Jonathan Zipf

Fabian Fiedler

Jonathan Zipf
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Road to Rio Löschke und Zipf auf Punktejagd: Ausrutscher verboten

Kurzstrecke | 18. Februar 2016
Um noch den Spätzug zu den Olympischen Spielen zu erwischen, muss bei Jonathan Zipf und Franz Löschke fast alles klappen: Nachdem sie in den vergangenen Jahren kaum Punkte in Rennen der International Triathlon Union sammelten, touren sie nun auf der Jagd nach Zählern um die Welt. Am Wochenende machen sie Station in Simbabwe und Australien.
Das System der International Triathlon Union soll auf Fairness ausgelegt sein und auch Athleten aus schwächeren Nationen Chancen auf Startplätze bieten - doch dieses System hat auch seine Tücken: Startplätze werden bei Rennen der International Triathlon Union nämlich vorrangig über die ITU Points List vergeben. Bis zu zwölf Ergebnisse aus zwei Jahren zählen in diese Liste herein, über die sich die Sportler langsam nach oben arbeiten müssen. Den Auftakt ihrer ITU-Karrieren machen Athleten meist bei kleinen Kontinentalcups, bevor Starts bei Kontinentalmeisterschaften oder gar Weltcups folgen können. Am oberen Ende der Nahrungskette thront die World Triathlon Series, wo bis zu 60 Athleten jedes Geschlechts in einem Rennen starten dürfen. "Im System der ITU muss man sich vom Dorf über die Stadt in die Metropole vorkämpfen", hat es einmal der frühere Kurzdistanz-Athlet Nils Frommhold beschrieben. Das zehrt an den Kräften. Und es kann grausam sein.

Die Konten sind blank

Denn wer einmal draußen ist aus diesem komplex anmutenden Punktesystem, der kommt so schnell auch nicht mehr auf die höchste Ebene. Jonathan Zipf und Franz Löschke machen diese Erfahrung gerade. Der Deutsche Meister von 2013, Zipf, stand mit einer rätselhaften Knieverletzung am Rande der Sportinvalidität und konnte deshalb in den vergangenen beiden Jahren keine Zähler sammeln. Löschke hatte dazu einige Chancen, doch ließ sie wegen gesundheitlicher Probleme und daraus resultierender Formschwächen meist ungenutzt. Nun sind die Punktekonten der beiden Deutschen beinahe blank - und irgendwie müssen sie es doch möglichst schnell in die World Triathlon Series schaffen. Denn Mitte Mai haben sie dort die letzte Chance, sich ihren Traum von der Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro zu erfüllen. Nun beginnen sie ihre Reise mit ungewissem Ausgang also wieder in den Dörfern der ITU und wollen es binnen wenigen Wochen zurück in die Metropolen schaffen.
Zipfs Weg ist noch etwas länger als der von Löschke, deshalb hat er die Reise bereits mit ersten Wettkämpfen in Herbst und Winter angetreten. Die ersten Erfolge hat er schon verbucht: Seinen Startplatz beim Weltcup in Mooloolaba Mitte März hat der Deutsche sicher, ebenso wie Löschke, der bei der Vergabe der Startplätze für dieses Rennen von seinen verbliebenen Zählern aus den schwachen letzten Jahren zehrte. Beide kommen nun auf etwas mehr als 700 Punkte in der ITU-Points-List - für einen Startplatz im ersten Rennen der World Triathlon Series in Abu Dhabi hätten sie rund 1.200 Zähler benötigt. 500 Punkte sichert sich der Sieger des Weltcups in Mooloolaba, für das Rennen haben aber auch beispielsweise Weltmeister Javier Gómez und Vizeweltmeister Mario Mola (beide ESP) gemeldet. Deshalb brauchen Zipf und Löschke Absicherungen. Die suchen sie beide an diesem Wochenende, wenn auch auf unterschiedlichen Wegen.

Simbabwe und Devonport

Denn während Löschke schon jetzt die Reise nach Australien angetreten hat und beim Ozeaniencup in Devonport um Punkte kämpfen wird, hat es Zipf nach Troutbeck in Simbabwe gezogen, wo er sein Glück beim Africa-Cup versuchen wird. In beiden Rennen gibt es im Falle eines Sieges 200 Zähler zu holen. Somit hat Zipf, die Reisestrapazen außer Acht gelassen, möglicherweise die bessere Wahl getroffen, denn die Aussicht auf einen Sieg scheint in Afrika besser: Außer dem für die Türkei startenden Niedersachsen Jonas Schomburg und dem Luxemburger Bob Haller haben keine namhaften Athleten für den Wettkampf gemeldet, die beiden deutschsprachigen Konkurrenten sind zumindest läuferisch im Normalfall nicht auf Augenhöhe mit Zipf. Löschke muss sich dagegen mit einer ganzen Armada ambitionierter Australier herumschlagen: Drew Box, Matthew Baker, Declan Wilson, Cameron Good und auch der Ire Benjamin Shaw werden für Löschke früh in der Saison echte Gradmesser darstellen. Bis auf etwas mehr als 900 Punkte könnten Löschke und Zipf ihre Punktekonten am Wochenende also füllen - und es nach dem Weltcuprennen in Mooloolaba Mitte März möglicherweise wieder auf die WM-Serien-Startlisten schaffen.
Dafür muss bei Zipf und Löschke nun aber jeder Schuss sitzen - Ausrutscher sind verboten. Denn wenn das Unternehmen schief geht, bleiben den Deutschen nur noch zwei kleine Hoffnungsschimmer: Qualifiziert sich einer ihrer nationalen Konkurrenten Steffen Justus, Gregor Buchholz und Justus Nieschlag bereits frühzeitig, also beim WM-Rennen in Abu Dhabi, könnten dessen WM-Serien-Startplatz beim zweiten und dritten Qualifikationsrennen in Gold Coast und Yokohama durch die DTU zugunsten eines anderen Deutschen getauscht werden. Ihre zweite Chance bestünde darin, dass sich nicht genug Deutsche über die Qualifkationskriterien von DTU und DOSB für die Olympischen Spiele qualifizieren. Dann könnte die Deutsche Triathlon Union dem Deutschen Olympischen Sportbund einen Athleten zur Nominierung vorschlagen - was wenn, dann wohl eher Zipf in die Karten spielen würde, da Löschke seinen Kaderstatus in diesem Jahr verloren hatte. Das allerdings wären tatsächlich die letzten olympischen Strohhalme, nach denen Zipf und Löschke noch greifen könnten, wenn ihnen die Punktejagd misslingt.

Ein von Jonathan Zipf (@johnnyzipf) gepostetes Video am

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