"Irgendwie ist noch Dampf drin." Bei der Xterra-WM auf Maui will Sebastian Kienle den Kessel leermachen.

Nis Sienknecht / spomedis

"Irgendwie ist noch Dampf drin." Bei der Xterra-WM auf Maui will Sebastian Kienle den Kessel leermachen.
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Xterra WM Maui In Kienles Kessel köchelts noch

Kurzstrecke | 25. Oktober 2012
Ein paar entspannte Tage auf Maui hat sich Sebastian Kienle in den vergangenen Monaten redlich verdient. Doch vorher will der 70.3-Weltmeister und Vierte des Ironman Hawaii noch etwas Dampf ablassen. Bei den Xterra World Championships trifft er am Sonntag unter anderem auf zwei frühere Kurzdistanz-Weltmeister und die Xterra-Legenden Conrad Stoltz und Nicolas Lebrun.
Schon Monate vor dem Ironman Hawaii haben Sebastian Kienle und Freundin Christine Schleifer die Wohnung auf Maui gebucht, auch das Mountainbike des Badeners ging mit auf die Reise nach Kona. Endgültig für den dritten WM-Start entschieden habe er sich aber erst nach dem Ironman Hawaii, beteuert der 28-Jährige. "Eigentlich wollten wir dort nur ein bisschen Urlaub machen und das Rennen so aus Spaß." Doch schon wenige Tage nach seinem Überraschungscoup in Kona habe er gemerkt, wie schnell er sich erhole. "Das hat meine Zielsetzung etwas verändert", so Kienle gegenüber tri-mag.de. Einen weiteren Titel kann ihm - so er das Ziel der mehr als 40 Kilometer langen Offroad-Tortur am D.T Fleming Beach erreicht - keiner seiner Gegner mehr nehmen. Denn der Deutsche ist der einzige männliche Profi im Feld, der für das sogenannte "Hawaiian Airlines Double" aus Ironman- und Xterra-WM gemeldet hat. Das ging zwischen 2006 und 2010 fünfmal in Folge an den Spanier Eneko Llanos. Doch der Vorjahresdritte und Xterra-Weltmeister von 2003, 2004 und 2009 erwischte vor zwei Wochen auf Big Island einen schwarzen Samstag und stieg nach zwei Pannen auf der Radstrecke bei Laufkilometer zwölf entnervt aus. Mit der Prämie von 2.500 US-Dollar, die die Fluggesellschaft Hawaiian Airlines für den "Double"-Gewinner springen lässt, dürfte es Kienle in der Zeit nach dem Rennen an nichts fehlen.

Legenden und Weltmeister

Dass er das Rennen auf dem zweigrößten Hawaii-Archipel gewinnt - daran mag Kienle allerdings selbst nicht glauben. Sein Favorit: Javier Gómez. Ein interessanter Tipp, denn für den Kurzdistanz-Vizeweltmeister aus Spanien ist das Xterra-Terrain Neuland. Radsponsor Spezialized stattete ihn für seine Maui-Premiere mit einer Wildcard aus. Über Gómez' Fahrkünste auf dem Mountainbike - und die sind am Sonntag zweifelsohne nötig - ist nur wenig bekannt. Doch wenn der 29-Jährige auf dem tückischen 30-Kilometer-Kurs an der Nordwestküste Mauis den Kontakt zu den Offroad-Cracks halten kann, dürfte er beim Laufen kaum zu stoppen sein. Gleiches gilt für Ex-Weltmeister Tim Don, der ebenfalls mit einer Wildcard ins Rennen geht. 2011 hat Ivan Rana dem Duo schon einmal vorgemacht, wie man die Spezialisten ärgern kann. Nur etwas mehr als eine Minute fehlte Gómez' Landsmann damals zu einem Podiumsplatz.
Kienle und die beiden Neulinge treffen am Wochenende auf das Beste, was die Xterra-Szene derzeit zu bieten. Neben Südafrikas Xterra-Legende Conrad Stoltz werden Europameister Olivier Marceau (SUI), der Franzose Nicolas Lebrun, die Australier Ben Allen und Chris Legh sowie der Sieger des Ironman Lanzarote, Victor del Corral (ESP), um die Medaillen kämpfen. Alexander Haas, das wohl größte deutsche Offroad-Talent, musste seinen Start nach einem Trainingssturz absagen. Der 23-jährige Rother hatte auf Maui 2009 und 2011 den Agegroup-WM-Titel geholt. Für dieses Jahr hatten Experten einen Platz unter den Top 5 des Profifeldes zugetraut. Dennoch muss Sebastian Kienle die deutsche Fahne nicht allein hochhalten. Denn mit Felix Schumann ist ein zweiter erfahrener und Xterra-erprobter Profi am Start.
Titelverteidiger Michael Weiss muss sich das Rennen dagegen vom Streckenrand anschauen. Der Österreicher sitzt derzeit eine zweijährige Dopingsperre ab und darf erst ab November 2013 wieder an internationalen Wettkämpfen teilnehmen. Da auch der Südafrikaner Dan Hugo verzichtet, hat Eneko Llanos im zweiten Jahr nach dem Umzug nach Kapalua das Privileg mit Startnummer 1 auf die 1,5 Schwimmkilometer im Pazifik zu gehen.

Erfahrung gegen Neugier

Auch bei den Frauen kommt es am Sonntag zum spannenden Vergleich zwischen einer Handvoll Spezialistinnen und zwei neugierigen Kurzdistanz-Assen. Im Unterschied zum Rennen der Männer ist das Podium des Vorjahres aber komplett vertreten. 2011 hatte sich die Britin Lesley Paterson in Kapalua gegen die französische Europameisterin Marion Lorblanchet und die Tschechin Helena Erbenova durchgesetzt. Herausgefordert wird das Trio dieses Mal von Erin Densham und Barbara Riveros Dias. Sowohl die Australierin als auch das Leichtgewicht aus Chile gehören zu den schnellsten Läuferinnen im ITU-Zirkus. Doch ähnlich wie Gómez und Don dürften sie gegen die MTB-Spezialistinnen nur eine Chance haben, wenn sich ihr Rückstand nach dem Radfahren in Grenzen hält. Zudem darf man gespannt sein, in welche Leistung Densham die Enttäuschung des Grand Finals in Auckland ummünzen kann. Dort hatte die lange Zeit WM-Führende ihre sicher geglaubte Medaille auf den letzten Kilometern noch an Anne Haug und Andrea Hewitt abtreten müssen. Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Start von Mary Beth Ellis. Nach Angaben von Renndirektor Dave Nicholas hat die Hawaii-Fünfte ihre Teilnahme zwar angekündigt. Die Bestätigung der US-Amerikanerin stehe aber noch aus. Chancen auf einen Podiumsplatz haben zudem die erfahrene Schweizerin Renata Bucher, Xterra-Urgestein Shonny Vanlandingham und das kanadische Duo Melanie McQuaid und Magali Tisseyre.

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