Agegroup-WM Medaillengewinner gibt Betrug zu

Kurzstrecke | 6. September 2009
Der Zweitplatzierte der Triathlon-WM in der Altersklasse 70, Jürgen Broders, muss seine Medaille zurückgeben. Der Fehmarner hat gegenüber triathlon zugegeben, im Rennen über die olympische Distanz Rad- und Laufstrecke abgekürzt zu haben.
Bereits seit einigen Tagen kursierten Informationen, das Klassement der Altersklassen-WM müsse revidiert werden, Hinweise aus Athletenkreisen und Auffälligkeiten in den Zeitnahmeprotokollen hätten dabei den Verdacht auf Broders gelenkt. Im Telefongespräch mit triathlon gab der 70-Jährige am Nachmittag zu, das Radrennen abgekürzt zu haben, weil er von seiner Leistung auf der ersten der beiden zu fahrenden Runden "sehr enttäuscht gewesen" sei. "Ich wollte die 40 Kilometer eigentlich in 1:06 Stunden fahren. Als ich gemerkt habe, dass ich das nicht schaffen kann, bin ich nach der ersten Runde in die Wechselzone gefahren  und auf die Laufstrecke gegangen", gab Broders zu. Dort habe er dann bereits am Wendepunkt der parallel stattfindenen Sprintwettkämpfe (nach 2,5 Kilometern) umgedreht und den Weg Richtung Ziel eingeschlagen. "Ich habe zwei Jahre darauf hingearbeitet, Weltmeister zu werden. Es war eine große Dummheit, am Abend bei der Siegerehrung die Medaille in Empfang zu nehmen", so Broders.

Fehlendes Unrechtsbewusstsein

Dass gleichwohl erst die Nachforschungen des Seniorenbeauftragten des Bayerischen Triathlonverbands, Gerhard Müller, zu dieser Einsicht führten, zeigt ein Bericht des Fehrmarnschen Tageblatts, der nach Auskunft der dortigen Redaktion auf Broders Eigeninitiative hin zustande kam. „Ganz ehrlich: Als ich nach Hamburg fuhr, wollte ich Weltmeister werden. Im Nachhinein aber überwiegt die Freude über den zweiten Platz“, lässt sich der Petersdorfer dort am 4. September, zwei Tage nach der Weltmeisterschaft, nämlich noch zitieren.

Auffälligkeiten auch in der Vergangenheit

Dass Broders Auftritt bei der WM von Kennern der deutschen Agegroup-Szene offenbar bereits mit einer gewissen Argwohn beobachtet wurde - Angehörige von Altersklassen-Konkurrenten sollen bereits kurz nach dem Rennen einen Betrugsverdacht geäußert haben - mag auch in der sportlichen Vergangenheit liegen. Die Ergebnisliste des Hamburg City Man aus dem Jahr 2004 weist für den damals 67-jährigen Broders eine Endzeit von 2:25 Stunden aus, für die 40 Radkilometer stehen 1:02:40 Stunden, für die 10.000-Meter-Laufdistanz beachtliche 38:46 Minuten zu Buche.
Die Deutsche Triathlon Union will nun sportrechtliche Ermittlungen gegen Broders einleiten. Der 70-Jährige muss danach nicht nur mit der Aberkennung seiner Silbermedaille, sondern auch mit einem mehrjährigen Startverbot rechnen.