Mission WM-Titel: Haug auf Goldkurs

"Ladies first" heißt es am kommenden Wochenende beim ITU World Triathlon Hamburg. Zum ersten Mal seit vielen Jahren geht eine deutsche Triathletin als Topfavoritin auf den Sieg in der Hansestadt an den Start. Sollte Anne Haug das Kunststück gelingen, wäre der erste WM-Titel in greifbarer Nähe. Die Voraussetzungen dafür sind glänzend.

Von > | 19. Juli 2013 | Aus: SZENE

WTS Madrid_12 | Als Jorgensen in ihre Gruppe zurückfällt, attackiert auch die Deutsche. Nur Paula Findlay kann folgen.

Als Jorgensen in ihre Gruppe zurückfällt, attackiert auch die Deutsche. Nur Paula Findlay kann folgen.

Foto >Janos Schmidt / triathlon.org

Schon im September könnte Anne Haug könnte auf dem Olympiakurs von London in die Fußstapfen von Daniel Unger treten. Vor dem dem sechsten Rennen der ITU World Triathlon Series hat die 30-Jährige fast alle Trümpfe in der Hand. Bei ihren vier Starts sammelte sie 2.858 Punkte und damit 102 mehr als die Britin Jodie Stimpson, die genau wie Haug in dieser Saison schon drei Mal auf dem Podium stand. In Hamburg verpasste Haug 2012 den Podestplatz nur um wenige Meter - schafft sie es dieses Mal unter besten drei, am besten vor Stimpson und Gwen Jorgensen, würde das ihre Ausgangsposition für das Grand Final am 8. und 9. September um ein Vielfaches verbessern.

Haug und Bazlen: Attackieren statt taktieren

In die Karten schauen lassen, wollte sich bei der Auftaktpressekonferenz in der Hamburger Handelskammer am Donnerstag traditionell keine der Favoritinnen. Jede will das Beste geben und dann schauen, welche Platzierung dabei herauskommt. Nichts Neues also. "Gwen ist die beste Läuferin", sagte Anne Haug und versuchte damit wohl ein wenig, der US-Amerikanerin die Favoritenbürde aufzudrücken. Doch Jorgensen hat keine besonders guten Erinnerungen an Hamburg - 2011 wurde sie abgeschlagen 27. Zudem könnte die noch relativ unerfahrene 27-Jährige aus Wisconsin auf dem zwar flachen, aber durch seine engen Kehren und Kurven technisch anspruchsvollen, 4-Runden-Kurs durch die Innenstadt Probleme bekommen, wenn an der Spitze angegriffen wird. Genau diese Option könnte Haug - einen möglichst kleinen Rückstand nach dem Schwimmen vorausgesetzt - ziehen. Nach dem Motto: Hauptsache die Hauptkonkurrentin bekommt möglichst wenige Punkte. Sollte sie dies tatsächlich vorhaben, hätte Haug in Svenja Bazlen den perfekten Joker. Die Tübingerin verabschiedete sich zwar nach den Olympischen Spielen aus dem ITU-Tross, kehrt auf Einladung des Verbands aber für ihr Heimrennen noch einmal zurück. Sie ist trotz Trainingsumstellung auf die Langdistanz eine der stärksten Radfahrerinnen unter den 65 Athletinnen und könnte gemeinsam mit Haug im Feld für Unruhe sorgen und es möglicherweise auch auseinanderreißen. Damit würde das Duo auch Stimpsons Landsfrau Non Stanford, die Australierin Emma Moffatt und Maaike Caelers aus den Niederlanden in Zugzwang bringen. Allen dreien fehlt nämlich noch mindestens ein Topergebnis, um überhaupt noch eine Chance zu haben, in den Titelkampf einzugreifen. Haug und Stimpson, die zudem gemeinsam trainieren - haben ihr Soll dagegen schon erfüllt.

Insgesamt sechs deutsche Frauen schickt DTU-Cheftrainer Ralf Ebli am Samstagnachmittag (Start: 15:51 Uhr, live in der ARD) am Alsteranleger ins Rennen. Damit hat er das Kontingent voll ausgeschöpft. Neben Haug und Bazlen nominierte Ebli Anja Knapp, die zuletzt formstarke Rebecca Robisch, Altmeisterin und Hamburg-Legende Anja Dittmer und die beiden Nachwuchsathletinnen Hanna Philippin und Lisa Sieburger. Auf der Pressekonferenz sprach der Coach bei den Frauen von einem "Übergangsjahr". "Wir möchten vor allem den jüngeren ein bisschen Futter hinwerfen, um sie weiter zu motivieren.", so Ebli. Und wo, wenn nicht in Hamburg, sollte es für Philippin und Sieburger mehr zu lernen geben.