Überraschung Nicola Spirig ist Europameisterin

Kurzstrecke | 9. Juli 2009
Die Schweizerin Nicola Spirig hat sich bei der Europameisterschaft in Holten überraschend gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Hinter der Zweitplatzierten Elizabeth May holte die Weltmeisterin von 2007, Vanessa Fernandes, Bronze. Beste Deutsche war Svenja Bazlen.
Macht der Prüfungsstress eines fast beendeten Jura-Studiums schnell? Wie sich später herausstellte, scheint das zumindest für das Frauenrennen der Europameisterschaften zuzutreffen: Sowohl Nicola Spirig aus der Schweiz als auch die Luxemburgerin Elizabeth May studieren Rechtswissenschaften. Beide mussten das Training aufgrund ihrer Abschlussprüfungen in den vergangenen Monaten vernachlässigen – und beide standen am Ende bei der Siegerehrung mit Medaillen um den Hals auf dem Podest. „Ich bin mit keinerlei Erwartungen hierher gekommen, weil ich in letzter Zeit nur halb so viel trainiert habe, um zu lernen“, konnte Spirig ihren Sieg kaum fassen. „Ich habe mich die ganze Zeit über sehr, sehr gut gefühlt und das Rennen bis zum Schluss einfach genossen.“

Gescheiterter Fluchtversuch von Ryf und Harrison

Begonnen hatte dieses Rennen mit einem Schwimmpart, dessen Ergebnis zunächst den Eindruck erwecken konnte, die Entscheidung sei vielleicht schon gefallen: Mit Jessica Harrison aus Frankreich und der Schweizerin Daniela Ryf hatten sich nach dem zweiten Wechsel die absoluten Topfavoritinnen deutlich vom Feld absetzen können. Gemeinsam versuchten sie auf der Radstrecke, dem Feld zu enteilen – doch dann übernahm darin unter anderem eine die Tempoarbeit, die in dieser Saison bisher noch nicht wie gewohnt mit Topleistungen überzeugen konnte: Vanessa Fernandes aus Portugal. Die Vorjahressiegerin stellte die beiden enteilten Konkurrentinnen zusammen mit Nicola Spirig und Hollie Avil aus Großbritannien nach einigen Kilometern und es bildete sich eine 24-köpfige Spitzengruppe, in der sich auch noch Lisa Norden, die schwedische Vorjahresdritte, sowie die beiden Deutschen Svenja Bazlen und Alena Stawczynski befanden.
Dass nach dem Radfahren eine Schweizerin nach vorn stürmen würde, damit hatte man ja gerechnet. Es war jedoch nicht Ryf, die nach dem zweiten Wechsel an die Spitze vorrückte, sondern Spirig. Gejagt von Fernandes und Elizabeth May sowie, mit etwas mehr Abstand, Norden, Avil, Ryf und Melanie Annaheim, ebenfalls im Trikot der Schweiz. Doch statt sich von der schnellen Portugiesin in ihrem Nacken verunsichern zu lassen, baute Spirig ihren Vorsprung von Runde zu Runde weiter aus. Auch eine weitere Tempoverschärfung von Fernandes, die Norden den Anschluss verlieren ließ und auch May zwischenzeitlich aus dem Rhythmus brachte, änderte am Ausgang des Rennens nichts mehr: Nachdem sie die zehn Kilometer durch Holten in starken 34:16 Minuten zurückgelegt hatte, lief Spirig mit der Schweizer Flagge in den Händen als neue Europameisterin über die Ziellinie. Fast eine Minute lang hatte sie Zeit, sich im Ziel feiern zu lassen, bis May, die Fernandes auf der letzten Runde doch noch auf den Bronzeplatz verweisen konnte, über Platz zwei jubelte und darüber fast glücklicher schien als die Siegerin selbst.

"Eigentlich wollte ich heute nur in die Top-Ten"

Bazlen und Fladung kamen zwar mit deutlichem Rückstand ins Ziel, waren mit ihrem Rennen aber dennoch zufrieden. „Ich habe mich im Wasser von der zweiten in die erste Gruppe vorgearbeitet“, so Bazlen über den Rennverlauf. „Das Laufen war dann aufgrund der Hitze zum Schluss noch einmal sehr hart.“ Fladung haderte vor allem mit ihrer Schwimmleistung, deren Folgen sie bis ins Ziel bitter zu spüren bekam: „Dass ich so langsam war, habe ich eigentlich erst gemerkt, als ich in der Wechselzone die wenigen Fahrräder sah, die da noch standen. Keine Ahnung, was los war.“ So war sie in eine Radgruppe geraten, „in der nicht alle mitgearbeitet haben“. „Aber beim Laufen habe ich mich wieder sehr gut gefühlt.“ In noch besserer Verfassung als erwartet fühlte sich die Silbermedaillengewinnerin May: „Ich habe noch nicht oft bei internationalen Rennen auf dem Treppchen gestanden und wollte heute eigentlich nur in die Top-Ten. Der zweite Platz war deshalb auch für mich eine große Überraschung, ich freue mich riesig.“
ETU Triathlon European Championships 2009
2.-5. Juli 2009, Holten (Niederlande)
1,5 km Swim40 km Bike10 km RunGesamt
1Nicola SpirigSUI19:131:01:3234:161:55:42
2Elizabeth MayLUX19:091:01:3834:431:56:10
3Vanessa FernandesPOR19:141:01:3335:051:56:32
4Lisa NordenSWE19:141:01:3135:341:57:00
5Daniela RyfSUI19:041:01:4235:501:57:15
6Hollie AvilGBR19:141:01:2735:571:57:22
7Melanie AnnaheimSUI19:161:01:3436:061:57:35
8Irina AbysovaRUS19:071:01:5035:571:57:35
9Helle FrederiksenDEN19:141:01:3136:091:57:36
10Lisa MensinkNED19:141:01:3136:091:57:46
...
15Svenja BazlenGER19:081:01:3736:191:58:49
19Kate AllenAUT19:441:04:1234:531:59:31
26Sarah FladungGER20:141:04:2137:362:02:54
29Alena StawczynskiGER19:151:01:3042:592:04:27
31Irina KirchlerAUT20:201:04:1439:242:04:41