Mario Mola setzt das erste Ausrufezeichen

In der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele hat Mario Mola das erste dicke Ausrufezeichen gesetzt: In Abu Dhabi konnte den spanischen Vizeweltmeister nicht einmal eine Zeitstrafe auf dem Weg zum Sieg aufhalten. Die deutschen Männer enttäuschten und verpassten die Olympiaqualifikation.

von | 5. März 2016 | Aus: Szene

Mario Mola

Mario Mola gewinnt den WM-Auftakt in Abu Dhabi

Foto > Janos Schmidt / ITU

Zwei Schwimmkappen wären für ihn beinahe eine zu viel gewesen. Denn als Mario Mola beim Auftaktrennen um die World Triathlon Series 2016 in Abu Dhabi nach 1,5 Schwimmkilometern in die Wechselzone eilte, hatte er es eilig: Der amtierende Vizeweltmeister hatte im Wasser einen schwachen Tag erwischt und lag mit fast 40 Sekunden Rückstand auf Spitzenschwimmer Henri Schoeman (RSA) im hinteren Teil des Feldes. Die schnellen Schwimmer waren längst weg, es musste also schnell gehen, wollte er auf dem Rad noch eine gute Verfolgergruppe erwischen. Mola zog sich schnell die Badekappen und Schwimmbrille vom Kopf, da merkte er schon, dass etwas nicht stimmte. "Ich hatte das Gefühl, dass ich nur eine Badekappe in der Hand hatte, als ich die Schwimmutensilien in die Box warf", erklärte Mola später im Ziel. Und tatsächlich: Eine seiner Kappen war neben die Box gefallen - verboten. Doch Zeit zum Umschauen war in der Hektik nicht mehr. Das Resultat war eine 15-sekündige Zeitstrafe, die der Spanier auf der Laufstrecke zu verbüßen hatte.

"Wer hier mal eben zehn Sekunden rausläuft..."

Jedem anderen Athleten mit Siegambitionen im Feld hätte das möglicherweise das Genick gebrochen, zumindest die Siegchancen wären damit dahin gewesen - doch nicht so bei Mario Mola. Der nutzte diese Gelegenheit, um in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in etwas mehr als fünf Monaten auf beeindruckende Art und Weise zu unterstreichen, dass man ihn auf dem Zettel haben muss, wenn es in Rio de Janeiro um die Goldmedaille geht. Denn erst sorgte der Spanier in seiner Verfolgerrolle und trotz der lange Zeit entschlossenen Gegenwehr von zwölf Ausreißern wesentlich mit dafür, dass sich auf der Radstrecke binnen der ersten etwas mehr als 20 von 40 Radkilometern ein großes Hauptfeld aus fast 60 Sportlern bildete, zu denen alle Favoriten auf Top-Platzierungen gehörten - darunter auch der Deutsche Steffen Justus. Dann legte Mola auf der Laufstrecke noch einen nach.

Denn beim zweiten Wechsel verlor der Spanier zwar zunächst sechs Sekunden auf seinen Trainingskollegen und vermeintlichen Hauptkonkurrenten Richard Murray (RSA), doch der Spanier schloss diese Lücke zum Südafrikaner binnen weniger hundert Meter. Und damit nicht genug: Nach rund einem Kilometer attackierte Mola die Spitzengruppe um Murray, Fernando Alarza (ESP) und Joao Silva (POR) gar und löste sich schnell um rund 10 Sekunden von seinen Konkurrenten. "Wer die Luft hat, in diesem Feld mal eben zehn Sekunden rauszulaufen...", twitterte auch Olympiasieger Jan Frodeno vor dem Fernsehbildschirm ungläubig. Als dieses Polster nicht mehr wachsen wollte, bog Mola nach fünf Kilometern in die Penalty-Box ab, wo er seine Zeitstrafe verbüßte und startete wenige Sekunden hinter seinen Konkurrenten wieder auf die Laufstrecke. Er schloss schnell zu ihnen auf - und setzte in der Hitze von Abu Dhabi gleich die nächste Attacke, mit der er sich entscheidend von seinen Konkurrenten lösten.

Deutsche Männer enttäuschen

Richard Murray schloss einen Kilometer vor dem Ziel zwar noch einmal zum Spanier auf, der aber erwiderte die Gegenwehr des Südafrikaners scheinbar spielerisch mit einer weiteren Tempoverschärfung und rannte dem sicheren Sieg im ersten Saisonrennen entgegen. Richard Murray wurde hinter Mola Zweiter und gestand im Ziel, "dass ich eigentlich schon nach fünf Kilometern vollkommen platt war." Trotzdem verteidigte er souverän die Silbermedaille vor dem Portugiesen Joao Silva.

Steffen Justus

Steffen Justus lief seinen Ansprüchen in Abu Dhabi weit hinterher

Foto > Jo Kleindl / DTU

Einen schlechten Tag erlebten in Abu Dhabi die deutschen Männer, die sich mit Platzierungen unter den ersten Acht für die Olympischen Spiele hätten qualifizieren können: Justus Nieschlag verpasste nach dem Schwimmen knapp den Sprung in eine zwölf Mann große Spitzengruppe und fiel beim Radfahren weit zurück. Er fand sich nach einem Sturz in einer kleinen Gruppe mit Gregor Buchholz wieder, die rund vier Minuten hinter dem Hauptfeld und somit ohne jede Aussicht auf die Olympiaqualifikation auf die zehn Laufkilometer wechselte. Nur Steffen Justus schaffte den Sprung in das Hauptfeld: Er war neun Sekunden schneller geschwommen als Buchholz, wodurch er es, anders als sein Teamkollege, noch an die Hinterräder der Verfolgergruppe schaffte und auf dem Rad viel Arbeit im erfolgreichen Kampf um den Zusammenschluss mit der Spitze leistete. Auf der Laufstrecke erwischte Justus aber einen schlechten Tag, verlor kontinuierlich Zeit und landete am Ende drei Minuten hinter Mario Mola auf dem 36. Platz. Die nächste Chance zur Qualifikation für die Olympischen Spiele haben die deutschen Männer im April in Australien (Gold Coast).

World Triathlon Series Abu Dhabi

5. März 2016, Abu Dhabi

Name Nation Gesamt 1,5 km Swim 40 km Bike 10 km Run

1

Mario Mola

ESP

1:46:39

18:45

56:31

30:48

2

Richard Murray

RSA

1:46:54

18:40

56:33

31:09

3

Joao Silva

POR

1:47:08

18:42

56:32

31:12

4

Fernando Alarza

ESP

1:47:17

18:25

56:52

31:20

5

Crisanto Grajales

MEX

1:47:27

18:42

56:33

31:36

6

Dmitry Polyanskiy

RUS

1:47:32

18:15

57:02

31:36

7

Ryan Sissons

NZL

1:47:40

18:40

56:28

31:48

8

Ryan Bailie

AUS

1:47:42

18:18

56:26

31:49

9

Kyle Jones

CAN

1:47:44

18:52

56:26

31:46

10

Tyler Mislawchuk

CAN

1:47:47

18:27

56:51

31:54

36

Steffen Justus

GER

1:49:33

18:51

56:19

33:42

DNF

Justus Nieschlag

GER

18:31

1:01:43

DNF

Gregor Buchholz

GER

19:00

1:01:11

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