Anschluss geschafft Knapp und Robisch überzeugen in Tiszaújváros

Kurzstrecke | 15. Juli 2012
Mit den Plätzen fünf und sechs haben sich Anja Knapp und Rebecca Robisch beim Weltcup in Tiszaújváros in der internationalen Elite angemeldet. Stefan Zachäus fehlten dazu noch ein paar Sekunden beim Laufen, Gregor Buchholz beim Schwimmen.
Rebecca Robisch kennt das ja schon: Samstag ein Rennen über die Sprintdistanz, ein paar Stunden erholen, Sonntag das nächste. Bereits am vergangenen Wochenende hatte sie das erfolgreich so praktiziert, war nach einem Ligarennen in Frankreich noch am Samstag mit dem Zug weiter nach Düsseldorf gefahren und dort tags darauf beim Bundesligarennen Zweite geworden. Zumindest für sie war der Qualifikationsmodus beim Weltcup im ungarischen Tiszaújváros, wo sich die Frauen am Samstag in zwei und die Männer in drei Halbfinals für das Finale am Sonntag qualifizieren mussten, also nichts gänzlich neues.

"Mehr Prügelei als Schwimmen"

Etwas nervös dürfte sie dann aber doch geworden sein, als sie die Schwimmstrecke vor dem Wettkampf besichtigte: Nach nur 114 Metern war dort die erste Boje gesetzt in einem Gewässer, das DTU-Athlet Gregor Buchholz wohlwollend als "Stadttümpel" beschreibt. Auf drei Runden verteilten die Organisatoren die 750 Meter Schwimmstrecke - was unweigerlich dazu führte, dass, wie später einige Athleten beklagten, "mehr geprügelt als geschwommen" wurde. Und was wiederum bislang nicht unbedingt zu den Lieblingsbeschäftigungen von Rebecca Robisch gehörte, die im Pool schon immer sehr gute Zeiten schwimmen soll, in internationalen Rennen der vergangenen Jahren aber häufig Probleme hatte, das auch im Freiwasser abzurufen. Ein Härtetest also für Robisch, unter verschärften Bedingungen. Und einer, die sie mit Bravour bestand.
Wie schon bei den letzten Bundesligarennen in Darmstadt und Düsseldorf konnte die 24-Jährige sowohl im Semifinale, als auch im Hauptwettkampf am Sonntag das Tempo an der Spitze mitschwimmen. Auch die wenige Monate jüngere Anja Knapp, ohnehin als gute Schwimmerin bekannt, konnte in Tiszaújváros in der Spitzengruppe mithalten, Sarah Fladung verlor nur wenige Sekunden. Als einzige der vier DTU-Damen, die sich in den Halbfinals alle für den Finallauf qualifiziert hatten, musste Hanna Philippin auf den 750 Auftakt-Metern Lehrgeld zahlen: Knapp eine Minute verlor sie dort auf die Spitze. Ein Rückstand, den sie trotz einer engagierten Leistung auf dem Rad gemeinsam mit drei Begleiterinnen bis zum zweiten Wechsel nicht mehr wettmachen konnte.

Gentle legt zwei Gänge zu

Alle anderen 21 für das Finale qualifizierten Athletinnen hatten sich nach wenigen Kilometern in einer Gruppe an der Spitze zusammengefunden und blieben dort. Erst auf der Laufstrecke rissen zwei aus: Erwartungsgemäß war es die junge Australierin Ashleigh Gentle, die sich mit dem zweiten Wechsel vom Feld absetzte, etwas überraschend dagegen die 22-jährige Niederländerin Maaike Caelers, die ihr bis ins Ziel auf den Fersen blieb und sich der Australierin erst im Schlussspurt geschlagen geben musste. Während Gentle mit ihrer Laufzeit von 16:49 Minuten - 40 Sekunden schneller als im Halbfinale - bewies, dass unter Umständen vor allem die läuferisch ohnhein überlegenen Athleten von dem Qualifikationsmodus profitieren, lief Rebecca Robisch mit fast auf die Sekunde gleicher Laufzeit wie tags zuvor auf einen starken sechsten Platz. Sogar noch einen Rang vor ihr: Anja Knapp, die sich im Halbfinale beim Laufen etwas zurückgehalten und so einige Körner gespart hatte. Zwei starke Ergebnisse für die beiden jungen Deutschen, und doch mit einem kleinen Wermutstropfen: Um über 15 Sekunden waren die beiden Erstplatzierten nach dem Schwimmen abgeschlagen - eine gute Chance, die favorisierte Ashleigh Gentle abzuschütteln, die die Führungsgruppe aber nicht konsequent genug wahrgenommen hatte.
Weltcup Tiszaújváros Finale | Frauen
15. Juli 2012, Tiszaújváros
NameNationGesamt750 m Swim20 km Bike5 km Run
1Ashleigh GentleAUS58:3910:0630:2216:48
2Maaike CaelersNED58:429:5630:3216:51
3Annamaria MazzettiITA59:189:4530:3817:28
4Charlotte McShaneAUS59:249:4530:4017:33
5Anja KnappGER59:309:3730:4817:41
6Rebecca RobischGER59:319:4030:4617:43
7Arina ShulginaRUS59:3210:0030:3317:36
8Inna RyzhykhUKR59:449:4630:3717:57
9Zsofia KovacsHUN59:469:5730:3417:55
10Helle FrederiksenDEN59:599:3530:4918:05
15Sarah FladungGER1:00:239:5330:3818:24
24Hanna PhilippinGER1:01:1310:3130:1019:02

Verzbicas und Buchholz abgehängt

Wie das besser geht, zeigten wenige Minuten nach den Frauen die Männer. Der 22-Jährige Stefan Zachäus und Gregor Buchholz hatten sich dort am Vortag für den Finalwettkampf am Sonntag qualifiziert, außerdem auch der 19-jährige US-Amerikaner Lukas Verzbicas, der schon jetzt einer der schnellsten Läufer im Triathlon ist - der aber auch noch eine Schwäche beim Schwimmen hat. Eine, die die Konkurrenz nutzen wollte.
Schon vorher hatten die starken Schwimmer aus Frankreich und Russland angekündigt, sich beim Schwimmen und auf dem Rad der starken Läufer entledigen zu wollen. 30 Sekunden brummten die zehn Männer an der Spitze, unter ihnen auch der Deutsche Zachäus, dem Amerikaner Verzbicas und Buchholz beim Schwimmen auf - und setzten, anders als die Frauen, auch auf dem Rad nach. Auf über eine Minute bauten sie den Vorsprung bis zum zweiten Wechsel auf. Genug, um Verzbicas aus dem Rennen um den zweiten Sieg bei seinem zweiten Weltcupstart zu bringen.

"Die Runde geht an die Schwimmer"

Denn den machten am Tag nach dem französischen Nationalfeiertag drei Franzosen unter sich aus: Der 22-Jährige Pierre le Corre setzte sich am Ende um einige Sekunden von seinem zwei Jahre älteren Landsmann Aurelien Raphael und dem 21-Jährigen Anthony Pujades ab. Lukas Verzbicas lief in Tagesbestzeit noch bis auf den sechsten Platz nach vorn, Gregor Buchholz lief ebenfalls gut und sicherte sich den 14. Platz hinter Stefan Zachäus, der den starken elften Rang ins Ziel rettete. "Die Runde ging an die Schwimmer", erklärte Buchholz danach enttäuscht über Twitter, "ich habe alles gegeben, aber es sollte nicht sein." Bis auf den Italiener Davide Uccellari und den Franzosen Gregory Rouault hätte ihn niemand in der Verfolgergruppe bei der Nachführarbeit unterstützt. "Ich bin dankbar für die Lerneffekte, die ich aus all meinen kleinen Fehlern ziehe", zeigte sich dagegen Verzbicas optimistisch. "Ich komme näher."
Weltcup Tiszaújváros Finale | Männer
15. Juli 2012, Tiszaújváros
NameNationGesamt750 m Swim20 km Bike5 km Run
1Pierre le CorreFRA51:548:3626:3415:24
2Aurelien RaphaelFRA52:058:2926:3715:35
3Anthony PujadesFRA52:108:3426:3715:40
4Ryan FisherAUS52:178:4426:2915:46
5Igor PolyanskiyRUS52:198:3526:3515:48
6Lukas VerzbicasUSA52:219:0827:1014:42
7Gregory RouaultFRA52:249:0127:1714:45
8Andrey BryukhankovRUS52:298:3526:3615:53
9Balazs PocsaiHUN52:348:4326:3016:02
10Dan WilsonAUS52:378:3726:3116:08
11Stefan ZachäusGER52:388:3926:3216:09
14Gregor BuchholzGER52:549:0627:1515:27