 70.3 in Berlin", sagte Prochnow. "Ich hatte aber gehofft, dass Sebastian Kienle vielleicht etwas später an mir vorbeifährt als schon bei Kilometer 12 oder 13." Der wiederum, Kienle, machte im Ziel keinen Hehl aus der Erleichterung, die sein überlegener Auftritt für ihn mit sich brachte. "Das war heute absolut wichtig für mich. Ich war vor dem Rennen so nervös wie schon lange nicht mehr", sagte Kienle. "Hier war ja nicht nur Fallobst am Start. Ich habe diese Woche noch viel trainiert, daher habe ich natürlich auch den Drehzahlbegrenzer gespürt. Aber ich habe jetzt lange genug rumgejammert. Ich muss nun etwas mehr Risiko gehen - und ich merke, wie mein Körper das Training momentan förmlich aufsaugt", meinte der Weltmeister im Ironman 70.3. "Wenn ich nun noch eines der kommenden drei Rennen in Wiesbaden, Las Vegas und Kona gewinne, war die Saison eigentlich doch ganz gut", so Kienle weiter. "Und wer weiß: wenn nun weiterhin alles glatt läuft, bekommt mir das schlechte Frühjahr vielleicht sogar zum Vorteil. Denn auch geistige Frische spielt ja eine Rolle."

Frankfurt City Triathlon | Männer

  1. August 2013, Frankfurt am Main (Hessen)

Name

Nation

Gesamt

1,5 km Swim

45 km Bike

10 km Run

1

Sebastian Kienle

GER

1:54:31

19:30

0:58:49

32:26

2

Christian Prochnow

GER

1:56:04

18:16

1:02:55

31:25

3

Florian Angert

GER

1:56:15

17:52

0:59:28

35:06

4

Horst Reichel

GER

1:57:53

18:57

1:01:18

33:52

5

Timo Bracht

GER

1:58:49

19:27

1:01:40

33:54

6

Jan Raphael

GER

1:58:50

19:31

1:01:45

33:50

7

Faris Al-Sultan

GER

2:00:43

18:33

1:02:38

35:30

8

Andreas Niedrig

GER

2:04:49

18:58

1:02:01

39:20

9

Carl Shaw

GBR

2:06:16

19:27

1:03:29

38:38

10

Fabian Knobelspies

GER

2:09:19

21:53

1:06:50

36:05

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Natascha Schmitt revanchiert sich für den Ironman

Deutlich einseitiger verlief das Rennen der Frauen. Dort setzte sich, nachdem sie als Vierte aus dem Wasser gestiegen war, schon nach wenigen Kilometern die Vorjahreszweite Natascha Schmitt an die Spitze des Feldes. "Ich war nach dem 28. Platz eim Ironman hier in Frankfurt sehr enttäuscht", sagte die 27-Jährige im Ziel, "ich wollte mir unbedingt beweisen, dass meine Form und mein Training passen." Daher setzte sie auch auf der Radstrecke auf Offensive. "So kurz nach dem Ironman wusste ich nicht, was beim Laufen wohl passieren würde, deshalb wollte ich etwas Vorsprung mit vom Rad nehmen", sagte die Frankfurterin, die neben dem Ironman-70.3-Rennen in Wiesbaden am kommenden Wochenende auch noch die 70.3-Rennen in Luxemburg, Frankreich und Lanzarote bestreiten will. "Das Laufen hat dann aber auch noch ganz gut gepasst." Sie gewann am Ende mit mehreren Minuten Vorsprung vor der Zweitplatzierten Carina Brechters, Dritte wurde Renate Forstner.

Frankfurt City Triathlon | Natascha Schmitt gewinnt den Frankfurt City Triathlon 2013 vor Carina Brechters und Renate Forstner.

Natascha Schmitt gewinnt den Frankfurt City Triathlon 2013 vor Carina Brechters und Renate Forstner.

Foto >Fabian Fiedler

Frankfurt City Triathlon | Frauen

  1. August 2013, Frankfurt am Main (Hessen)

Name

Nation

Gesamt

1,5 km Swim

45 km Bike

10 km Run

1

Natascha Schmitt

GER

2:09:45

21:22

1:07:21

37:05

2

Carina Brechters

GER

2:15:23

19:00

1:12:10

40:13

3

Renate Forstner

GER

2:16:35

20:32

1:12:23

39:10

4

Ricarda Lisk

GER

2:17:47

20:08

1:14:59

38:31

5

Rebekka Essmüller

GER

2:19:23

23:53

1:09:48

41:14

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