Non Stanford: "Ich will Olympia-Gold"

Gwen Jorgensen hat in diesem Jahr überall gewonnen, wo sie am Start stand. Auch für die Weltmeisterin des Jahres 2013, die Waliserin Non Stanford, war kein Ankommen gegen die US-Amerikanerin. "Gwen ist sensationell", sagt sie. "Aber bei den Olympischen Spielen will ich selbst Gold holen."

Von > | 14. Januar 2016 | Aus: Szene

Rio de Janeiro | Rio de Janeiro

Mit vorsichtiger Renndosierung zurück zu alter Stärke: Non Stanford und Vicky Holland

Foto > Wagner Araujo / triathlon.org

Der März war für die Waliserin Non Stanford in den vergangenen Jahren so etwas wie ein Schicksalsmonat: Im März 2013 startete sie bei einem Zehn-Kilometer-Laufwettkampf, rannte in 32:39 Minuten eine neue persönliche Bestzeit - "und bestimmte damit so ein bisschen den Ton für die kommende Saison", erzählt die 27-Jährige in einem Interview mit trs triathlon. Das Jahr krönte sie beim Grand Final in London mit dem Gewinn des Weltmeistertitels. Im Jahr darauf wollte sie es deshalb mit ähnlicher Herangehensweise noch einmal versuchen. Gleicher Ort, gleiche Zeit - und der Versuch, die eigene Zehn-Kilometer-Bestleistung auf eine Zeit um 32 Minuten herunterzuschrauben. "Aber 100 Meter vor der 5-Kilometer-Marke ist mir die Plantarsehne gerissen", erinnert sich Stanford zurück. Über ein Jahr Wettkampfpause folgte für die Britin, ehe sie sich ab Mai 2015 wieder allmählich an die Rennbelastung herantastete.

"Gwen Jorgensen ist keine Läuferin"

Umso höher einzuordnen daher, dass es Stanford gelungen ist, sich trotz der schwierigen britischen Nominierungskriterien bereits jetzt für die Olympischen Spiele im August diesen Jahres zu qualifizieren: Sowohl beim Olympia-Testevent in Rio de Janeiro im August 2015 als auch beim Grand Final der World Triathlon Series in Chicago einen Monat später musste Stanford dafür auf dem Podest landen. Beide Male wurde sie Zweite hinter der Weltmeisterin Gwen Jorgensen - einmal fehlten ihr im direkten Laufduell 20, einmal 30 Sekunden auf die US-Amerikanerin.

"Gwen ist sensationell und es wird einen sehr besonderen Tag brauchen, um sie in Rio schlagen zu können", gesteht Stanford daher ein. Denn Triathlon sei ja nicht nur Laufen, auch auf der Kurzdistanz nicht: "Man muss vor der letzten Disziplin ja überhaupt noch im Rennen sein. Keiner gewinnt ein großes Rennen mehr von hinten", sagt sie. "Das ist das Besondere an Gwen: Dass sie alle drei Disziplinen dermaßen beherrscht. Sie ist keine Läuferin."

"Auf keinen Fall zu früh in Form sein"

Trotzdem will sich Stanford im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Rio den Janeiro nicht kampflos geschlagen geben. "Wieso sollte ich jeden Tag aus dem Bett steigen und ins Training starten, wenn ich nicht daran glauben würde, dort gewinnen zu können", fragt die 27-Jährige. "Ich schätze, die Form, die ich vor meiner Plantarsehnenverletzung hatte, ist in etwa die, die ich brauche, um das ganz große Ding im August gewinnen zu können." Doch zu sehr pushen will sie sich nicht: "Wir trainieren bisher sehr entspannt. Wir versuchen auf keinen Fall zu früh fit zu sein. Das ganze Jahr ist nur auf diesen einen Tag im August ausgelegt - alles andere ist zweitrangig."

Non Stanford | Non Stanford

Non Stanford und Vicky Holland können bereits für Rio planen

Foto > Delly Carr / triathlon.org

Dass sie mit solchen Aussagen Erwartungen schürt, ist Stanford bewusst. "Natürlich gibt es Druck und Erwartungen. Ich bin nicht naiv", sagt sie. "Es kommt aber darauf an, wie man mit diesem Druck umgeht und wie man ihn für sich auslegt. Ich schätze mich einfach sehr glücklich, in einer Position zu sein, in der eine Medaille ein realistisches Ziel ist. Wie viele Leute können das von sich behaupten?" Und auch mit der Leichtathletik hat sie noch nicht abgeschlossen - trotz der Verletzung, die sie sich 2014 in einem Laufwettkampf zugezogen hatte. Sie habe schließlich noch einige Rechnungen mit der Leichtathletik offen. "Ich bin durchaus Realistin, was mein Leistungsvermögen dort angeht, aber ich habe mit meinem Trainer bereits die Möglichkeit besprochen, 2017 häufiger auf der Tartanbahn anzutreten", sagt sie. "Doch das ist alles noch sehr vage." Zunächst einmal will sie im August noch eine andere offene Rechnung begleichen.