Machen, nicht denken

Für die deutschen Olympia-Anwärter wird es ernst: In Abu Dhabi geht es am Wochenende gleich um die Olympiaqualifikation. Eine schwierige Aufgabe - nicht nur sportlich, sondern auch mental: "Ich will mich qualifizieren, darf aber nicht an die Qualifikation denken", erklärt Gregor Buchholz in seinem Blog.

Von > | 4. März 2016 | Aus: Szene

DTU-Kader in Bitburg 2015 - 02 | DTU-Kader in Bitburg 2015 - 02

DTU-Kader in der Bitburger Brauerei

Foto > Bitburger/funkbild

Die "Trainingssaison" neigt sich dem Ende entgegen, am Wochenende wird es ernst: In Abu Dhabi geht es für uns im deutschen Team gleich in die Vollen. Bei der Saisoneröffnung in der World Triathlon Series können wir mit einer Platzierung unter den besten Acht gleich das Olympiaticket lösen. Und das wollen wir alle.

Qualifizieren, nicht denken

Nach meinem Mallorca-Camp mit meiner internationalen Trainingsgruppe im Februar bin ich zunächst für einen zweitägigen Abstecher nach Deutschland geflogen, um mein Gepäck durch das nötige Wettkampfequipment zu ergänzen. Das braucht eine ordentliche Planung. Schließlich geht es für mich nicht nur zum Rennen nach Abu Dhabi, sondern nach dem Wettkampf direkt weiter nach Australien, wo dann die nächsten Trainingseinheiten und Rennen warten. Denn vier Wochen nach Abu Dhabi gibt es an der Gold Coast beim zweiten Rennen der World Triathlon Series auch die zweite Qualifikationschance.

Schwierige Aufgabe: Ich weiß zwar, dass es weitere Chancen gibt - versuche aber, es auszublenden. Denn momentan habe ich nur Abu Dhabi im Blick. Zu gerne würde ich schon am Samstag "den Sack zumachen". Ich bin gut durch den Winter gekommen und brauche mich sicherlich nicht zu verstecken.

Natürlich habe ich mir die Startliste genau angeschaut und habe über die letzten Jahre hinweg die Stärken und Schwächen meiner Konkurrenten kennengelernt. Einige Hochkaräter, wie die Brownlee-Brüder oder Javier Gomez, werden am Wochenende nicht am Start stehen, weshalb viele Athleten und Experten die vorderen Radgruppen geschwächt sehen. Zu diesen vorderen Gruppen habe ich in der Vergangenheit selten gehört - meistens musste ich auf dem Rad zunächst einem Rückstand hinterherjagen. Mir käme eine große, geschlossene Radgruppe mit einer anschließenden Laufentscheidung auf den zehn Kilometern daher natürlich sehr entgegen. Solche Gedanken hört mein Trainer Joel Filliol allerdings nicht so gerne: "Du hast das Zeug für die Top 8! Aber das haben zwanzig andere Athleten auch. Also verschwende keine Energie damit über Dinge nachzudenken, die du nicht beeinflussen kannst", sagte er mir. "Mach deinen Job im Wettkampf und behalte den gesamten Zeitraum bis zum letzten Qualifikationsrennen in Yokohama im Blick."

Also qualifizieren, nicht an die Qualifikation denken. Ungefähr so könnte man das beschreiben.

Der Hoteltourist

Nun bin ich mitten in der Taperphase. Die Einheiten und die Intensitäten, die wir noch trainieren, werden deutlich kürzer. Der Tagesrhythmus aber bleibt ganz normal bestehen, ich trainiere also auch weiterhin etwa drei Mal täglich. Der Körper soll sich erholen, dabei aber nicht im Bett versacken - der Wettkampf soll sich in den typischen Wochenrhythmus eingliedern und nicht "passiv erwartet" werden.

Freunde und Verwandte beneiden mich nicht nur in dieser Taperphase immer wieder um die Orte, die ich als Athlet in der World Triathlon Series bereisen darf. Zur Ehrlichkeit gehört es aber, zu sagen, dass meine touristischen Aktivitäten meist auf einen Kaffee in der Hotellobby begrenzt sind - auch wenn dieses Hotel in Abu Dhabi diesmal besonders beeindruckend ist. Vor dem Wettkampf betrachte ich die Stadt mit ganz anderen Augen, und gerade Großstädte im Ausland stellen einen immer vor besondere Herausforderungen. Während die „normalen“ Hotelgäste in Abu Dhabi nach den Spots zum Sightseeing suchen, geht es bei mir immer um die Suche nach den besten Trainingsspots. Extra-Taxifahrten zum Schwimmbad sind da noch das kleinste Problem - das Rad- und Lauftraining erfordern in der städtischen Umgebung schon mehr Flexibilität. Da wird auch ein kleiner Rundkurs auf dem Rad gerne genutzt, wenn er verkehrsarm ist. Auch wenn man ihn in binnen einer Stunde 10 bis 15 Mal passiert.

Und etwas Exotik gibt es dann doch: Während ich im Hotel sitze und den Blog schreibe, ruft draußen der Muezzin zum Nachmittagsgebet. Das erinnert mich daran, dass ich noch ein kurzes Training auf dem Rad vor mir habe. Die Zeit bis Samstag scheint zu verfliegen. Aber das hat auch sein Gutes: Morgen Nachmittag schon weiß ich, wo ich stehe!

Bis dahin, beste Grüße aus Abu Dhabi!